Bezirk Waidhofen: Bald 5.000 Patienten ohne Zahnarzt

Zahnarzt Johann Atanasov geht mit September in Pension. Noch kann Raphael Oberleitner sich in Dobersberg behandeln lassen.
  • Zahnarzt Johann Atanasov geht mit September in Pension. Noch kann Raphael Oberleitner sich in Dobersberg behandeln lassen.
  • hochgeladen von Peter Zellinger

DOBERSBERG. Über zu wenig Kundschaft kann sich Johann Atanasov in seinem Beruf als Zahnarzt nicht beschweren. Neue Patienten kann er schon lange nicht mehr nehmen und bei Notfällen steht er auch am Wochenende oder spätabends noch in seiner Praxis. Doch das alles endet im September: da tritt der Zahnmediziner gemeinsam mit seiner Frau seinen Ruhestand an - nach mehr als 30 Jahren wird er seine Praxis in Dobersberg schließen.

Atanasov ist gleichzeitig Zahnärztevertreter des Bezirks und er schlägt deshalb Alarm: er selbst hat keinen Nachfolger und zwei weitere Zahnärzte werden in absehbarer Zeit im Bezirk in den Ruhestand gehen. Auch hier gibt es niemanden, der die Praxis weiterführen könnte. Die Lage wurde durch den tragischen Unfalltod von Wolfgang Klima aus Raabs noch verschärft. Nur ein Zahnarztkollege Atanasovs hat einen Nachfolger. Kurz: Von acht Zahnärzten im Bezirk werden drei in naher Zukunft zusperren.

"Meine Frau, zwei Assistentinnen und ich betreuen etwa 5.000 Patienten, die bald keinen Zahnarzt mehr haben werden", so der Dobersberger. Was den Mediziner besonders ärgert: der schon jetzt bestehende Mangel wird weder von der Politik noch von der Standesvertretung besonders ernst genommen. "Man hat mir tatsächlich gesagt, die Leute könnten nach Krems oder St. Pölten fahren", so Atanasov im Gespräch mit den Bezirksblättern. "Viele ältere Menschen haben schon jetzt keine Gelegenheit zu uns in die Praxis nach Dobersberg zu kommen. Da machen dann meine Frau und ich Hausbesuche. Wie bitteschön sollen diese Menschen nach St. Pölten fahren?"

Obwohl in Raabs - so der Plan - im September wieder ein Zahnarzt tätig sein wird, reicht das bei weitem nicht, ist Atanasov überzeugt. "Die Zahnärzte im Bezirk arbeiten am Limit." Der Mangel betrifft aber nicht nur den Bezirk Waidhofen: so steht in Weitra seit zwei Jahren eine eingerichtete Praxis leer. "Das Problem liegt in den Randbereichen des Bundeslandes. Im Norden wie im Süden. In den Ballungszentren können sich die Kollegen ihren Nachfolger aussuchen", so Atanasov. 167 Zahnärzte werden in naher Zukunft in Österreich in Pension gehen.

Nur einer will nach Waidhofen

Eine Liste der Zahnärztekammer gibt wenig Grund zur Hoffnung: 55 junge Zahnärzte sind in aktuell auf der Suche nach einer Praxis oder würden eine solche übernehmen. Doch nur zwei wären überhaupt bereit ins Waldviertel zu gehen, der Bezirk Waidhofen scheint nur für einen jungen Zahnmediziner interessant zu sein.

Doch woran liegt es, dass Zahnärzte nicht ins Waldviertel wollen? Laut Atanasov sind das zum Teil die Verdienstmöglichkeiten, denn: teure Brücken oder Kronen sind im Waldviertel nicht besonders gefragt. Wer selbst bezahlt, fährt eher nach Ungarn oder Tschechien. Dazu kommt das finanzielle Risiko: Wer weniger verdient als in der Großstadt, der gibt nicht gerne viel Geld für eine teure Praxisausstattung aus. Ein Behandlungsplatz mit Stuhl und Geräten kostet etwa 85.000 Euro - und eine moderne Praxis braucht mindestens zwei davon. Andere Geräte wie Panorama-Röntgen sind da noch nicht eingerechnet. Dennoch möchte Atanasov eine Lanze für das Waldviertel brechen: "Ich und meine Frau lieben das Waldviertel. Ich könnte mir nicht vorstellen in der Stadt zu sein".

Die Lösung für das Problem? "Die Politik muss endlich hellhörig werden. Alle reden vom Mangel an Allgemeinmedizinern am Land, dabei ist die Lage bei den Zahnärzten genau so schlimm".

Autor:

Peter Zellinger aus Waidhofen/Thaya

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