Der Meister der Schallplatten sucht die absolute Ruhe

Franz Hauer vor zwei seiner Plattenspieler aus Edelstahl und Granit.
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  • Franz Hauer vor zwei seiner Plattenspieler aus Edelstahl und Granit.
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PFAFFENSCHLAG. Franz Hauer einen Perfektionisten zu nennen, wäre eine glatte Untertreibung. Er kann Stunden in seinem Ohrensessel vor einer riesigen Soundanlage verbringen - aber nicht zum Genuss, sondern als Arbeit. Dort testet der 60-Jährige nämlich seine selbst gebauten Plattenspieler und versucht Störungen und Schwingungen auszumachen, die den Musikgenuss seiner Kundschaft trüben könnten.

Warum ausgerechnet Schallplatten? Nun, die schwarzen Vinylscheiben sind gerade dabei die CD zu überleben und die Absätze steigen seit einigen Jahren wieder. Das audiophile Publikum liebt die althergebrachte Methode Musik zu hören. Das hat einen einfachen Grund, wie Hauer bei einem Besuch der Bezirksblätter erklärt: "Unser Gehör ist nicht auf die digitale Abfolge von Eins und Null ausgelegt - wir brauchen analoge Klänge."

Das oberste Ziel: Ruhe!

Obwohl Hauer in einem "lauten" Geschäft tätig ist, sucht er bei seinen Abspielgeräten nur eines: Ruhe. Seine Plattenteller müssen nämlich absolut reibungslos laufen, selbst die kleinsten Stör-Schwingungen und Resonanzen könnten den Hörgenuss ruinieren. Deshalb kommt in Hauers Plattenspieler nur massives Material zum Einsatz: Granit und Edelstahl, die leichteren Teile werden aus Carbon gefertigt und als Nadel verwendet Hauer gerne Diamant. Bei einem seiner Modelle aus Stein wiegt der Plattenteller knappe 30 Kilo. Allein der Puck, der die Scheiben zusätzlich beschwert, besteht aus vier unterschiedlichen Werkstoffen.

Schon immer hat der Pfaffenschläger gerne an Soundanlagen getüftelt. Beruflich hat er aber früher Industriemaschinen aufgebaut - bis sich die Arbeit auf seine Gesundheit niederschlug und er einen Gang zurückschalten musste. Da machte er sein Hobby zum Beruf. Die Anfangsphase war turbulent: "Ich musste eine Prüfung ablegen, aber bei der Wirtschaftskammer mussten sie erst einmal jemanden finden, der diese Tontechnik noch beherrscht".

Fertigungszeit: sechs Monate

Heute kommt Hauers Kundschaft aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Ein individueller Plattenspieler nach Maß kostet in etwa so viel wie ein Mittelklassewagen. Der Preis scheint gerechtfertigt, wenn man den Aufwand bedenkt: etwa ein halbes Jahr tüftelt Hauer an seinen Laufwerken. Für heuer ist der Musik-Profi aber bereits ausgebucht. Auf Wunsch stellt er auch die Kabel selbst her - alles in einer kleinen Werkstatt im Keller und der Garage. Beim Wickeln der Kabeln läuft der 60-Jährige rund neun Kilometer auf und ab.

"Die eigentliche Arbeit beginnt aber erst danach", so der Pink Floyd-Fan. Dann nämlich wenn der Meister der Schallplatten stundenlang vor seinen riesigen Boxen sitzt und eine Platte nach der anderen aus seiner Sammlung hört. Aber nicht nur Rockmusik hat es dem Pfaffenschläger angetan, aktuell hat er seine Liebe zur Klassik entdeckt. "Darauf hat mich ein Kunde aus der Schweiz gebracht, der einen Plattenspieler für klassische Musik wollte". Beim stundenlangen Hören hat Hauer sogar schon spannende Details auf Aufnahmen gefunden, die auf herkömmlichen Anlagen nicht hörbar sind. "Auf der Live-Aufnahme von Harry Belafonte in der Carnegie-Hall, übrigens der ersten Stereoaufnahme, kann man an einer Stelle die U-Bahn hören", lacht Hauer.

"Der Künstler muss vor dir stehen"

Es muss aber nicht immer ein tausende Euro teurer "Hauer-Analog" sein. Der Pfaffenschläger repariert für seine Kunden für kleines Geld auch gerne kaputte Plattenspieler oder tunt sie ein wenig um das Beste herauszuholen. Wann aber ist der Klang perfekt? "Wenn du die Augen schließt, muss der Künstler direkt vor dir stehen."

Mehr zum Thema: www.hauer-analog.at

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