Flussserie Teil 3:
Die Gefahr der Lebensader: Wenn die Thaya über ihre Ufer tritt

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Im Mai 1936 ertranken beim Untergang einer überladenen Seilfähre in Nové Mlýny (Neumühl) 31 Kinder aus Rakvice (Rakwitz) auf ihrem Schulausflug.

Thaya-March-Hochwasser 2006
Das Hochwasser der Thaya und der March rührte von starken Schmelzwasser und Niederschlägen her. Das starke Tauwetter setzte mit einem Tiefdruckgebiet am 25. März 2006 mit Temperaturen über 20 Grad Celsius ein. Da speziell die Wintersaison 2005/2006 selbst einerseits sehr viel Neuschneemengen, beginnend mit November 2005 hatte und andererseits kaum Tauwetterperioden aufwies, waren die Schmelzwassermengen im Frühjahr österreichweit überdurchschnittlich. Dazu kamen starke Niederschläge ab 26. März vor allem am Alpennordrand und im Norden Österreichs. Der Höhepunkt im Waldviertel lag am 28. März.
Das Junihochwasser betraf nicht so große Gebiete wie das vorhergehende. Das besondere an diesem Hochwasser war das extrem schnelle Ansteigen der Thaya. Vorausgehend waren hohe Niederschlagsmengen während des ganzen Juni. Enorme Regenmengen im nördlichen Waldviertel ließen die Pegel der Thaya und ihrer Zubringer extrem rasch ansteigen. Vor allem die Bezirke Waidhofen/Thaya, Gmünd und Horn waren davon betroffen.[4]

Das Besondere an diesem Hochwasser war die Geschwindigkeit des Pegelanstieges nach den Niederschlägen am 29. Juni vor allem im Einzugsgebiet der Mährischen Thaya. So fielen bei der Messstelle Hardegg innerhalb von 24 Stunden 190 mm Niederschlag. Durch diese hohen Niederschläge stieg der Pegel der Thaya im Waldviertel bis zu 5 Meter innerhalb kurzer Zeit am 30. Juni 2006. In Raabs war der Hauptplatz innerhalb von zwei Stunden einen Meter unter Wasser. Die Wassermengen waren größer als jene beim legendären Hochwasser 2002. Die Fugnitz führte ebenfalls zu schweren Schäden in Hardegg, wo sie in die Thaya mündet.[5]

Betroffen waren in Österreich an die 70 Ortschaften mit etwa 1500 Häusern. Zur Hilfeleistung waren 22 Feuerwehren mit 3000 Mann eingesetzt.

Die Schwerpunkte des Hochwassergeschehens lagen im Einzugsgebiet der Lainsitz, die nach Norden entwässert, sowie die Thaya und in der Folge die March. Im Bereich des Pegels in Schwarzenau im Bezirk Zwettl erreichte die Hochwasserhäufigkeit am 29. März eine Wahrscheinlichkeit von 1 bis 5 Jahre. Katastrophaler wurde die Lage in Raabs, wo auch die mährische Thaya in die deutsche Thaya mündet. In diesem Bereich erreichte die Hochwassermarke eine 100-jährliche Häufigkeit. Die Durchflussmenge erreichte eine Spitze von 340 m³/s, die nach 2002 der nächst höchste jemals gemessene Wert ist. Auch in Tschechien waren große Zuflüsse zu verzeichnen, sodass die Durchflussmenge bei der Talsperre Vranov bereits 400 m³/s aufwies und ab dem Morgen des 30. März nur mehr über die Dammkrone entwässert werden konnte. Auch der Speicher oberhalb in Nové Mlýny, der linke Zuflüsse aus dem Mährischen Hochland aufnimmt, war bald gefüllt.
Nachdem bereits im März 2006 die Thaya das höchste Hochwasser in den letzten 100 Jahren geführt hatte, stieg am 30. Juni gleichen Jahres der Pegel durch starke Regenfälle im Oberlauf sowohl der Deutschen als auch der Mährischen Thaya innerhalb weniger Stunden während der Nacht auf den höchsten Wert seit 300 bis 400 Jahren. Dabei wurden in circa 70 Orten 1500 Gebäude unter Wasser gesetzt. Am stärksten betroffen war die Stadt Raabs, wo der Wasserstand der Deutschen Thaya auf 6,60 Meter stieg. Der Normalstand beträgt 1,20 m, beim Hochwasser 2002 betrug er 6,20 m.

Juni 2019:
Die Arbeiten am neuen Hochwasserschutz für Altwaidhofen werden über den Sommer abgeschlossen. Damit ist (fast) das gesamte Gemeindegebiet sicher.

WAIDHOFEN. Seit dem Vorjahr rollen in Altwaidhofen jenseits der Bundesstraße 5 unterhalb der Deponie die Bagger. Viel hat sich seit dem letzten Lokalaugenschein getan und jetzt sind auch erstmals die Ausmaße der größten Erdbaustelle im Bezirk erkennbar. Hier entsteht aktuell der Hochwasserschutz für Altwaidhofen - Zeit für einen Lokalaugenschein.

Der Bagger rollt auf einem frisch aufgeschütteten Damm auf und ab, es riecht in der brütenden Hitz nach feuchter Erde. Wir stehen IM Rückhaltebecken vor einer neun Meter hohen Betonkonstruktion, dem Herzstück der Anlage. 75 Millionen Liter Wasser sollen hier im Notfall von Altwaidhofen ferngehalten werden, erklärt der verantwortliche Stadtrat Alfred Sturm beim Besuch.
Unterschätzte Gefahr: Niederschlagswasser

Rund 200 Einwohner und 50 Häuser müssen in Altwaidhofen vor den Fluten geschützt werden. Dabei ist es nicht nur die Thaya, die den Ort bedroht, sondern auch Wassermassen, die von den umliegenden Feldern bei Starkregen in den Ort fließen würden. Die Betonkonstruktion ist dabei das Herzstück: Ein Drosselbauwerk, das dafür sorgt, dass das Wasser kontrolliert an die Ortschaft abgegeben wird. Im Ernstfall würden aktuell 25.000 Liter Wasser in den Ort fließen - pro Sekunde. In Zukunft wird dieser Wert auf 10.000 Liter abgesenkt. Ein zweites, kleineres Becken bei der Kreuzung in Richtung Hollenbach, soll den Hochwasserschutz komplettieren.

Wassermengen, die bei starkem Regen über die Felder in die Ortschaften fließen, sind ein unterschätztes Problem, wie Sturm erklärt. Als es vor einem Jahr in Matzles zu Überflutungen kam, hätte es um ein Haar auch Altwaidhofen erwischt. "Wir werden oft gefragt, warum wir so einen Aufwand betreiben. Aber hätte es vor einem Jahr auch über Hollenbach stark geregnet, wäre Altwaidhofen in Gefahr gewesen, das war wirklich ganz knapp", erklärt Sturm die Notwendigkeit des aktuellen Bauprojektes.
Ausfallsicher dank Handbetrieb

Gesteuert werden die Durchflussmengen ganz analog mit einer Handkurbel - das macht das System ausfallsicher. Für eine sichere Zufahrt sorgen eigene Straßen in das Becken. Ein Rechen vor dem Drosselbauwerk soll angeschwemmtes Holz abfangen, damit es nicht zu Verklausungen kommt.

Auch die Matzleser werden profitieren, denn durch das Becken in Altwaidhofen kann in Matzles die Verrohrung der dortigen Mulde vergrößert werden und mehr Wasser kann aus dem Ort abfließen.

Der neun Meter hohe Drosselbau ist mittlerweile fertig und der gesamte Hochwasserschutz wird höchstwahrscheinlich über den Sommer fertiggestellt. "Bis auf Vestenötting ist dann das gesamte Gemeindegebiet geschützt", so Sturm.

Insgesamt werden 1.790.000 Euro investiert. Bund und Land übernehmen 89 Prozent der Kosten. Die restlichen elf Prozent, also rund 197.000 Euro, bezahlt die Stadtgemeinde Waidhofen.

Büro Bärnkopf (November 2019):

Der Hochwasserschutz in Altwaidhofen (Waidhofen/Thaya) wurde kürzlich feierlich eröffnet: Insgesamt investierten das Land Niederösterreich, der Bund und die Gemeinde rund 1,8 Millionen Euro in die Schutzmaßnahmen am Kaltenbach.

Durch die Errichtung von zwei Rückhaltebecken wurde entlang der innerörtlichen Fließstrecke des Kaltenbaches sowie im Ortsteil Sandgrube ein Schutz gegen ein 100-jährliches Hochwasser erreicht. Am Kaltenbach wurde ein Rückhaltebecken mit einem Volumen von 75.000 Kubikmetern und oberhalb des Ortsteiles Sandgrube eines mit einem Volumen von 4.600 Kubikmetern errichtet.

„Der Schutz der Bevölkerung hat für uns oberste Priorität“, betont LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. „Seit dem Jahr 2002 wurde in Niederösterreich über 1 Milliarde Euro in den Hochwasserschutz investiert. Damit wurden bereits über 300 Gemeinden sicherer gemacht, laufend stehen rund 70 Projekte in Umsetzung.“ Einen besonderen Dank sprach Pernkopf im Zuge der Eröffnung der Feuerwehr aus: „Im Ernstfall ist unsere Freiwillige Feuerwehr immer zur Stelle. Besonders im Hochwasserfall ist sie rund um die Uhr im Einsatz, um zu Helfen. Das ist keine Selbstverständlichkeit und gehört immer wieder vor den Vorhang geholt!“

„Es gibt nichts Schlimmeres, als nachts nicht ruhig schlafen zu können, weil man nicht weiß, ob man morgen das Hochwasser im Haus hat. Dieses Gefühl ist mit dem Hochwasserschutz jetzt zum Glück Vergangenheit“, freut sich Bürgermeister Robert Altschach.

Durch die Hochwasserschutz-Maßnahmen werden 19 Wohnobjekte, die Firma Mölzer, die Gemeinde- und Landesstraßen, ein Abwasserpumpwerk, das Feuerwehrhaus der FF Altwaidhofen und die „Kainzer Fischteiche“ vor einem 100-jährlichen Hochwasser geschützt.

Land unter: Die Häuser von Niederthal wurden immer wieder vom Thayawasser heimgesucht.
Autor:

Simone Göls aus Krems

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