Flussserie Teil 6
Die Thaya: Natürlich fließt es sich am besten

Natur pur: Das Flussbett der Thaya ist belebt.
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  • Natur pur: Das Flussbett der Thaya ist belebt.
  • Foto: Stadt Waidhofen
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Im heutigen Flussbau gilt der „naturnahe Wasserbau“ als Stand der Technik. Das bedeutet, dass neben dem Zweck des Hochwasserschutzes auch ökolgische Belange respektiert und umgesetzt werden. Das Land Niederösterreich investiert seit Jahren in die Renaturierung von ehemals regulierten und begradigten Gewässerstrecken und leistet damit einen wichtigen Beitrag für den Erhalt einer ausgewogenen Artenvielfalt. In Summe wurden bisher rd. 210 Mio. Euro für naturnahe Gewässer aufgewendet.

BEZIRK WAIDHOFEN/ THAYA. Ein beispielhaftes Revitalisierungsprojekt für das Flussgebiet, gefördert durch den NÖ Landesfischereiverband beziehungsweise des Fischereirevierverbandes war die Errichtung eines Fischaufstiegs und Fischabstiegshilfe im Bereich der Riedmühle.
Auch eine Fischaufstiegshilfe an der Modlischwehr an der Thaya oder eine Fischaufstieghilfe im Bereich Dorfmühle wurden geschaffen.
Damit Hand in Hand gehen Fischbestandserhebungen an der Thaya.
Auch die Errichtung einer Fischwanderhilfe in der Katastralgemeinde Sparbach war eine bahnbrechende Veränderung, zumindest für die Fische.

Der Umbau der im Verwaltungsbezirk Waidhofen/Thaya eingetragenen Hammerschmiedwehr in der Katastralgemeinde Kaltenbach in eine fischaufstiegsgerechte aufgelöste Blocksteinrampe.

Die Thaya wurde in der Stadtgemeinde Raabs Strukturmaßnahmen im Stauraum der WKA Dyk unterzogen.

April 2012: Neuer Grenzverlauf entlang der Thaya

"Schön, dass der letzte noch offene Punkt nach der erfolgreichen Umsetzung der Schutz- und Regulierungsmaßnahmen entlang des Flusslaufs der Thaya gestern im Innenausschuss und  im Plenum einstimmig beschlossen wurde", hielt der Weinviertler SPÖ-Nationalratsabgeordnete Rudolf Plessl im April 2012 fest.
Der Staatsvertrag zur Adaptierung des Grenzverlaufs zwischen Tschechien und Österreich in den Grenzabschnitten X (Gemeinde Bernhardsthal) und XI (Gemeinden Bernhardsthal, Rabensburg (Bez. Mistelbach) und Hohenau an der March (Bez. Gänserndorf)) wurde notwendig, da die Errichtung des rechtsufrigen Thayadammes (1982 bis 1986) und die Regulierung (1979 bis 1987) zu einer leichten Änderung des Flusslaufs der Thaya geführt haben. Der bisherige Verlauf folgte dabei nicht den künstlichen Veränderungen der Flusslage sondern schnitt das Flussbett mehrmals.
Um eine deutliche Erkennbarkeit des Verlaufs der Staatsgrenze zu gewährleisten und eine sinnvolle Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen zu ermöglichen wird die Staatsgrenze nun in das neue Flussbett verlegt. "Insgesamt erfolgen die Grenzänderungen aber flächengleich" erklärt Plessl: "Daher profitieren von dieser heute einstimmig beschlossenen Maßnahme die Bürgerinnen und Bürger beider Staaten gleichermaßen.“

TU Wien: Landschaftliche Entwicklung:

Eine Arbeit der TU Wien zur Entwicklung der Thaya besagte Folgendes:
In den vergangenen 200 Jahren gab es einige Eingriffe in das Ökosystem der Laaer Umgebung, die eine massive Auswirkung auf die Landschaft bedingten. Die wohl bedeutendste dieser Eingriffe wurde 1830 durchgeführt - die Thayaregulierung. Nördlich von Laa wurde ein geradliniges Flussbett geschaffen, die Thaya weiter von der Stadt distanziert. Ein Stausee auf tschechischer Seite verhindert die Verschlammung des Thayamühlbaches, das steinerne Bett welches den Bach über die Pulkau führt verhindert Hochwasser. Folgen dieser Regulierung war das Absinken des Grundwasserspiegels.

Ein weiterer großflächiger Eingriff war die Errichtung der zahlreichen Entwässerungsgräben in den letzten hundert Jahren. Im gesamten Laaer Umland wurde ein verzweigtes Drainagesystem angelegt, welches das durch Regenfälle anfallende Oberflächengewässer möglichst schnell Richtung Thaya sowie Pulkau abfließen sollte. Aufgrund der klimatisch bedingten öfters auftretenden Starkregenereignisse war diese Maßnahme von besonderer Bedeutung, die Möglichkeit der landwirtschaftlichen Nutzung wurde somit weiter verbessert.

Planwirtschaft begradigte Flüsse

Es ist der kommunistische Planwirtschaft zu verdanken, dass die Thaya-Regulierung bis in die 80er-Jahre umgesetzt wurde, während in Westeuopa Renaturierung der begradigten Flüsse längst das Thema war. Die Thaya war durch die Begradigung von Bernhardsthal bis Hohenau um drei Kilometer auf 16 Kilometer verkürzt worden, das Gefälle um ein Viertel steiler geworden. "Dadurch wurde das Flussbett instabil", erklärt der Rabensburger Ökologe Werner Lazowksi, der Fluss gräbt an den Steilwänden Material ab, zugleich haben Thaya und March ihre Sohle um über einen Meter vertieft.
Die Folgen: Die Frühjahrshochwässer sind kürzer und später, was das Laichen der Fische einschränkt. Zum einen ist der Fischbestand dramatisch zurückgegangen, zum anderen bedingen die schlechten Laich-Bedingungen in den kleinen Hochwassertüpeln die starke Vermehrung der Gelsen. Lazowski: "Sie haben weniger natürliche Feinde."
Der Ökologe bringt es auf den Punkt: "Die Regulierung war ohne Nutzen." Doch es hätte es für die Au noch schlimmer kommen können: Die ursprünglichen Pläne einer vollständigen Uferverbauung waren mit dem Fall des Eisernen Vorhangs ad acta gelegt worden.

Frühe Regulierung in Mähren nahe der Grenze

Höflein an der Thaya in Südmähren liegt nahe der österreichischen Grenze
Die Thaya-Regulierung erfolgte 1830/31 (Kreuzungsbauwerk Pulka / Joslowitzer Mühlgraben), wodurch aber die Anzahl der Teiche abnahm. Bis zu diesem Zeitpunkt lag Höflein in sumpfigem Gebiet.
Im Lauf des 19. Jahrhundert erlebte Höflein Ruhr- und Choleraepidemien sowie mehrere Brände.

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