Folgen der Impfskepsis
Keuchhusten-Epidemie im Waldviertel

Aktuelle Keuchhusten-Welle im Waldviertel brachte zwei Kinder in Lebensgefahr. Sie konnten auf die Intensivstation gerettet werden. Das wäre vermeidbar gewesen, hätten die Eltern ihre Kinder impfen lassen.

BEZIRK WAIDHOFEN. Ein heute geborenes Baby bekommt bis zu seinem 18. Geburtstag etwa 50 Impfungen, wenn man jährliche Influenzaimpfungen dazuzählt. Während die einen darin den medizinischen Fortschritt und die Ausrottung gefährlicher Krankheiten sehen, halten Kritiker viele Impfungen schlicht für überflüssig. In unserer neuen Serie „Gute Imfpung, schlechte Impfung“ beleuchtet Medizinjournalist Bert Ehgartner ab dieser Woche Vorteile und Nachteile des Impfens. Wir haben unsere Ärzte im Bezirk gefragt, wie es um die Impfmoral steht und welche Impfungen sie unbedingt empfehlen.

Impfverweigerer:
"Unverantwortlich und asozial"

Von Ratschlägen von Laien rät der Kinderarzt Johannes Püspök dringend ab und bringt ein aktuelles Beispiel: "Wir hatte bzw. haben gerade eine Keuchhustenepidemie im Waldviertel, speziell im Großraum Waidhofen . Die Einzelinfektion wurde von ungeimpften Kindern verbreitet. Viele vermeidbare Erkrankungen quälten die Kinder (und Eltern) auch landeten zwei Kinder auf der Intensivstation, eines musste beatmet werden! Diese Fälle wären nicht passiert, wären die Kinder geimpft."

Zwar lassen etwa 95 bis 98 Prozent der Eltern ihre Kinder impfen, dennoch kommen auch dem erfahrenen Kinderarzt immer wieder Impfgegner unter. "Mit diesen zu diskutieren ist leider schlicht und ergreifend sinnlos." Denn: vieles was in dubiosen Youtube-Kanälen oder Facebook-Gruppen verbreitet wird, akzeptieren Impfgegner als Wahrheit. "Mit wissenschaftlicher Argumentation und klaren, beweisbaren Fakten kommt man dagegen nicht an", so Püspök. "Sinnlose" oder "schlechte" Impfungen gebe es laut Püspök nicht. "Ich stehe voll hinter dem österreichischen Impfplan."

"Das lässt einen nicht mehr los"

Püspök: "Heute kennt keiner mehr Diphterie, Pocken oder Kinderlähmung. Alles ist scheinbar weit weg, da kann man leicht tapfer sein. Sich nicht impfen zu lassen sei unverantwortlich und asozial, so der Mediziner. "Man lässt jene, die nicht geimpft werden können ins Messer laufen". Die Menschen haben keine Ahnung, was sie riskieren. Er selbst habe erlebt, wie ein sechsjähriges Kind binnen einer Woche an den Rollstuhl gefesselt war, weil es nicht gegen Masern geimpft wurde. "So etwas lässt einen ein Leben lang nicht mehr los", so Püspök.

Die sinkende Impfmoral beobachtet auch der Allgemeinmediziner Wolfgang Höpfl aus Waidhofen mit Sorge und warnt vor einer trügerischen Sicherheit. "Man wähnt sich auf einem sicheren Schiff und denkt nicht daran, dass sich plötzlich wieder Infektionskrankheiten wie vor 60 Jahren entwickeln. Das sind ganz klar Folgen des Wohlstandes", so Höpfl, der ebenfalls dringend die Schutzimpfungen des österreichischen Impfplanes empfiehlt.

Für den Schutz der Menschen ist der Herdenschutz wichtig, das heißt ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung muss geimpft sein, sonst steigt die Gefahr von Epidemien. Wären 95 Prozent der Bevölkerung gegen den Erreger geimpft, wäre es sogar möglich die Masern auszurotten. Dass dies möglich ist, beweist die Erfolgsgeschichte der Pockenimpfung, die seit 1980 als ausgerottet gelten. Im Fall der Masern ist man von diesem Ziel aber weit entfernt - zumindest in Europa. Auf dem amerikanischen Kontinent gelten die Masern seit 2016 als ausgerottet.

Masernerkrankungen steigen

Laut aktuellen Zahlen des Gesundheitsministeriums steigt die Zahl der Masernerkrankungen in Österreich aktuell wieder an. Im ersten Halbjahr 2018 wurden 95 Masernfälle gezählt - mehr als im gesamten Jahr davor. Was viele Menschen von dem kleinen Stich mit der Nadel abhält ist auch die Angst vor angeblichen Impfschäden. In Online-Foren ist von Fällen von Autismus die Rede, oder gar vom "Impfmord".

Wissenschaftlich belegen lässt sich das freilich nicht. "Ich kenne keinen einzigen Fall von einem so genannten Impfschaden. Ganz im Gegenteil, ich habe heute noch Patienten, die bleibende Schäden davongetragen haben, weil sie nicht geimpft wurden oder es damals noch keinen Impfstoff gab", erklärt Höpfl. Obwohl der Arzt Verständnis für Skeptiker hat: "Junge Eltern zu verunsichern ist nicht schwer. Die Wirkung von Impfungen ist allerdings wissenschaftlich belegt."

Aber nicht um alle Impfungen ist es schlecht bestellt, denn die Waidhofner lassen sich aktuell stärker gegen die Grippe impfen, als die Jahre davor. "Das ist erstmals seit Jahren ein Anstieg", so Höpfl, der dies mit der steigenden Qualität des Impfstoffes erklärt.

Der Appell des Experten: "Mein Vater hat noch im Infektionspavillon des Krankhauses gearbeitet, dass es dieses heute nicht mehr gibt, haben wir Schutzimpfungen zu verdanken", so Höpfl.

Mehr dazu finden Sie hier.

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