Küchenhilfe nach 100 Überstunden im Krankenstand gekündigt

766.000 Euro hat die AK für die Waidhofner erstritten. Im Bild: Michaela Schön, Markus Wieser, Christian Hemerka, Andreas Hitz.
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WAIDHOFEN. 100 Überstunden in nur wenigen Monaten sammelte eine Küchenhilfe aus dem Bezirk Waidhofen bei ihrem Arbeitgeber, einem Restaurant im Bezirk – bis sie krank wurde.

Als sie dies dem Dienstgeber mitteilte, wurde sie prompt von der Krankenkasse abgemeldet. Einvernehmliche Auflösung, hieß es. Dieser Auflösung hatte die Frau aber nicht zugestimmt und wendete sich daraufhin an die AK-Bezirksstelle Waidhofen. „Die Gesetzeslage ist klar: Auch bei einer einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses im Krankenstand ist der Dienstgeber zur Entgeltfortzahlung verpflichtet, mindestens sechs Wochen lang“, sagt AK-Bezirksstellenleiter Christian Hemerka.

Das sah auch der Dienstgeber ein. Doch bei der Kontrolle der Unterlagen fand der Arbeitsrechtsexperte weitere Unstimmigkeiten: Es fehlten nicht nur die Kündigungsentschädigung und die Urlaubsersatzleitung für 13 Tage Urlaub. Auch 100 Überstunden, die die Frau geleistet hatte, waren nicht ausbezahlt worden“, so der Experte. Den Weg vor Gericht riskierte der Arbeitgeber aber nicht – und überwies der Frau die noch offenen 4.600 Euro.

Dauerbrenner Gastgewerbe

Fälle wie diese beschäftigen die Arbeitsrechtler beinahe täglich. "Das Hotel- und Gastgewerbe ist ein Dauerbrenner. Dienstgeber in dieser Branche sind geneigt die Leute im Krankenstand sofort abzumelden. Dass sie trotzdem das Entgelt weiterzahlen müssen, hat sich offensichtlich noch nicht überall herumgesprochen, denn die Probleme reißen nicht ab", erklärt Hemerka im Rahmen der Präsentation der Jahresbilanz der Arbeiterkammer Waidhofen. Dennoch betont Hemerka das gut Einvernehmen mit der Wirtschaft: "Bei uns funktioniert die Sozialpartnerschaft zwischen Arbeiter- und Wirtschaftskammer noch."

Insgesamt hat die Bezirksstelle Waidhofen im Vorjahr mehr als 760.000 Euro für Arbeitnehmer der Region erstritten, sagt der Bezirksstellenleiter. Insgesamt haben sich im vergangenen Jahr mehr als 3.200 Menschen an die Bezirksstelle gewandt.

66 Millionen für die niederösterreichischen Arbeitnehmer

66 Millionen Euro – so viel hat die AK Niederösterreich im Vorjahr für die niederösterreichischen ArbeitnehmerInnen nach Problemen am Arbeitsplatz oder in sozialrechtlichen Fragen gesichert. „Das ist Geld, das den Beschäftigten zusteht. Es ist ihnen aber aus verschiedenen Gründen vorenthalten worden – bis die Experten der AK Niederösterreich interveniert haben“, sagt AK Niederösterreich-Präsident Markus Wieser. Mehr als jeder vierte Arbeitnehmer in Niederösterreich ließ sich von der AK beraten. Konkret waren das 137.811 Beschäftigte in Niederösterreich.

Die AK Niederösterreich hat ihre Mitglieder 2018 in unterschiedlichen Bereichen der Arbeitswelt vertreten: Das reicht von nicht ausbezahlten Überstunden über Insolvenzen und ungerechtfertigte Entlassungen bis hin zu Bezahlungen unterhalb des Kollektivvertrags sowie nicht ausbezahlten Löhnen, Gehältern oder Abfertigungen. Auch Arbeitslosenversicherung, Pension und Krankheit sind Themen vieler Anfragen.
Wieser: Durch die Beiträge vieler kommen ArbeitnehmerInnen zu ihrem Recht
„Sehr viele unserer Mitglieder brauchen den Rechtsschutz der Arbeiterkammer ganz notwendig, weil sie sich den Weg zu Gericht sonst nicht leisten könnten. Die Hemmschwelle, zu Gericht zu gehen, wäre einfach zu hoch“, so Präsident Wieser. „Durch die Kraft und die Beiträge vieler ist es möglich, dass arbeitende Menschen die Löhne und Gehälter bekommen, die ihnen zustehen – und zwar ganz egal, ob sie gut oder wenig verdienen.“

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