Bürgerkorps
Waidhofens ältester Verein sucht Verstärkung

Die Mitglieder des Bürgerkorps können auf eine über 400-jährige Geschichte zurückblicken.
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  • Die Mitglieder des Bürgerkorps können auf eine über 400-jährige Geschichte zurückblicken.
  • hochgeladen von Peter Zellinger

WAIDHOFEN. Der erste Fußballverein in Österreich wurde 1894, der erste Tennisverein 1881 gegründet. Diese vermeintlich "alten" Vereine werden aber vom Bürgerkorps Waidhofen um Jahrhunderte in den Schatten gestellt, denn der heutige Traditionsverein kann seine Wurzeln 423 Jahre lang zurückverfolgen. Im Jahr 1596 wird erstmals das Schießwesen trainiert. Der Zweck: Die Stadt zu verteidigen. Das machten die Waidhofner Schützen offenbar mit Erfolg, denn die Waidhofner konnten im 30-jährigen Krieg sogar die Schweden erfolgreich abwehren. 

Heute, vier Jahrhunderte später trägt man den stolzen Titel "Privilegiertes, Uniformiertes und Bewaffnetes Bürgerkorps zu Waidhofen an der Thaya". Nur die Aufgaben haben sich gewandelt, wie Kommandant Erich Pichl (im Rang eines Majors beim Korps) gegenüber den Bezirksblättern erklärt. "Heute verstehen wir uns als Botschafter Waidhofens in ganz Europa", so Pichl. Bei Veranstaltungen im In- und Ausland sind die Mitglieder vertreten - der Korps-Experte spricht dabei von Ausrückungen. Dabei werden Kontakte zu anderen wehrhistorischen Gruppen geknüpft und kräftig die Werbetrommel für Waidhofen gerührt. Das ist übrigens Aufgabe der Ehrendamen des Korps, wie Martina Neidhart erklärt. 

Zauber der Montur

Die Damen tragen ein eigens für das Bürgerkorps geschneiderte Dirndl, die Herren werden mit originalgetreuen Nachbildungen der Uniform aus dem Jahr 1908 ausgestattet, die auch von der Blasmusikkapelle getragen wird. Geübt wird unter anderem das Exerzieren nach den Regeln der k.u.k.-Armee. Mit der Verherrlichung von Waffen oder der Monarchie hat das aber nichts zu tun, wie der Kommandant erklärt. "Unser Hauptzweck ist die geistige Landesverteidigung, das heißt zu vermitteln, wie wichtig Frieden ist".

Dass es das Waidhofner Bürgerkorps überhaupt gibt, ist engagierten Waidhofnern zu verdanken, die das 1933 aufgelöste Korps im Jahr 1980 neu gründeten. In ganz Niederösterreich gibt es insgesamt nur vier Städte mit dem Privileg des Bürgerkorps: Waidhofen an der Ybbs, Eggenburg, Wiener Neustadt und eben Waidhofen an der Thaya.

Verstärkung gesucht

Aktuell sucht der Traditionsverein Verstärkung. "Wer bei uns mitmachen will, muss ein Herz für Traditionspflege, geschichtliches Interesse und Heimatverbundenheit haben, etwas Zeit investieren und bereit sein, sich sozial zu engagieren", erklärt Pichl. Darüber hinaus müssen angehende Mitglieder unbescholten sein und ein persönliches Gespräch mit dem Kommando führen, schließlich wird mit Waffen hantiert. Auch Damen sind natürlich beispielsweise als Hornistin herzlich willkommen, so Pichl. Belohnt wird das Engagement mit Ausflügen in ganz Europa, bei denen natürlich auch Lebensgefährten und Ehepartner willkommen sind. Und vielleicht darf der Neuzugang schon bald einem vom Kaiser gestifteten Orden tragen. Den erhält man nämlich, wenn man beim einmal jährlich abgehaltenen Schießen als Schützenkönig hervorgeht.

Früher hätte man übrigens keine Nachwuchsprobleme gehabt. Im 19. Jahrhundert musste nämlich jeder männliche Waidhofner im Bürgerkorps dienen. Damals hatte man aber auch noch alle Hände voll zu tun, schließlich war man Polizei, Feuerwehr und Rettung in einem.

Wer im Rang eines Gardisten eintreten möchte, kann sich auf der Facebookseite des Korps umsehen oder sich direkt an Erich Pichl unter 0664/3949471 oder e.pichl@gmx.at oder jedes andere Mitglied des Korps wenden.

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