Überleben im Waldviertel
Sieben Tipps für Politiker im Waldviertel

Nein, das Waldviertel besteht nicht aus völlig übermüdeten Gestalten. Außer der hier.
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  • Nein, das Waldviertel besteht nicht aus völlig übermüdeten Gestalten. Außer der hier.
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Fast könnte man meinen die kommende Wahl werde im Waldviertel entschieden. Gut so! Leider müssen da aber einige Missverständnisse ausgeräumt werden.

WALDVIERTEL. Schwarz, Türkis, Blau, Rot, Grün, Pink und Pilz haben im Wahlkampf das Waldviertel entdeckt. Jeder redet von Waldviertler Pendlern, Waldviertler Arbeitnehmern, Waldviertler Omas und Opas. Fast könnte man meinen, die Nationalratswahl würde im schönsten Viertel der Welt entschieden. Wir meinen: Gut und richtig so! Dennoch möchten wir völlig unparteiisch den wahlwerbenden Gruppen ein paar Tipps geben, wie man im Waldviertel richtig wahlkämpft.

Nein, das Waldviertel besteht nicht aus völlig übermüdeten Gestalten. Außer der hier.
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1. Glaubt nicht, ihr würdet Pendler verstehen

Politiker vermitteln den Eindruck, jeder Waldviertler würde mehr Zeit auf dem Weg in die Arbeit, als mit dem Job selbst verbringen. Tatsächlich pendeln nur 38 Prozent der Waldviertler in einen anderen Bezirk und nur ein Bruchteil davon nach Wien. Das ist übrigens der geringste Wert in ganz Niederösterreich. Daher, liebe Wahlkämpfer: Das Waldviertel besteht nicht nur aus übernächtigten und abgeschlagenen Gestalten, die verzweifelt versuchen irgendwie nach Wien zu kommen.

Tschuuu-Tschuuu: So geht Zugverkehr im Waldviertel.
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2. Wollt ihr uns helfen? So geht's!

Alle Welt redet über Klimaschutz, irgendwelchen Klimatickets und ominösen CO2-Steuern. Was uns wirklich helfen wollt, dann sorgt endlich dafür, dass die Franz-Josefs-Bahn nicht mehr mit gefühlt 30 km/h durch ganz Tulln zuckelt. Oder dass Holz-Lkw nicht mehr unsere Straßen verstopfen. Oder dass es endlich möglich ist, den Tattergreis im Auto vor einem zu überholen ohne ein schnelles Stoßgebet zu sämtlichen bekannten und weniger bekannten Gottheiten zu schicken. Der geht nämlich der Lieblingsbeschäftigung des Waldviertlers nach: "Födaschaun". Das bremst halt leider den Verkehr immens. Ihr seht: Da kann man noch einiges verbessern.

Der letzte Spitzenpolitiker, der sich ins Waldviertel verirrte, sah in etwa so aus.
  • Der letzte Spitzenpolitiker, der sich ins Waldviertel verirrte, sah in etwa so aus.
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3. Besucht uns doch einmal!

In manchen Gegenden des Waldviertels war der letzte Spitzenpolitiker zu Gast, als Napoleon durchmarschiert ist. Als unsere Bahnlinie eröffnet wurde, redete man Politiker noch mit "Euer Durchlaucht" oder "Erzherzog" an. Ihr könntet ruhig einmal wahlkämpfenderweise vorbeischauen und euch die Probleme der Waldviertler anhören, statt nur ÜBER und nicht MIT uns zu reden. Das wäre einmal wirklich erfrischend.

Voll mystisch, Oida! Vergesst den Blödsinn. Das mystische Waldviertel haben wir für Touristen erfunden.
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4. Willkommen bei den Wilden!

Gerne wird aktuell das Bild vermittelt, am Manhartsberg beginnt dieses mysteriöse Land, wo sich nicht nur Fuchs und Henne gute Nacht sagen, nein, wo auch Elfen und Einhörnern aus den frühmorgendlichen Nebelschwaden ausziehen um den Menschen Wünsche zu erfüllen, wenn man sie mit einem Schmetterlingsnetz einfängt. Wisst ihr was? Das ist völliger Unfug. Das mit dem mystischen Waldviertel haben wir erfunden, damit wir Touristen das Geld aus der Tasche ziehen können. Den angeblichen keltischen Opferstein auf dem ihr gerade meditiert, hat der Jogl-Bauer letztes Jahr mit dem Traktor aus dem Feld gezogen und für euch genau da hingestellt, damit ihr Engelsenergien empfangen könnt. Politiker sollten g'scheiter sein, also glaubt den Blödsinn bitte nicht.

Hat versucht mit dem Bus von Goschenreith nach Dobersberg zu kommen. Mathilde wurde nie wieder gesehen.
  • Hat versucht mit dem Bus von Goschenreith nach Dobersberg zu kommen. Mathilde wurde nie wieder gesehen.
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5. Gute Ideen haben wir selber

Immer wieder schwappen hervorragende Ideen aus der Bundeshauptstadt zu uns aufs Land. Aktuell heißt es ja, wir sollen mehr mit den Öffis fahren. Tja, leider hat der Arzt bei uns am Land aber eine Ordinationszeit, die sich nur eher wenig mit dem Busfahrplan deckt. Kurz: Wir sind oft auf unsere Autos angewiesen. Und glaubt es uns: Wir hätten es auch gerne anders und würden gerne darauf verzichten. Ihr seht: Verbesserungsvorschläge haben wir selber, da brauchen wir eure Ideen von innerhalb des Rings nicht unbedingt. Außerdem ist das mit dem Bus gerade eh so ein bisserl ein schwieriges Thema. Da hat man nämlich den Fahrplan umgestellt und es lief so... naja...

Wie das Bus-Chaos entstanden ist - und was jetzt getan wird
Ja wir freuen uns voll auf euch jungen, urbanen Hipster auf der Flucht vor der Hitze der Stadt...
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6. Bei uns ist es schön, wirklich

Gut, in einem Punkt müssen wir euch recht geben: Das mit dem Klima im Waldviertel muss man mögen. Dafür punkten wir mit einer Schönheit, die man nur hier findet. Was glaubt ihr, liebe Spitzenkandidaten, warum das Waldviertel mittlerweile mehr Zuzug als Abwanderung hat und sich der Speckgürtel zu uns verschiebt. Sogar der Immobilienmarkt boomt und Anleger raten mittlerweile bei uns zu investieren. Kein Witz! Das sorgt auch für Probleme, denn wir machen uns ernsthaft Sorgen, dass ihr Klimaflüchtlinge aus der Stadt uns bald überschwemmt.

Schaut her, ich bin ein kerniger Waldviertler Bauernbua! Nein, bist du nicht und jetzt lauf schnell wieder zurück nach Wien!
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7. Wenn ihr keine Waldviertler seid, dann tut auch nicht so

Zum Schluss die wichtigste Wahlkampfregel: Wer aus Wien-Meidling kommt, ist in etwa so viel Waldviertler, wie ein texanischer Rinderzüchter oder ein chinesischer Uigur. Also gar nicht. Also behauptet es einfach nicht, ok?

Mehr Tipps für das Überleben im Waldviertel gefällig? Haben wir!

Autor:

Peter Zellinger aus Waidhofen/Thaya

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