Antrittsgespräch
"Wennst es im Herz spürst, dann brennst auch dafür!"

Eunike Grahofer in ihrem neuen Büro im Rathaus. Ein Namensschild hat sie schon, gewählt wird sie aber erst am 28. Jänner.
  • Eunike Grahofer in ihrem neuen Büro im Rathaus. Ein Namensschild hat sie schon, gewählt wird sie aber erst am 28. Jänner.
  • hochgeladen von Peter Zellinger

Waidhofens erste Bürgermeisterin im Gespräch über persönlichen Wahnsinn, den Rausch der Geschwindigkeit und was sich in Waidhofen ändern muss.

WAIDHOFEN. Eunike Grahofer wird am 28. Jänner zur neuen Bürgermeisterin gewählt. Wir trafen die zukünftige Stadtchefin zum Gespräch in ihrem neuen Büro im Rathaus.

Sind sie verrückt, Frau Grahofer? Oder warum tun Sich das an?
GRAHOFER (lacht): Ob man "verrückt" ist, ist doch nur eine Frage des Blickwinkels und wie man den Kopf hält. Aber ernsthaft: Ich liebe Herausforderungen, ich hatte einen sicheren Job und habe dann doch lieber ein Geschäft aufgemacht. Wenn das nicht funktioniert, stehst du als Alleinerzieherin ohne irgendwas da. Das mit den Büchern war auch nicht so geplant, das hat sich alles ergeben. Aber: Wenn du’s im Herz spürst, dann brennst du dafür. Das ist beim Amt der Bürgermeisterin auch so, sonst hätte ich nicht ja gesagt.

Sie sind Autorin, Kräuterpädagogin, geben Vorträge an Universitäten, haben ein Geschäft in der Innenstadt und moderieren Radiosendungen. Ihr Vorgänger hat öfter gesagt, dass Bürgermeister in Waidhofen kein Nebenjob ist. Wie geht sich das aus?
Ich werde mich im Geschäft zurückziehen. Vorträge werde ich weiterhin abhalten. Meine anderen Projekte muss ich etwas konzentrierter aufstellen. Aktuell ist das Thema Veranstaltungen bis auf einen Lehrgang auch nicht gegeben, da habe ich jetzt mehr Zeit um mich einzuarbeiten. Einen Vormittag in der Woche möchte ich noch in meinem Geschäft sein, das kann ich nicht ganz aufgeben, wenn ich an die Zukunft denke. Ich stehe auch im Geschäft gerne für Gespräche bereit. Außerdem wurde von meinem Vorgänger gute Arbeit geleistet, da kann man leichter drauf aufbauen.

Robert Altschach war sieben Jahre lang im Amt, Kurt Strohmayer-Dangl war ähnlich lange Bürgermeister. Was soll man in sieben Jahren über Eunike Grahofer sagen?
Mir liegt die Heimatsleitn am Herzen. Dazu möchte ich die Kleinstkinderbetreuung, Mutterberatung und Babytreff unter einem Dach vereinen, da arbeiten wir gerade an einem Standort. Der Umbau des Kindergartens in der Heubachstraße steht an und bei der Jägerteichkreuzung ist eine Verkehrslösung geplant. Das muss schnellstmöglich passieren.

Dazu kommen noch einige Baustellen: So soll die Stimmung im Rathaus zwischen Politik und Verwaltung nicht die beste sein.
Seit März bin ich als Stadträtin tätig und hatte in dieser Zeit mit der Verwaltung immer eine gute Gesprächsbasis und Zusammenarbeit. Und es ist mir wichtig, dass diese Basis beibehalten wird. Anhand der Projekte, die wir bislang abgewickelt haben, sieht man ja, dass es zwischen uns funktioniert.

In der Heimatsleitn sollten die Baumaschinen schon rollen. Warum passiert da nichts?
Sobald ich als Bürgermeisterin gewählt bin (am 28. Jänner, Anm.) leite ich die nächsten Schritte ein. Es geht ja nicht darum hier alles zuzubetonieren und zu versiegeln, sondern dort soll ein attraktiver Lebensraum mit ausreichend grün geben.

Der Betrieb von Stadtsaal und Sporthalle ist eine Dauerbaustelle.
In Coronazeiten ist das natürlich schwierig, weil überhaupt nicht absehbar ist wie sich das entwickelt. Wir arbeiten in der schwierigen Situation daran.

Waidhofen gilt ja als politisches Minenfeld, manche Streits machten landesweit Schlagzeilen. Wie kommt wieder Ruhe in die Stadtpolitik?
Ich werde mit jeder Fraktion Gespräche führen und alle um konstruktive Zusammenarbeit bitten. Schlussendlich geht es um die Stadt und daraus, dass wir gemeinsam die Stadt voranbringen und ich bin mir sicher, das ist auch im Interesse von SPÖ und FPÖ.

Was ist mit dem Koalitionspartner? Bleibt der bestehende Koalitionsvertrag mit den Grünen aufrecht?
Die Koalition hat sich bewährt. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit die nächsten Jahre. Der Koalitionsvertrag gilt natürlich weiterhin.

Jetzt habe ich die Baustellen aufgezählt. Wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Das Stadtbild von Waidhofen liegt mir sehr am Herzen, es wieder attraktiver zu gestalten.
Mit ist das Thema Bildung und Bücherei sehr wichtig, gerade als Autorin. Die Büchereien haben in der Corona-Zeit einen enormen Aufschwung erlebt. Generell ist die Buchbranche im Aufwind. Schon allein deshalb ist die städtische Bücherei enorm wichtig. Sie soll ein Ort sein, wo man sich zurückziehen und in Wissen eintauchen kann. Deshalb haben wir den Lesegarten gemacht. Wir haben sehr gute Verleihzahlen und jetzt kommt ein neues EDV-System.

Was muss sich in Waidhofen ändern?
Mir ist eine gute Zusammenarbeit mit der Bevölkerung wichtig. Als Politikerin kann ich nicht alles sehen, aber ich wünsche mir, dass die Leuten zu mir kommen, wenn etwas nicht passt und wann etwas zu erledigen ist. Nur dann habe ich auch die Chance etwas zu ändern. Und wir sind dankbar für jede Rückmeldung. Es wird jeder "Danke" sagen und dann werden wir uns den Themen annehmen.

Sie sind seit März 2020 Stadträtin, jetzt Bürgermeisterin. Sie waren vorher nie politisch aktiv. Das ist schon eine sehr steile Karriere.
Ja schon, manches ergibt sich im Tun. Mir hat die Tätigkeit als Stadträtin sehr viel Spaß gemacht, wes freut mich einfach, wenn ich was umsetzen kann, wenn sich etwas bewegt. Und ich liebe Herausforderungen und die sind in dem Bereich immer da. Ich wollte einfach im Gesundheitsbereich etwas machen, deshalb habe ich mich bei der Gesunden Gemeinde engagiert, daraus hat sich mein Weg in die Politik ergeben. Darüber hinaus sind Natur, Bildung und Soziales meine Schwerpunkte.

Jeder Minister kriegt 100 Tage Ruhe. Wünschen Sie sich das auch?
Das wird’s bei der Bürgermeisterin nicht spielen.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie gefragt wurden, ob Sie die Bürgermeisterin machen?
Ich hab mir gedacht: Den Film könnten wir jetzt bitte kurz anhalten. Da hab ich mich ins Auto gesetzt und bin mal eine Runde einfach nur gefahren um das zu verarbeiten. Danach wusste ich auch nicht, was ich daheim sagen soll.

Sie hatten ja eh drei Tage - von Donnerstag bis Samstag - zu überlegen.
Naja Dienstag bis Samstag war’s schon.

Na dann... Da bleibt Ihnen aber nicht mehr viel Zeit für Hobbys...
Ich fahre gerne mit dem Rennrad, aber das hat sich seit Herbst leider nicht mehr ergeben. Aber das Tempo ist toll zum Nachdenken.

Würden Sie sich als Bürgermeisterin bei einer Corona-Impfung vordrängeln?
Nein!

Das Interview führte Peter Zellinger

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