Ehrenamt statt Profi
Widerstand gegen Bücherei-Pläne in Waidhofen

Die Stadtbücherei Waidhofen zählt aktuell 5.200 Besucher und ist damit eine der größten im nördlichen Waldviertel.
  • Die Stadtbücherei Waidhofen zählt aktuell 5.200 Besucher und ist damit eine der größten im nördlichen Waldviertel.
  • Foto: Stadtgemeinde Waidhofen/Archiv
  • hochgeladen von Peter Zellinger

Die einzige professionell geführte Bibliothek im Bezirk soll auf ehrenamtliche Mitarbeiter umgestellt werden - doch es regt sich Widerstand nicht nur aus der Fachwelt.

WAIDHOFEN. Der Spargedanke ist ja einfach nachzuvollziehen: Statt einer 30-Stunden-Kraft, die sich um die Bibliothek kümmert, sollen Freiwillige Bücher verleihen und sich um das Inventar kümmern. Das würde der Stadt im Jahr einige tausend Euro sparen. Wie die Bezirksblätter erfuhren, wurde diese Idee bereits während der Koalitionsverhandlungen und vor allem ÖVP-intern geführt. Doch die Umstellung auf ehrenamtliche Mitarbeiter, kommt für viele der Kunden einer Schließung gleich.

Einzige professionell geführte Bibliothek

Dabei ist Waidhofens Bücherei ein Unikat im Bezirk: Sie ist die einzige derartige Einrichtung, die von einer ausgebildeten Bibliothekarin im Hauptberuf geführt wird. Und das wissen die Menschen zu schätzen: Waidhofens Bibliothek verzeichnet 5.200 Kunden - auch aus den Nachbarbezirken kommen Menschen hier her. Denn: Mit dem Verleihen von Büchern ist es ja nicht getan. Zum Job gehört auch Marktbeobachtung, An- und Verkauf und eine gewisses Gespür für den Geschmack des Publikums und die Literaturszene. Darüber hinaus finden mehrmals im Monat Veranstaltungen, wie Lesungen mit Autoren, in der Bücherei statt.

"Ich fände es extrem schade, wenn diese jahrelange Aufbauarbeit zunichte gemacht wird. Ich bin mit Leib und Seele Bibliothekarin", so Irmgard Trimmel, die Leitern der Bücherei.

"Ehrenamtlich kaum zu stemmen"

Die Pläne der Stadtväter stoßen auf Unverständnis in der Fachwelt. "Es gibt viele ausgezeichnete Bibliotheken, die von Freiwilligen geführt werden", so Markus Feigl, der Chef des Büchereiverbands Österreich. Aber: "Wenn eine so große Bibliothek in einer Bezirkshauptstadt ohne hauptamtliches Personal geführt wird, ist das sehr bedauerlich." Allein schon publikumsfreundliche Öffnungszeiten seien mit ehrenamtlichen Mitarbeitern kaum zu stemmen, so Feigl. "Bibliotheken sind neben Schulen die meistbesuchten Bildungs- und Kultureinrichtungen. Daher sollten sie in den Bezirkshauptstädten auch hauptamtlich geführt werden".

Dass die Umstellung von einer hauptberuflichen Mitarbeiterin auf ehrenamtliche Mitarbeiter de facto einer Schließung gleich kommt, daran herrscht bei den Kunden kein Zweifel. Zur Erinnerung: Einer der Gründe, warum der Eislaufplatz geschlossen wurde, war, weil sich angeblich kaum Freiwillige für den Kassendienst gefunden haben.

Neue Stadträtin für Bücherei

Die zuständige neue Stadträtin Eunike Grahofer stellt sich jedenfalls auf die Seite der Bücherei und ihrer Kunden: "Ich bin stolz, dass wir in Waidhofen dank dem Weitblick von Politik und Verwaltung einen derart hohen Standard in der Bücherei haben auf den wir als Waidhofner stolz sein können. Das ist auch der Grund, warum sich die Frage nach einer Umstellung auf Ehrenamt bislang nicht gestellt hat". Das soll auch in Zukunft so bleiben. Denn: "Als Autorin kenne ich auch die andere Seite und bin der Meinung, dass eine Bücherei dieser Größe nur hauptberuflich geführt werden kann."

Bürgermeister Robert Altschach bestätigt im Gespräch mit den Bezirksblättern die Pläne: "Alle Bereiche der Gemeindeausgaben wurden auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft. Beim Betrieb des Skiliftes und der Bücherei gibt es die Empfehlung auf Ehrenamtliche umzustellen. Ob das tatsächlich passiert, muss der Gemeinderat entscheiden", so Altschach.

Autor:

Peter Zellinger aus Waidhofen/Thaya

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