16.03.2017, 13:12 Uhr

Ein Tag beim Tierarzt: Von verrückten Eichhörnchen und bissigen Igeln (mit Video)

Der Star in der Kleintierpraxis ist eindeutig Juni. Das Eichkätzchen ist an Menschen gewöhnt und niemand ist vor ihr sicher. Tierärztin Silke Mlejnek hat sie aufgepäppelt.

Ein Tag in der Kleintierpraxis: Sportliche Hunde, verirrte Katzen und ein Oachkatzl, das allen die Show stiehlt

DIETMANNS. Wir leiden mit, wenn Kater Charly humpelnd nach Hause kommt oder Rex sich beim Spielen an den Lefzen verletzt. Im vierten Teil der Serie "Mein bester Freund" haben die Bezirksblätter Waidhofen einen Vormittag in der Kleintierpraxis am Buchberg in Dietmanns verbracht, sprachen mit den Ärzten über die häufigsten Verletzungen und leisteten Tierbesitzern im Warteraum Gesellschaft.

Diego, der Staatsmeister

Neben den Tierärztinnen Silke Mlejnek und Monika Roth sowie Assistentin Tamara Hrdlitschka freut sich Diego schon auf seine Untersuchung. Der 9-jährige Rüde macht sich schon für die aktuelle Wettkampfsaison fit. Diego ist nämlich dreifacher Landesmeister im Breitensport von Wien, Niederösterreich und Burgenland. Warum er sich so freut liegt wahrscheinlich daran, das er nicht nur mit Keksen bestochen wird, sondern in Praxis sein Heimspiel feiert. Diego gehört nämlich genau so zur Praxis wie seine menschlichen Kollegen. "Und er ist der Star im Pflegeheim", berichtet Mlejnek. Dort ist Diego regelmäßiger Gast und lässt sich gerne von den Bewohnern verhätscheln - und Kekse gibt es natürlich auch.



Nach Diegos Spritze geht es dann schnell: Kaninchen Cookie kommt zur Routineuntersuchung. Er ist der neue Liebling von Halterin Isabella. Was Cookie weniger freuen dürfte: er muss erst noch kastriert werden - aber nicht heute. Denn bei der Untersuchung stellt sich heraus, dass Cookie einen Schnupfen hat, der sich bereits in der Lunge niedergeschlagen hat. "Gerade Kaninchen sind enorm empfindlich", berichten die Tierärztinnen. Vor allem von Insekten übertragene Krankheiten machen den Langohren zu schaffen. Cookie braucht Antibiotika, was gar nicht so einfach ist, denn auch bei Medikamenten sind Hase und Co. sehr anfällig. Die Dosierung muss erst exakt berechnet werden.

Katze in der Identitätskrise

Im Warteraum sitzt bereits Corina Schäfer mit ihrer Katze Wuschel. Wuschel ist Schäfer zugelaufen, die selbst Hundetrainerin ist. Die graue Katze fühlt sich als Mitglied des Hunderudels. "Na wenn's meint", nimmt es die Besitzerin locker. "Und sie ist sicher nicht die letzte in der Hierachie".

Wuschel hatte Milben in den Ohren. Mlejnek und Roth kontrollieren, ob es noch Ausfluss gibt. Geben aber Entwarnung. Nach der Aufregung darf Wuschel ein wenig in der Ordination herumstreunen. "Das hilft unheimlich. Damit bauen die Tiere Stress ab und fühlen sich gleich wohler", berichtet Roth. Anschließend bekommt auch sie ihre Spritze.

Eichhörnchen-Attacke

Plötzlich springt uns aus dem Augenwinkel etwas an. Ist das tatsächlich ein Eichhörnchen, das gerade das Hosenbein hochklettert? "Darf ich vorstellen: Juni", Mlejnek freut sich diebisch über den Schreck, den Juni unserem Redakteur und dem Kameramann eingejagt hat. Das Eichkätzchen hat Diego beim Spazierengehen gefunden. Es hatte Bissverletzungen und war schon völlig abgemagert. Also hat es Mlejnek mit Katzenmilch wieder aufgepäppelt. "Anfangs waren wir uns gar nicht sicher ob Juni es schafft. Sie hat". Da Juni von klein auf an Menschen gewöhnt war, kann sie nicht mehr ausgewildert werden und darf jetzt bei Mlejnek wohnen und manchmal die Ordination besuchen. Genierer kennt Juni keinen und will ständig mit den Hunden und Katzen spielen. "Und sie ist unser Star auf Facebook!"

Der Schnapp-Igel

Juni ist aber noch bei Weitem nicht der kurioseste Gast: da gibt es nämlich noch den Schnapp-Igel. Üblicherweise würde man ja erwarten, dass sich die Tiere einrollen. Der Schnapp-Igel hat aber eine eigene Verteidigungstaktik: er beißt zu. "Da hatte ich schon kurz Angst um meine Finger", lacht Assistentin Tamara Hrdlitschka.

Notfälle

Die Tierarztpraxis am Buchberg hat täglich geöffnet. Gemeinsam mit zwei weiteren Praxen gibt es auch einen Notdienst. Unter 0664/262 93 63 ist am Wochenende immer ein Tierarzt erreichbar. Gerade samstags und sonntags läuft es nicht so geordnet ab, wie bei unserem Besuch. Immer wieder rufen verzweifelte Tierhalter den Notruf. Einen besonders dramatischen Fall schildert Mlejnek: "Erst kürzlich hat ein Hund sechs oder sieben Dosen Rattengift gefressen" Mit Vitamin-K-Präparaten und Brechmitteln gelang es aber das Tier zu retten. Vergiftungen stehen bei Notfällen ganz oben auf der Hitliste, gleich nach Autounfällen und Bissverletzungen.

Viel mehr Zeit bleibt aber nicht: denn Juni will sich nicht so recht einfangen lassen und stattdessen lieber auf den Geräten herumturnen, während schon der nächste Patient wartet.

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