15.05.2018, 14:05 Uhr

Geheime Gänge und schaurige Verliese im Schloss Groß Siegharts

Das Gefängnis war tatsächlich noch bis nach dem 2. Weltkrieg in Betrieb.

Ausstellung bringt geheime Bereiche ans Licht. Wir wagten uns in die Katakomben des Schlosses.

GROSS SIEGHARTS. Das Schloss Groß Siegharts steckt voller Geheimnisse. Erst vor wenigen Jahren wurden bei Renovierungsarbeiten im Rittersaal kostbare Malereien eines italienischen Künstlers aus der Zeit um 1630 entdeckt und aufwändig restauriert. Ähnliche Malereien fand man auch in der Kapelle, die heute als Büro des Bürgermeisters dient. All diese Malereien mit ihren Figuren aus der griechischen Mythologie können die Besucher heute sehen - doch es gibt auch dunkle Ecken im Schloss. Eine Ausstellung widmet sich aktuell im Textilmuseum dem Thema. Wir nahmen dies zum Anlass uns selbst in die düsteren Gewölbe zu begeben. Eines ist klar: das Schloss Groß Siegharts hat längst nicht alle Geheimnisse preisgegeben.



Das liegt auch daran, dass es kaum Unterlagen von der zum Schloss umgebauten Burg mehr gibt. Vieles davon dürfte bei Hussitenüberfällen zerstört worden sein. Fix ist außerdem, dass im 30-jährigen Krieg Teile der Anlage zerstört wurden. Die unklare Geschichte macht das Schloss zu einem Paradies für Heimatforscher. So zeigen Franz Irschik und Hans Widlroither aktuell in einer Ausstellung die verlorenen, dunklen und geheimen Ecken des Schlosses. Wir baten die beiden um eine Führung, die es so nicht gibt.

Zerstörter Turm im Dach-Labyrinth

Unser Weg führt uns auf den Dachboden, der aus einem Labyrinth an Gängen, Stegen und Mauerdurchbrüchen besteht - ohne einen Fremdenführer würden wir uns wohl hoffnungslos verlaufen. "Die Ur-Burg war deutlich größer, als die heutige Anlage und hatte auch deutlich mehr Türme", erklärt uns Franz Irschik. Reste eines solchen zerstörten Turms ragen heute noch in den Dachboden hinein. Abgetragen wurde er nie - es wurde einfach rundherum gebaut. Einer der verbliebenen Türme kann heute noch über mehrere Leitern erklommen werden.

Natürlich finden sich in einem solch geheimnisvollen Bau auch eher kurios anmutende Geschichten. Als bei Umbauarbeiten einst ein bis dahin unbekannter Stiegenaufgang freigelegt wurde, stellte sich heraus, dass die Treppe vom damaligen Bürgermeisterbüro zu einem Ausgang in Richtung Stadtsaal führte. Dies wurde von den Stadt-Chefs gerne genutzt, wenn niemand erfahren sollte, dass sie gerade im Amt waren.

Gefängnis und rätselhafter Gang

Auch das Gefängnis ist bis heute beinahe im Originalzustand erhalten. Der "Aufbewahrungsraum" wurde bis nach dem zweiten Weltkrieg genutzt, erklärt Widlroither. Das größte Rätsel ist aber ein Geheimgang in einem Kellergewölbe. Ein Teil wurde einst zugemauert, dahinter scheint der schmale enge Gang eingestürzt zu sein. "Er dürfte in den heutigen Schlosspark führen", so Widlroither. Irschik vermutet gar, dass der Gang auch in die Kirche führen könnte. Wo sich der Ausgang befindet ist ebenso unbekannt.

Öffentliche Führungen durch die geheimen Gewölbe anzubieten, wäre zu gefährlich. Wer sich aber selbst ein Bild von den "dunklen" Ecken des Schlosses machen will, hat ab Lebenden Textilmuseum die Gelegenheit dazu. Franz Irschik ermöglicht mit seinen Fotos den Einblick in eine Vielzahl bisher verborgener Räume, Gänge und heimlichen Nischen des historischen Gebäudes aus dem 12. Jahrhundert. Die Eröffnung erfolgt Freitag, den 18. Mai, um 19 Uhr, durch Vizebürgermeister Roman Zibusch. Eintritt: frei.
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