10.01.2018, 00:00 Uhr

Leo Dungler: Das Geheimnis der Hundertjährigen

Bis vor einem Jahr war Leopold Dungler noch mit seinem Auto unterwegs. 79 Jahre lang saß er am Steuer eines Fahrzeugs.

Im Bezirk Waidhofen leben vier Hundertjährige. Wir haben Sie nach ihren Geheimnissen befragt.

WAIDHOFEN (pez/cko). Leo Dungler ist einer von vier Hundertjährigen im Bezirk. Zum Start unserer Serie „Der Methusalem-Code“ haben wir ihn besucht, und nach seinen Geheimnissen für ein langes Leben befragt.

Als Leopold Dungler am 21. November 1914 in Fistritz geboren wurde, tobte der Erste Weltkrieg bereits drei Monate lang. Später wurde er Fleischhauer, Chauffeur, Wirt und passionierter Jäger. Heute lebt Dungler in Waidhofen und versprüht mit 103 Jahren noch immer eine große Portion Lebensfreude - was wohl auch daran liegt, dass er in seinem Leben kein Abenteuer ausgelassen hat. Und: wenn Leo Dungler erzählt, beeindruckt nicht nur sein unglaubliches Namensgedächtnis, sondern auch sein Sinn für Humor.

Zigarren vom Kaiser

Seinen Kriegsdienst versah Dungler in Polen, Frankreich und Italien - hauptsächlich als Chauffeur für hohe Offiziere. Eines Tages sollte der Fleischhauer aus Fistritz einen General nach Utrecht fahren. Wie sich herausstelle führte der Ausflug direkt zum abgedankten deutschen Kaiser Wilhelm II, der in den Niederlanden im Exil lebte. Während sich der General und der Kaiser unterhielten, wurde Dungler von einem Diener herumgeführt - bis zu dem Holzhaufen des Kaisers. Der alte Wilhelm entwickelte im Exil eine legendäre Leidenschaft für das Holzhacken. "Ich hab zu dem Diener gesagt er soll schnell ein Foto machen. Daheim hätt mir das ja kein Mensch geglaubt" Das Foto von Dungler beim Holzhaufen des Kaisers zeigt der 103-Jährige noch heute mit Stolz seinen Gästen.

Doch es kam noch besser: als der abgedankte Kaiser Wilhelm II den jungen Soldaten erblickte, rief er Dungler zu sich. "Er hat mich gefragt, woher ich komme. ,Aus Österreich‘ hab ich gesagt. Da hat er mir zwei Zigarren geschenkt. Die hab ich meinem Vater nach Hause geschickt, geraucht hätt ich sie eh nicht", lacht Dungler.

In Italien geriet Dungler schließlich in britische Gefangenschaft und kam über Umwege 1945 wieder nach Hause. Eigentlich wollte er in eine Fleischerei einheiraten, doch die verwitwete Wirtin Paula Langer eroberte sein Herz - so wurde aus dem Fleischhauer Dungler der noch heute legendäre "Kirchenwirt". "Da hab ich mich ja überhaupt nicht ausgekannt. Eines Tages kam ein Wiener ins Gasthaus und wollte eine Melange. Ich und die Dienstmagd wussten ja nicht was das sein soll. Mit der Zeit hab ich das aber auch noch gelernt".

Leo der Meisterschütze

Später kam noch die Leidenschaft für die Jagd dazu. Die örtliche Jägerrunde war häufig beim Kirchenwirt zu Gast und eines Tages nahmen die Waidmänner Leo mit auf die Jagd - der erste Hase war schnell erlegt. Dungler: "Schnell war der nicht, darum hab ich ihn wahrscheinlich erwischt." Doch der Grundstein für ein neues Hobby war gelegt. Auch die Schießkünste wurden immer besser. Diese konnte Dungler bald unter Beweis stellen: In Dobersberg trieben einige Wildschweine ihr Unwesen. Leo legte sich also nachts auf die Lauer. "Gesehen hab ich nicht viel. Nur ein schwarzes Punkterl. Da hab ich abgedrückt". Die Sau konnte er in der Nacht nicht mehr finden, also ist ging der Jäger mit einigen Kollegen am darauffolgenden Tag auf die Suche nach dem angeschossenen Tier. Doch die Jäger fanden mehr, als sie erwarteten: plötzlich lagen zwei tote Wildschweine vor ihnen. Wie sich herausstelle hatte Dungler mit einem Schuss zwei Tiere erwischt. "Da hat sich in der Stadt rumgesprochen und immer mehr Leute wollten standen im Wirtshaus und wollten das sehen. Da hab ich die Säue auf zwei Bierkisten auf die Straße gelegt. Na da war was los", lacht der 103-Jährige beim Besuch der Bezirksblätter.

Dunglers Geheimnisse

Mit 103 Jahren noch so fit zu sein kann sich Leo Dungler auch selbst nicht erklären. „Ich hab’ es selber nicht glauben können, dass ich schon so alt bin“, erzählt er. Was ihn auf jeden Fall jung hält ist die Geselligkeit beim Kartenspielen jeden Tag im Gasthaus Jöch. Außerdem besucht er zwei mal pro Woche das Kaffeehaus Matousek. Hinzu kommt, dass der rüstige Waidhofner in 32 Jahren Ehe nie eine Auseinandersetzung mit seiner Frau Paula Dungler geführt hat, was womöglich mit einer gesunden Lebenseinstellung zu tun hat. "Da bin ich bis heute noch dankbar, dass es mir so gut gegangen ist". Bestimmt beeinflusste auch die Bewegung an der frischen Luft bei der Jagd Leopold Dunglers Gesundheit, genauso wie die stetige Aktivität bei seinen zahlreichen Berufen. Das Autofahren hat Leo Dungler erst vor einem Jahr aufgegeben, nachdem ihm eine Ärztin davon abriet. Anfangs sträubte er sich noch dagegen und schlug vor, mit der genannten Dame eine Runde durch Waidhofen zu drehen, um sie von seinen einwandfreien Fähigkeiten zu überzeugen. Später fing seine Schulter an zu schmerzen und er beendete nach 79 Jahren freiwillig seine Karriere auf vier Rädern. Die Kompetenz, ein Fahrzeug zu lenken, wäre nach wie vor vorhanden, "aber ich wollte niemand anderem das Auto zamhaun" fügt Leo Dungler selbstlos hinzu.

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