04.10.2017, 10:04 Uhr

Überleben im Waldviertel: Rettet die Smombies!

Selfie vor dem Panzer. Das können Sie machen - empfehlen würden wir es aber nicht. (Foto: Wikipedia, Pixabay)

Die Bezirksblätter suchten die größten Gefahrenquellen für Handy-Junkies im Bezirk.

BEZIRK WAIDHOFEN/THAYA. In St. Pölten wurde Niederösterreichs erster Airbag um eine Laterne montiert. Hintergrund - Smartphone-Zombies, sogenannte „Smombies" sollen vor schmerzhaften Kollisionen geschützt werden. Die Aktion des Kuratoriums für Verkehrssicherheit hat einen ernsten Hintergrund: Im Jahr 2016 gab es 1.560 Unfälle mit Fußgängern im Straßenverkehr durch Ablenkung, 16 Personen starben. Wir haben uns im Bezirk umgesehen, wo die größten Smombie-Fallen lauern.


"Schützt die Smombies", dachte man sich in der Landeshauptstadt. Foto: KFV

1. Auf der Suche nach W-LAN durch die Innenstadt stolpern

Waidhofen ist ein beschauliches Städtchen im idyllischen Waldviertel. Von wegen! An manchen Tagen erinnert der Verkehr an den Gürtel in Wien, nur dass die Straßen viel enger sind. An solchen Tagen auf der Suche nach W-LAN orientierungslos durch die Innenstadt zu stolpern ist nicht nur keine gute Idee, sondern schlicht lebensmüde. Profi-Tipp: In Richtung Böhmgasse gibt es kaum Mobilfunkempfang. Dafür können Sie beim Rathaus Gratis-WLAN abstauben. Das Passwort werden wir an dieser Stelle nicht veröffentlichen, weil es sonst wahrscheinlich nach dem Erscheinen dieses Artikels geändert wird - aber wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, wird es leicht rausfinden.


2. Smombies am Land - auch blöd

Gut, die Innenstadt fällt also aus. Blieben noch hunderte Quadratkilometer flaches Land im Bezirk, um auf Smombie-Walk zu gehen. Machen Sie das, wenn Sie es auf einen mehrmonatigen Krankenstand inklusive Physiotherapie stehen. Waren es früher hauptsächlich Betrunkene, die ein unrühmliches Ende in den zahlreichen Güllegruben fanden, müssten heute eigentlich eigene Schutzzäune für Smartphone-Junkies angebracht werden.

3. Hirschensprung wird Smartphone-Fall

Ein ungelöstes Rätsel im Bezirk ist die gelbe Färbung eines steilen Felsens am Thayaufer nahe Karlstein. Angeblich soll hier ein verzauberter Hirsch in die Thaya gesprungen sein - daher der Name Hirschensprung. Gerüchte, tatsächlich hätten giftige Schwermetalle aus den zahlreichen Smartphones ihrer abgestürzten Besitzer den Felsen derart verfärbt, möchten wir an dieser Stelle natürlich nicht aufkommen lassen. Nur so viel: Nehmen Sie beim Spaziergang in der Gegend vielleicht hin und wieder den Blick vom Display.


Vorbildlich: Hier wird vor Smartphone-Untoten gewarnt! Foto: A_Peach

4. Untot am Radweg

Der Radweg hat sich zum echten Hit entwickelt. Selbst völlig ungeübte, übergewichtige Nicht-Sportler und Bewegungs-Legastheniker entdecken ihre plötzliche Liebe zum Drahtesel (siehe Beweis hier und hier). Und genau da ist das Problem: Ein geübter Radfahrer wird jedem verirrten iPhone-Untoten mühelos ausweichen können. Pseudo-Radler wie unser Tester sind schon überfordert einige hundert Meter geradeaus zu fahren. Smombies haben da leider keine Chance und sind Freiwild.

5. Digitale Ruine

Niemals, keinesfalls und überhaupt nicht, sollten Sie bei einem Besuch einer der größten Burganlagen - der Ruine Kollmitz - auf die Idee kommen einige abenteuerliche Selfies zu schießen. Sie wären nicht der erste auf der Opfer-Liste - denn da gibt es diese Geschichte über ein Pärchen, das beim stürmischen Liebesspiel im Auto versehentlich die Handbremse löste und schnurstracks vom Parkplatz vor der Ruine in der Thaya landete. Dumm gelaufen, nicht nur für Smombies.


6. Achtung Panzer!

Der Truppenübungsplatz Allentsteig ist ein wahres Naturparadies. Genießen Sie doch bei Ihrem Besuch lieber die Aussicht. Ihre Instagram-Follower können sicher eine Stunde warten - zu Ihrer eigenen Sicherheit. Und Fotografieren ist am Truppenübungsplatz eh verboten. Denn wie wir alle wissen, sollen dort schon manche Hoppalas passiert sein, wenn beispielsweise eine verirrte Granate mal wieder nicht im Ziel, sondern in Allentsteig selbst einschlägt. Außerdem ist für einen 62 Tonnen schweren Panzer der landläufige Smartphone-Zombie kein allzu großes Hindernis...


Auf den Bahngleisen mit dem Smartphone spielen ist grundsätzlich eine blöde Idee. Im Bezirk Waidhofen dürfen Sie das aber ausnahmsweise - hier fährt nämlich kein Zug mehr! Foto: Pexels

7. Ironie Glasfaser

Eine ruhige Dorfstraße - was kann da schon passieren? Also den digitalen Assistenten gezückt und schnell tausende Follower vom frühmorgendlichen Ergebnis der Verdauung informiert - und schon ist es passiert und Sie landen in einer Baugrube. Es gibt nämlich im Bezirk Waidhofen aktuell kaum eine Straße, die nicht völlig aufgerissen ist. Der Grund:  in jedem Kuhdorf wird Glasfaser verlegt. Das wird eigentlich genau für Smombies gemacht. Die Ironie haben Sie erkannt, oder?


Tipp: Hier sollten Sie Ihr Smartphone dabei haben. Foto: Tom Hilton

Die Ausnahme: Hier sollten Sie keinesfalls auf Ihr Smartphone verzichten
Es gibt nur einen einzigen Ort, an den Sie nie ohne Ihren digitalen Begleiter gehen sollten. Dieser liegt in der Gemeinde Raabs zwischen dem Zurch- und Eiergraben und nahe dem Diebsgraben und nennt sich Brühlhäuser. Wenn Sie sich dort verirren, dann haben Sie ohne Handy viel Zeit die jüngsten Entscheidungen in Ihrem Leben zu bereuen - denn ohne Navigationssystem finden Sie nicht mehr raus. Glauben Sie uns.
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Mag.iur.Helmut Böhm aus Waidhofen/Thaya | 04.10.2017 | 13:19   Melden
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