28.09.2017, 14:53 Uhr

Willi und die Hex: Ein Schnitzer im Märchenreich

Wawilla und Willibald: Die Hexe schenkte sich der Holzbildhauer zum 60. Geburtstag.

Willibald Edlinger aus Loibes fertigt in seiner kleinen Werkstatt in Loibes große Kunstwerke aus Holz

WAIDHOFEN. Wenn Willibald Edlinger die Motorsäge anwirft, dann fallen keine Bäume, sondern es entstehen Kunstwerke aus Holz. Den 60-Jährigen einen Schnitzer zu nennen, wäre aber eine glatte Untertreibung - seit seiner Jugend erschafft Edlinger wahre Kunstwerk aus seinem Lieblingswerkstoff.

Ex-Bundespräsident Heinz Fischer ist stolzer Besitzer eines Bandlkramers aus Edlingers Hand, seine geschnitzten Wappen zieren die Feuerwehrschule in Tulln, seine Regionssäule und der gigantische Bandlkramer sind heimliche Wahrzeichen von Groß Siegharts und ein von Edlinger geschaffener Taucher sitzt sogar an einer Bootsanlegestelle in Hamburg - ein Berufstaucher war auf die Werke gestoßen und bat Edlinger um eine Skulptur.



Ein Skulpturenpark oder große Ausstellungen haben den 60-Jährigen nie besonders interessiert - für ihn ist die Holzbildhauerei immer noch ein Hobby. Edlinger stellt seine Werke gerne für den guten Zweck zur Verfügung, erst vor kurzem wurde wieder Figuren versteigert. Mit dem Erlös wird die Sonderschule Groß Siegharts unterstützt. Dabei hat ihn die Schnitzerei schon in der Jugend gepackt. Der Vater war Wagner bei der Firma Brinnich in Hollenbach - und dementsprechend lernten die Kinder schon früh die Arbeit mit Holz kennen. Aus den Seifenkisten von früher wurden aber schon recht bald aufwändige Skulpturen. 1994 machte sich der gelernte Elektriker einen Traum wahr: er schloss die Ausbildung zum Holzbildhauer in Tirol ab. Jeden Tag steht Edlinger in seiner Werkstatt, wo er gerne die Zeit die vergisst. "Für mich gibt es nichts schöneres, als die Arbeit mit Holz".

Willi und die Hex

"Zum 60iger hab ich mir gedacht, da schenk ich mir ausnahmsweise einmal selber was", lacht Edlinger beim Besuch der Bezirksblätter. Bei der Hexe handelt es sich um Wawilla, die laut einem Märchen ihr Unwesen auf dem nahen Predigtstuhl getrieben haben soll. Als sie schließlich von Jägern zur Strecke gebracht wurde, entkam ihr Vogel Hemann. Laut der Legende soll dieser noch bis heute in der Gegend um Loibes als Kobold herumspuken. Keine Frage: Edlinger hat auch Hemann schon in Arbeit. Rund 80 Arbeitsstunden flossen allein in die Hexe. Ob es da nicht unheimlich weh tut, wenn man sich einmal verschneidet? "Dann muss ich halt improvisieren und wenn's gar nix wird, na dann heize ich eben damit ein!"

Was ihn noch reizen würde? "Profane Figuren", so Edlinger. Wie den Nachtwächter von Loibes, der unter den älteren Bewohnern des Ortes so etwas wie Kultstatus genießt. Auch dem einen oder anderen Original aus Groß Siegharts würde sich Edlinger gerne widmen - als Karikatur in Holz sozusagen.

Was auch immer entsteht: "Jede Figur ist wie deine eigene Unterschrift".
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