01.12.2016, 00:00 Uhr

Groß Siegharts: Eine Stadt kämpft um ihre Ärzte

Hereinspaziert: Gerald Matzinger will dem Ärztemangel vorbeugen und hofft, dass bald Allgemeinmediziner im TBZ ihre Ordination eröffnen.

In wenigen Jahren wird es in Groß Siegharts keinen praktischen Arzt mehr geben. Die Stadt hat Platz für Ordinationen geschaffen - aber die Ärzte wollen nicht.

GROSS SIEGHARTS. Gerald Matzinger könnte eigentlich zufrieden sein: die Idee das Technologie- und Bildungszentrum (TBZ) zum Teil in ein Ärztehaus zu verwandeln würde gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Erstens wäre das Gebäude genutzt, zweitens wäre die Gesundheitsversorgung in der Gemeinde gesichert.

Um die ist es nämlich schlecht bestellt, wenn man ein paar Jahre in die Zukunft blickt. Vor kurzem ging ein praktischer Arzt in Pension. Die zwei weiteren Ärzte in der Stadt werden in den nächsten Jahren ebenfalls ihren Ruhestand antreten. "Es könnte also gut möglich sein, dass wir in fünf, sechs oder sieben Jahren keinen praktischen Arzt mehr in der Gemeinde haben", berichtet Matzinger. 2.788 Einwohner wären plötzlich ohne Hausarzt.

"Bieten Unterstützung wo es geht"

Die Idee, Räume des TBZ in Arztordinationen zu verwandeln, liegt also nahe. Die Voraussetzungen sind nicht verkehrt: alle Zugänge sind barrierefrei, parken kann man meist direkt vor der Haustür. Viele Sieghartser könnten ihren Arzt sogar mühelos zu Fuß erreichen und auch die Apotheke ist nur ein wenige hundert Meter entfernt.

Doch die Ärzte beißen nicht an. "Einmal hat sich ein Zahnarzt dafür interessiert. Der war aus dem 1. Wiener Gemeindebezirk. Der ist aus dem Auto gestiegen und hat nur gemeint: ,Na viel ist da ja nicht los‘ und seitdem haben wir ihn nicht mehr gesehen", berichtet der Bürgermeister.

Dabei würde die Gemeinde den Ärzten sogar mit der Miete entgegenkommen: "Wir haben etwa 270 Quadratmeter, die wir günstig vermieten würden", so Matzinger. Wünschen würden sich die Sieghartser eine Gemeinschaftspraxis von zwei oder drei Allgemeinmedizinern - aber auch Fachärzte wären gerne gesehen. Das Problem: "In einer Gemeinschaftspraxis verdienen Ärzte nicht so gut. Dazu kommt, dass sie selbstständig verantwortlich sind - anders als in einem Krankenhaus". Dazu kommt noch das Problem mit den Hausapotheken: dass ein Arzt in Groß Siegharts eine Hausapotheke führen darf, ist mit der großen Apotheke nebenan eher unwahrscheinlich.

Die Landespolitik hat Matzinger schon eingeschaltet, hat sich mit anderen Bürgermeistern getroffen, die Ärztehäuser in den Gemeinden haben, selbst in Krankenhäusern war Matzinger schon auf Werbetour - bisher vergeblich.

Dennoch: die Sieghartser wollen nicht aufgeben. "Potential und Patienten wären genug da, vor allem, wenn man die etwas höhere Altersstruktur in der Region bedenkt", so der Bürgermeister.

Hoffnungsschimmer

Immerhin einen Lichtblick gibt es: aktuell interessiert sich eine Zahnärztin für eine Ordination in Groß Siegharts, mit Andreas Hauer bietet ein Chirurg nach Terminvereinbarung Behandlungen an und auch die Mutterberatung wird ins TBZ übersiedeln.

"Wir würden praktische Ärzte mit offenen Armen empfangen - und ich bin mir sicher, dass wir uns völlig unkompliziert einig werden", wirbt Matzinger um Ärzte.
0
1 Kommentarausblenden
117
Franz Frühwirth aus Waidhofen/Thaya | 03.12.2016 | 12:03   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.