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„Der Job ist nicht familienfreundlich“

Gabi Mähr  wird nicht mehr zur Wiederwahl am 15. März antreten.
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  • Gabi Mähr wird nicht mehr zur Wiederwahl am 15. März antreten.
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Bürgermeisterinnen Gabi Mähr (Schlins) und Luzia Martin-Gabriel (Sonntag) kandidieren für die Wahl am Sonntag nicht mehr

Aktuell sind neun Frauen Amtsleiterinnen ihren Gemeinden. Vier stehen für die Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung. Zwei von ihnen, Gabi Mähr (Schlins) und Luzia Martin-Gabriel (Sonntag) werde auf dem Stimmzettel am kommenden Sonntag, 15. März nicht mehr zu finden sein.

Im Walgau legen gleich zwei Bürgermeisterinnen ihr Amt nieder. Gabi Mähr, derzeit noch amtierende Bürgermeisterin von Schlins und Luzia Martin-Gabriel, derzeit noch in Sonntag die amtierende Bürgermeisterin. Die Gründe für den Rückzug ähneln einander. Im Interview erzählen die beiden Frauen aus ihrer Amtszeit.

RZ: Was ist der Grund für Ihre Entscheidung?

Mähr: Die letzten Jahre waren sehr intensiv und für eine ganze weitere Periode hätte ich sehr wahrscheinlich nicht mehr die nötigte Energie aufgebracht, um das Amt hundertprozentig und mit gutem Gewissen weiter zu führen. Außerdem engagiere mich bereits seit 20 Jahren in der Gemeindepolitik: zuerst als Gemeindevertreterin, von 2010 bis 2013 als Vizebürgermeisterin Bürgeremeister bin ich seit 2013.

Martin-Gabriel: Der fehlende Rückhalt in der Gemeindevertretung und die zunehmend persönlicher werdenden Übergriffe, waren für mich der Grund zur Entscheidung.

RZ: Was haben Sie in dieser Zeit alles für die Gemeinde erreicht bzw. was hätten Sie gerne noch umgesetzt?

Mähr: Alles aufzuzählen, würde diesen Rahmen sprengen. Jedoch bin ich sehr stolz, dass uns das staatliche Gütezeichen „familienfreundliche Gemeinde“ vom Ministerium Familie und Jugend überreicht wurde. Auch Großprojekte wie der Um- und Zubau des Feuerwehrhauses, der Neubau des Kindercampus‘ oder die Erarbeitung des Rahmenplans „Ortskernentwicklung Erne Areal“sind Beispiele. Was für mich noch spannend gewesen wäre: die sich noch in der Umsetzung befindenden Projekte wie Bauhofneugestaltung, Kauf „Erne Areal“ und dessen Weiterentwicklung sowie die Sanierung „Hallenbad Jupident und Sportmittelschule Sattein weiter zu begleiten.

Martin-Gabriel: Die Gestaltung des Spiel- und Pausenplatzes bei der Volksschule und beim Kindergarten, der Bau einer gemeinnützigen Wohnanlage im Frühjahr, Gründung der Forstbetriebsgemeinschaft Ludesch-Großwalsertal, Sanierung von Gemeindegebäuden, regionales REP und Entwurf örtliches REK. Den Gehweg samt ordentlicher Straßenbeleuchtung zwischen Gemeindeamt und Gasthaus Löwen hätte ich noch gerne umgesetzt. Dieses Projekt scheiterte leider an den Kosten.

RZ: Glauben Sie, dass es für eine Frau schwieriger ist, das Bürgermeisterinnen-Amt auszuüben?

Mähr: Die Arbeit an sich ist sicher für Mann und Frau gleich schwierig. Gesetze müssen eingehalten werden, das Wohl der Bürger sollte vordergründig stehen und es muss zukunftsüberlegt gehandelt werden. Wichtig ist es aber, ein Partner bzw. Familie, die dahinter steht zu haben. Der Job ist nicht familienfreundlichen. Ich hatte das Glück, dass meine Familie voll hinter mir und meiner Tätigkeit stand und mich so gut wie möglich zu Hause entlastete.

Martin-Gabriel: Ich glaube, dass es zum Teil schwieriger ist. Es war eine große Lebenserfahrung. Für mich war es immer wichtig, dass jeder Bürger möglichst gleich behandelt wird.

RZ: Wie hat Sie diese intensive Zeit geprägt?

Mähr: Ich durfte als Bürgermeisterin sehr viele positive Begegnungen mit den verschiedensten Personen in allen möglichen Bereichen und vor allem sehr viel an Wissen erfahren. Auch der Rückhalt und das Vertrauen der Bevölkerung haben mich sehr gestärkt. Dafür bin ich allen, die dazu beigetragen haben, sehr dankbar.

RZ: Warum sind Ihrer Meinung nach, so wenig Frauen als Bürgermeisterinnen tätig?

Mähr: Ich denke, dass Frauen sich die Position als Bürgermeisterin (noch) zu wenig zutrauen. Oder die Familiensituation erlaubt es nicht, dieses Amt ohne geregelten Arbeitszeiten und mit Termine abends und am Wochenende auszuüben. Ich fände mehr Frauen in der Politik gut. Es muss nicht gleich Bürgermeisterin sein, aber sich aktiv in der Gemeindevertretung einzubringen wäre ein erster Schrittt.Wer weiß, vielleicht kann sich die ein oder andere das Bürgermeisterinnen-Amt der mit der Zeit vorstellen.

Martin-Gabriel: Das Amt müsste vor allem in Kleingemeinden familienfreundlicher gestaltet werden. Es müsste möglich sein, dass mehr hauptberufliche Sachverständige zur Verfügung stehen, ohne, dass die Kosten für die Gemeinde so ansteigen, dass es finanziell schon wieder eine große Hürde ist.

RZ: Was wird sich in Ihrem Leben ändern, wenn Sie das Bürgermeisteramt zurücklegen?

Mähr: Ich werde wieder viel mehr Zeit für meine Familie und Freunde haben, die sich in den letzten Jahren doch sehr nach meinem Terminkalender richten mussten. Vermissen werde ich sicher die Begegnung sowie Gespräche und Diskussionen mit Personen, die ich während meiner Amtszeit kennenlernen durfte.

Martin-Gabriel: Ich werde wieder mehr Zeit für meine Familie und für Freizeitaktivitäten haben. Beruflich werde ich als Lehrerin wieder Vollzeit arbeiten.

RZ: Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Martin-Gabriel: Dass er das Wohl der gesamten Bevölkerung im Auge behält.

Gabi Mähr  wird nicht mehr zur Wiederwahl am 15. März antreten.
Luzia Martin-Gabriel wird nicht mehr zur Wiederwahl am 15. März antreten.
Autor:

Christian Marold aus Feldkirch

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