Olarizi: Kultur-Auftakt

Herbert Hierzer bündelt kulturelle Kräfte abseits der Zentren.
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Der Bauer und Gastronom Herbert Hierzer hat mit seiner Zielstrebigkeit innerhalb sehr kurzer Zeit eine interessante Kulturinitiative in Gang gebracht.


Der Weinstadl Olarizi wurde inzwischen zur Drehscheibe dieser Aktivitäten. Nun hat sich ein Verein formiert, der diese Vorhaben formal trägt. Für den 7. April 2016 ist die erste Ausstellung geplant. Dabei werden rund 15 Kreative ihre Arbeiten zeigen.

Diese Entwicklung basiert auf laufenden Treffen und Arbeitsgesprächen. Hierzer pflegt einen Email-Verteiler, über den er laufend informiert, was vereinbart wurde.

Schriftführerin Melitta Geyer teilte mit, am Donnerstag, dem 7.4., werde die Auftaktveranstaltung um 19:00 Uhr mit musikalischer Umrahmung beginnen. Die Ausstellung laufe einen Monat und sei jeweils von Donnertag bis Sonntag zu den Öffnungszeiten des Weinstadls zu besichtigen.

Geyer: „Anschließend ist geplant, daß im monatlichen Wechsel ein bis zwei Kunstschaffende ausstellen.“ Außerdem sei für 4. bis 5. und für 11. bis 12. Juni ein „Hollunderblütenfest“ in Arbeit.

In der jüngsten Aussendung legte Hierzer übrigens zugleich eine berührende kleine „Geschichtstheorie“ vor, die als ein Appell für mehr gegenseitigen Respekt gelesen werden kann. Dabei streift er fast beiläufig ein großes Tabuthema unserer Gesellschaft.

Die innerfamiliäre Gewalt hat in Österreich fast epidemische Ausmaße. Es ist wie eine Seuche, gut versteckt hinter verschlossenen Türen, in allen sozialen Milieus üblich. Das Gerede von der „gesunden Watschn“ erweist sich als fast unausrottbare Dummheit. Das Zuschlagen kam nie aus der Mode. Müßig zu erwähnen, daß Hierzer von der Gewalttätigkeit nichts hält. Sein kulturelles Engagement weist den wesentlichen Weg.

Es geht darum, daß man ausdrücken kann, was in einem vorgeht; und daß man sich darüber mit anderen verständigen kann. Kommunikation als eine der Gegenpositionen zum Zuschlagen. Das ist auch ein wichtiges Motiv für kulturelles Engagement.

Aber hier nun Hierzers Notizen zur Geschichte von Völkern:

Ibn Chaidan, der um 1100 in Granada lebte, erarbeitete eine zyklische Geschichtstheorie. Nach der verfallen sesshafte Zivilisationen unvermeidlich und werden eine Beute randständiger Nomaden, weil diese natürliche Solidarität besitzen und auch häufig von Religionen inspiriert werden.

Die Siegreichen stiften eine Dynastie, doch nach einigen Generationen sind auch ihre natürlichen Stärken und ihre Asabijja (starker innerer Zusammenhalt) von der sesshaften Lebensweise aufgezehrt und auch ihr Untergang ist besiegelt.

Flüchtling. Wer ist ein Flüchtling?

Auch ich war ein Flüchtling, ich floh vor meinen Vater, der mich jeden Tag schlug. Ich flüchtete in Arbeit und kehrte meiner Heimat den Rücken.

Ich kam von einem Tyrannen zum anderen und wurde in Deutschland sesshaft. Ich lebte zehn Jahre in Deutschland, wobei ich jedes Jahr einige Monate in Kroatien verbrachte.

Zuerst war ich überall ein Flüchtling, doch nach einiger Zeit wurde ich akzeptiert und ich führte ein schönes Leben. Nach zehn Jahren holte mich die Vergangenheit ein und ich kehrte nach Österreich zurück.

Hier wurde ich empfangen wie ein Flüchtling, niemand wollte mit mir zu tun haben, ich hätte von keiner Bank Geld bekommen. Es wurde mir nur Holz vor die Füße gelegt.

Wir bauten Haus, Weinkeller, Weinschänke. All dies musste immer wieder von der Gemeinde genehmigt werden. Doch meine Anträge wurden regelmäßig, bis zu fünfmal, abgelehnt. Inzwischen bekam ich Abbruchsbefehle und so ging es meiner ganzen Laufbahn entlang.

Bis mein Unfall kam. Als ich danach, nach drei Monaten, nach St. Margarethen fuhr, waren bereits die Wegweiser zum Weinstadl Olarizi abmontiert. Meine Einstellung dazu ist so, ist man einmal Flüchtling, ist man immer Flüchtling.

Zu Hierzers Vorgeschichte siehe: [link]

Herbert Hierzer bündelt kulturelle Kräfte abseits der Zentren.
Melitta Geyer engagiert sich im neuen Kulturverein.
Autor:

martin krusche aus Weiz

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