Anno dazumal
So war Weihnachten früher

Weihnachten sah um 1940 noch anders aus, aber ein Baum und Geschenke sind auch auf der Familienaufnahme von Harald Polt zu erkennen.
9Bilder
  • Weihnachten sah um 1940 noch anders aus, aber ein Baum und Geschenke sind auch auf der Familienaufnahme von Harald Polt zu erkennen.
  • Foto: Polt
  • hochgeladen von Nadine de Carli

Welche Erinnerungen an Weihnachten sind den WOCHE-Lesern geblieben?

"Uns und unseren Kindern soll es einmal besser gehen", das war der große Wunsch in der Nachkriegszeit. Denn wo früher schon ein Zuckerl oder eine Mandarine als wundervolles Geschenk galt, werden die Kinder heutzutage oft mit Geschenken überhäuft. Der Duft von frisch gebackenen Vanillekipferln, das Glöckchen an Heiligabend oder die Geschenke unter dem Christbaum: Manche Dinge an Weihnachten scheinen sich auch über Jahrzehnte hinweg nicht verändert zu haben – und andere wiederum sehr.  
Wir haben bei den Kindern von damals nachgefragt, ob sie sich noch an Weihnachten erinnern, wie es früher war? Wurde das Fest früher anders gefeiert als heute? Und was war ihr erstes Weihnachtsgeschenk als Kind? 

Wie war Weihnachten früher?

"Wie ich Kind war, haben meine Eltern noch eine Krippe aus Papier gehabt. Die hab ich heute noch und stelle sie zu Weihnachten immer bei mir Zuhause auf. Mein erstes Weihnachtsgeschenk war eine Puppe mit Puppenwagen", erzählt uns Gertrude Offenbacher.
Gertraud Muster hat ihre früheren Weihnachten sehr schlicht in Erinnerung: "Weihnachten war sehr einfach. Wir haben mit einem Baum und ganz viel Freude gefeiert. Früher war alles feierlicher und bescheidener. Das war in der Nachkriegszeit." Aber sie fasst auch zusammen: "Wenn man ein Kind ist, ist es anders. Für uns Kinder war es schön."
Dass Weihnachten früher ein Fasttag war, erinnert sich Frowin Kaar. Ein Brauch der heute nicht mehr gelebt wird – denn eigentlich war erst nach der Mitternachtsmette Fleisch erlaubt. "Früher war Weihnachten bei uns bis 11 Uhr ein Fastentag und dann hat es zu Mittag Karpfen gegeben. Erst wenn's finster war, gab es die Bescherung. Das war sehr geheimnisvoll und hat die Neugierde geweckt", erinnert sich Frowin Kaar. Auch die Geschenke sahen früher anders aus."Für mich waren Mandarinen schon ein tolles Geschenk. Einmal hab ich auch eine Eisenbahn bekommen, die war sensationell. Bis heute ist der Zuckerlbaum in unserer Familie Tradition", erzählt Kaar weiter.

So sah Weihnachten bei Anna Waltraud und Josef Mayer im Jahr 1940 aus.
  • So sah Weihnachten bei Anna Waltraud und Josef Mayer im Jahr 1940 aus.
  • Foto: Nachlaß Schodl/Sammlung Museumsverein
  • hochgeladen von Nadine de Carli

Was gab es für Traditionen?

Der Christbaum in unseren Wohnzimmern geht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Auch bei der Familie von Gerlinde Ranftl stand der Baum im Mittelpunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten: "Weihnachten war ganz besonders schön, mit einem großen Christbaum. Die Kugeln von damals habe ich sogar heute noch in Gebrauch. Ich erinnere mich sogar daran, dass ich einmal sogar sieben Puppen bekommen habe. Aber wir waren nicht so schlecht beinander."
Eine von den zehn Heidis aus der Goethegasse, und zwar Heidi Graf, erzählt uns von ihren Verwandtenbesuchen zu Weihnachten: "Am heiligen Abend sind wir immer zuerst zu Oma gegangen. Währenddessen hat das Christkind daheim alles hergerichtet. Am nächsten Tag wurden dann die Verwandten besucht und zwar alles zu Fuß. Ich erinnere mich an einen Pelzmantel, den mir mein Bruder geschenkt hat, der mir viel zu lang war. Irgendwann bin ich aber rein gewachsen."
Für Luise Portugaller war Weihnachten früher nicht einfach: "Ich bin in einem Heim in Sudeten-Deutschland aufgewachsen, da gab es kein richtiges Weihnachtsfest. Zu Weihnachten durften wir Lose ziehen und so habe ich einmal ein Kindertelefon, Nähzeug und ein Fotoalbum bekommen. Ich hatte so eine Freude damit." 
Weihnachten hat aber bei einigen auch einen besonderen Platz in der Erinnerung eingenommen, wie bei Grete Schöberl: "Weihnachten war was ganz Schönes. Es ging um die Stimmung und Glückseligkeit. Zu Weihnachten ist mein Bruder immer mit den Kindern von Dornbirn gekommen und wir haben alle bei meiner Mutter gefeiert. Dann mussten wir immer im Keller irgendetwas holen gehen und haben dann das Christkind läuten gehört. Dann gab es viele Packerln: Zündhölzer, Kerzen, Gabelbissen oder ein Nachthemd – irgendwas, was man brauchen konnte. Dann hat die ganze Familie zusammen gegessen – den Gemüse-Majonaise-Salat mache ich heute noch."

Erinnerungsstücke an Weihnachten früher, von Harald Polt mit seiner Familie.
  • Erinnerungsstücke an Weihnachten früher, von Harald Polt mit seiner Familie.
  • Foto: Polt
  • hochgeladen von Nadine de Carli

Was war anders als heute?

"Meine ersten persönlichen Erinnerungen an Weihnachten stammen vermutlich aus dem Jahr 1972. Damals habe ich eines meiner ersten Weihnachtsgeschenke, ein Paar Schi, bekommen, mit denen ich später den zweiten Platz bei den Kinderschimeisterschaften von Weiz errungen habe, aber auch den ersten (und einzigen) Beinbruch zu verdanken habe", erinnert sich Harald Polt vom Museumsverein Weiz. "Es war eigentlich spannend, den ganzen Tag (ohne Fernseher und Handy) zu warten, bis endlich das Glöckchen läutete, das uns zum Weihnachtsbaum rief. Man hatte eigentlich keine weiteren Verpflichtungen und Termine, die man heutzutage zu Weihnachten einhalten muss, und es lag doch manchmal auch Schnee vor dem Haus, der den Tagesablauf verkürzte. Und man blieb danach daheim, da ja, im Gegensatz zu heute, kein Lokal offen hatte.
Die Tradition des „Glöckchenläutens“ haben meine Frau Theresa und ich auch bei unseren beiden Kindern so lange wie möglich beibehalten, bis man uns auf die Schliche gekommen ist."

Fest steht, dass Weihnachten für die Menschen in unserer Region ein sehr familiäres Fest ist, mit vielen Traditionen, die sich oft bis heute gehalten haben. Es ist nur heutzutage nicht mehr so einfach ist, sich auf die Stille rund um die Weihnachtszeit einzulassen. Ein Blick auf das, was wir haben und worüber wir uns freuen können, hilft vielleicht beim Besinnen.

Autor:

Nadine de Carli aus Weiz

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.