1914 und 2014

Dieses Ölbild des bosnischen Malers Radenko Milak trägt den Titel „28. Juni 1914“
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Auch wer an Geschiche überhaupt kein Interesse hat, kann sich vielleicht zu folgendem Satz etwas vorstellen: „Die Schüsse von Sarajevo“. An diesem Motiv von 1914 ist eine Kette von Ereignissen festgemacht, worin sich Europa grundlegend verändert hat.

Wovon ist die Rede? Vom Ereigns-Jahr 1914. Bosnien-Hercegovina ist ein „Kondominium“ Österreichs gewesen, nachdem der Berliner Kongress von 1878 die Okkupation Bosniens durch die Habsburger „legitimiert“ hatte.

Also war es der österreichisches Staatsbürger und ethnische Serbe Gavrilo Princip, durch den Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie Chotek nahe der Lateinerbrücke in Sarajevo ums Leben kamen.

Der damals neunzehnjährige Princip wurde dort umgehend festgenommen, vor Gericht gestellt und ins Gefängnis gesteckt, wo er 1918 an den Folges seiner Knochentuberkulose einen schweren Tod starb.

All das war für Franz Conrad von Hötzendorf, Chef des österreischischen Generalstabes, der lang ersehnte Anlaß, um Serbien anzugreifen, denn er hatte schon geraume Zeit einen Präventivkrieg empfohlen.

Warum war Serbien den Habsburgern ein Dorn im Auge? Nachdem das Osmanische Reich sich von jenem Gebiet zurückziehen mußte, das wir heute „Balkan“ nennen, waren viele Staaten Europas scharf darauf, sich dort breit zu machen.

Österreich hatte jedoch schon detaillierte Pläne entwickelt, diese Region zu kolonialisieren, sich einzuverleiben. Conrad von Hötzendorf wußte natürlich, daß ihm kaum eine Armee dabei so große Schwierigkeiten bereiten werde wie die serbische.

Dieser österreichische Versuch, den Balkan zu kolonialisieren, endete damals in der schlimmsten nur denkbaren Katastrophe, dem „Großen Krieg“, den wir heute „Erster Weltkrieg“ nennen. Dabei wurde nicht bloß Europa verwüstet, wurden viele Völker tief traumatisiert.

Die Habsburger und die Hohenzollern mußten von der politische Bühne abtreten, nachdem davor schon die Romanows von einer Revolution weggefegt worden waren. So endete für unsere Leute die Feudalzeit.

Aus all dem dürfen Sie schließen: Die Schüsse von Sarajevo, deren hundertster Jahrestag nun naht, waren weder der Anlaß, noch der Auslöser für den „Ersten Weltkrieg“, aber sie waren die symbolisch höchstrangige Markierung für das Eskalieren jener Prozesse, die Europa verwandelt haben.

Wir sind mit diesen historischen Ereignissen insofern verbunden, als das von mir aus nur zwei Generationen zurückliegt. Mein Großvater, den ich noch gekannt habe, ist ein Soldat es Kaisers gewesen.

Wir haben in der Oststeiermark begonnen, uns im Kulturbereich diesem großen Thema zu widmen. Dazu hat sich die Plattform „kunst ost“ mit Künstlern und Intellektuellen in Bosnien und in Serbien verständigt. Im Herbst dieses Jahres wird es eine erste Veranstaltung dazu geben.

In einer Kooperation von „kunst ost“, „kultur.at“ und „styrian contemporary“ ist derzeit „Das zweite Gleisdorfer Kunst-Symposion“ in Arbeit: [link]

Wo: kunst ost, Florianiplatz 8, 8200 Gleisdorf auf Karte anzeigen
Dieses Ölbild des bosnischen Malers Radenko Milak trägt den Titel „28. Juni 1914“
Der serbische Philosoph Dragen Prole wird im kommenden Herbst über „Selbststilisierung via Opferdiskurs“ auf serbischer und österreichischer Seite referieren
Autor:

martin krusche aus Weiz

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