Direktoren im Interview
Kreative Lösungen der Musikschulen überdauern Corona

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Die Musikschulen aus Gleisdorf und Weiz fanden kreative Ansätze, um mit ihren Schülern den Musikschulunterricht auch in der Zeit der Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie zu ermöglichen.

So wurden von den Direktoren Gunter Schabl (Musikschule Gleisdorf) sowie Josef Bratl (Musikschule Weiz) die Angebotspalette durchwegs erweitert und den Schülern online Unterrichtsstunden angeboten. Die WOCHE sprach mit den beiden Direktoren über diese Zeit sowie zukünftige Ergänzungen.

Wie reagierten Sie als Musikschulen auf die Beschränkungen?
Gunter Schabl: Ab dem Lockdown am 16. März wurde in Gleisdorf zwar das Schulgebäude geschlossen, aber der Unterricht von zu Hause aus weitergeführt. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wurde der Kontakt zu unseren SchülerInnen aufrecht erhalten. Nach der Wiederöffnung am 4. Mai ist der Unterricht zur Freude aller Lehrkräfte und SchülerInnen unter Berücksichtigung strenger Hygieneleitlinien wieder aufgenommen worden. Ensembles konnten nicht proben, Schulveranstaltungen mussten abgesagt werden, große Gruppen wurden geteilt, für Gesang und Blasinstrumente wurden große Räume im forumKloster dazugewonnen, um eine Ansteckungsgefahr zu minimieren.
Josef Bratl: Der gesamte Hauptfach- und Kursfachunterricht der Weizer Musikschule wurde auf Online-Unterricht umgestellt. Alle Veranstaltungen bis zum Schuljahresende wurden abgesagt. Die Konferenzen und Besprechungen wurden als Video-Konferenzen abgehalten. Die Lehrkräfte und das Schulpersonal wurden über die Hygienemaßnahmen und über ein geordnetes Vorgehen im Anlassfall informiert. In Vorbereitung auf die schrittweise Rückkehr zum Präsenzunterricht wurde ein Raumkonzept und ein Stundenplan entsprechend der Hygieneverordnungen erstellt. Ab 4. Mai wurde schrittweise wieder auf Präsenzunterricht umgestellt.

Wie wichtig war die Musik für die Kinder in dieser Zeit?
Josef Bratl: Für den Großteil der Schüler war die Musik ein wichtiger Ausgleich zu den großen Veränderungen durch die Corona-Krise. Das Musizieren (teilweise gemeinsam über Internet) war für viele eine Möglichkeit, ein kleines Stück Normalität zu empfinden. Viele nutzten die Musik, um sich in neuen kreativen Formen zu präsentieren bzw. um Empfindungen und Anliegen auszudrücken.
Gunter Schabl: Für die Kinder war es wichtig, ein Stück Normalität aufrecht zu erhalten. Die Auseinandersetzung mit der Musik ermöglichte ihnen emotional positive Erlebnisse. Der vertraute Kontakt zu den MusikschullehrerInnen war gelungene Abwechslung und sorgte für neue Anregungen.

Was wurde den Schülern in dieser Zeit geboten?
Gunter Schabl:  Die SchülerInnen wurden per Internet, Telefon und verschiedenen Medien mit Notenmaterial und selbst gedrehten Musikvideos versorgt. Neue Ideen zum kreativen Musizieren wurden geboren. „Balkonkonzerte“ wurden ins Leben gerufen, Familienkonzerte zu Hause gespielt. Es wurden neue technische Möglichkeiten erprobt und SchülerInnen-Videos ins Netz gestellt. Wo es möglich war, hat der Unterricht live über Videotelefonie stattgefunden.
Josef Bratl: Nach dem Aussetzen des Präsenzunterrichtes wurde versucht, mit allen Kontakt aufzunehmen und abzustimmen, welche technischen Möglichkeiten für einen Online-Unterricht vorhanden sind. Von 780 Schülern konnten innerhalb der ersten Woche 763 erreicht werden. Auf verschiedenen Internetkanälen wurden zahlreiche Videos gesendet, über Konferenzschaltungen gemeinsam musiziert und Arbeitsblätter für Musiktheorie ausgegeben. Teilweise entstanden neue Kompositionen, welche in Notenbüchern zusammengefasst beziehungsweise als Videos im Internet präsentiert wurden. Die Betreuung der Schüler durch die Lehrpersonen erfolgte entweder wöchentlich zu einer gewissen Zeit oder – bei sehr eifrigen Schülern – mehrmals in der Woche. Rund 80 Prozent haben das Unterrichtsangebot der Musikschule Weiz regelmäßig angenommen.

Welche Rückmeldungen kamen von den Eltern?
Josef Bratl: 
Die Eltern nahmen das Online-Unterrichtsangebot sehr wohlwollend an. Viele wurden durch ihre Mithilfe bei den Aufnahmen für Videos in den Unterricht eingebunden. Im Laufe der Wochen war allerdings bemerkbar, dass die Kombination aus Beruf, eventuell Krankheit und Kinderbetreuung in manchen Fällen eine sehr große Belastung darstellte und eine Rückkehr zum Präsenzunterricht allen sehr recht war.
Gunter Schabl: Die Rückmeldung der Eltern war in hohem Maße positiv. In einigen Fällen war die Krise im Allgemeinen eine große Belastung und auch die technische Umsetzung des Videounterrichts stellte eine Herausforderung dar.

Wird der eine oder andere kreative Lösungsansatz nun beibehalten?
Gunter Schabl: Ja, das Senden von Videos mit Musikaufnahmen ist eine Bereicherung, das werden wir weiterführen. Auch für das Lehrpersonal war der gegenseitige Kontakt über Zoomkonferenzen Neuland. Diese Form des pädagogischen Austauschs wird auch zukünftig Anwendung finden.
Josef Bratl: Obwohl klar wurde, dass ein Präsenzunterricht durch nichts zu ersetzen ist, werden kreative Unterrichtsmethoden auf jeden Fall in der Zukunft ergänzend eingesetzt werden. Auch gemeinsame Online-Projekte mit anderen Musikschulen werden in die Zukunft mitgenommen. Für das kommende Schuljahr kann man sich derzeit anmelden.

Für das kommende Schuljahr kann man sich derzeit anmelden. Welche Vorgaben (Abstand, Hygiene, etc.) gibt es für den Musikunterricht?
Gunter Schabl: Wir hoffen sehr, dass der Schulbeginn wieder ein normales Schuljahr bringt. Sollten neuerlich Viren-Probleme auftauchen, sind wir durch die aktuellen Erfahrungswerte gut vorbereitet und werden darauf reagieren. Wir freuen uns auf viele neue begeisterte Schülerinnen, die noch die Möglichkeit haben, sich für das nächste Schuljahr anzumelden. Das ist bis Schulende online unter www.musikschule.gleisdorf.at möglich oder durch persönliche Kontaktnahme mit der Musikschule Gleisdorf.

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