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Lisa Reitbauer und ihre Landjugend

Lisa Reitbauer und ihre Landjugend
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Ich freue mich schon auf das heutige Interview, obwohl ich diesmal nicht genau weiß, was mich erwartet. Es geht um die Landjugend in St. Ruprecht, deren Leiterin Lisa Reitbauer ich gleich im Park in St. Ruprecht treffen werde. Pünktlich kommt eine junge, energiegeladene Dame auf mich zu und begrüßt mich sehr herzlich: „Hallo, ich bin die Lisa.“

Ein Jugendtreffpunkt mitten in St. Ruprecht
Ob wir vielleicht einen Blick in den „Jugendraum“ werfen können? Lisa Reitbauer weist mir freundlich den Weg zum ehemaligen Sitz der Hauskrankenpflege in St. Ruprecht am Rande des Parks. Sie erzählt, dass die Landjugend dort seit Jahren einen Raum zur Verfügung gestellt bekommen hat. Die Jugendlichen haben schon immer von mehr Platz für ihre regelmäßige Treffen und Vereinssitzungen geträumt. Seit 2016 war das Projekt für den Umbau des ehemaligen Hauskrankenpflege-Sitzes, das schon ein bisschen in die Jahre gekommen ist, auf Eis gelegt. Nun sind aber alle Hebel in Bewegung gesetzt worden und wenn man einen Blick in das Haus wirft, sieht man, dass hier kräftig gearbeitet und renoviert wird. Dann gibt es neben einem großen Vereinsraum einen Vorraum, einen Abstellraum, ein WC und eine Küche.

Wie ist der Umbau organisiert? Damit die Finanzierung durch die Gemeinde wohlwollend unterstützt wird, haben sich die Jugendlichen einiges überlegt und viel Zeit investiert. Sie haben einen Projektplan für den Umbau ausgearbeitet, alle notwendigen Angebote für Fremdarbeiten inklusive Abrissarbeiten eingeholt und der Gemeinde auch präsentiert, was alles an Eigenleistungen erbracht und somit an Kosten eingespart werden kann. Und das ist eine Menge an Arbeitsleistung, denn viele Jugendliche, die hier mitarbeiten sind Handwerker oder handwerklich begabt. Es gibt Elektriker, Installateure, Tischler, Maurer, Maler, Fliesenleger, etc.

Später höre ich noch von Parkbesuchern, dass sich hier beim zukünftigen Vereinsgebäude jetzt ab 16:00 Uhr regelmäßig Jugendliche in Arbeitsmontur einfinden und man kann hören, dass hier kräftig gearbeitet wird.

Die Landjugend ist für alle Jugendlichen da
Wer darf eigentlich Mitglied in der Landjugend werden? Lisa erklärt, dass es ein weitverbreiteter Irrtum ist, dass nur Jugendliche Mitglied werden können, die aus einer Landwirtschaft kommen. Die Landjugend ist für alle Jugendliche zwischen 14 und 30 Jahre da. Ca. 50 % der Mitglieder kommen aus einem landwirtschaftlichen Umfeld, die andere Hälfte nicht. Im Moment besteht der Verein aus 75 Mitgliedern. 20-25 Mitglieder bilden den eigentlichen Kern, der sich wöchentlich trifft. Aber auch die anderen Mitglieder sind immer wieder eingebunden, wenn es um die Vorbereitung von größeren Projekten und Veranstaltungen geht.

Die Vereinsstruktur
Von ihrer Struktur her ist die Landjugend als Verein organisiert, mit einem Vorstand, der derzeit aus 14 Mitgliedern besteht. Was besonders bemerkenswert ist: es gibt einen Obmann und eben eine gleichberechtigte weibliche Leiterin. Diese Form der Gleichberechtigung im Vorstand ist wirklich vorbildhaft und sollte auch für andere Vereine Beispielwirkung zeigen. Die Ortsgruppe ist dann noch einer Bezirks- und einer darüberliegenden Landesgruppe untergeordnet, die der Vernetzung mit anderen Jugendlichen und Angeboten für lebenslanges Lernen dient. So gibt es eine Menge Veranstaltungen und Workshops, von denen alle Jugendlichen der Ortsgruppe profitieren können.

Gemeinsam sind wir stark
Lisa schwärmt, dass es in „ihrer“ Landjugend keine Unterschiedlichkeiten und Vorbehalte der Mitglieder untereinander gibt. Die gelebte Gemeinschaft ist eine wunderbare, sie schweißt zusammen und sie hält enge Freundschaften für das spätere Leben auch außerhalb des Vereins bereit. Manchmal entstehen daraus auch andere Vereine, wenn man mit 30 Jahren vom Verein der Landjugend Abschied nimmt. Ein gutes Beispiel dafür sind die Ruprechter Schuhplattler.
Lisa ist seit 2014 dabei, 2015 ist sie in den Vorstand als Presseverantwortliche und Stellvertreterin eingetreten und seit 2017 ist sie in der Funktion als Leiterin tätig. Eines weiß sie schon jetzt, sie wird diese Zeit nie vergessen. All das Erlebte und die tollen Erfahrungen werden sie ein Leben lang begleiten.

Wenn ich das so höre, finde ich es schade, dass es Jugendliche gibt, die den Weg nicht in die Landjugend finden. Denn offensichtlich entgeht ihnen da eine Menge an positiven Erfahrungen und an möglichen Freundschaften.

Zwischen Vereinsalltag und wichtigen Events
Die Coronazeit hat den Vereinsalltag sehr erschwert, das persönliche Treffen der Mitglieder hat allen sehr gefehlt. Nun wird jede erdenkliche Zeit in den Umbau gesteckt. Neben Spiele- und Diskussionsabenden wird auch immer wieder an gemeinnützigen Projekten gearbeitet. So wurde im Rahmen von Tat.Ort Jugend das Projekt „Jugendobstwiese: Setzen-Ernten-Spenden“ umgesetzt, für das der St. Ruprechter Landjugend dann 2019 auch der Goldene Panther Preis verliehen wurde. Lisa erzählt, dass die Jugendlichen mit 3 Klassen der Volksschule St. Ruprecht 300 Streuobstbäume gepflanzt und im Herbst das Obst auch wieder gemeinsam mit den Kindern geerntet haben. Als Krönung haben die Kids dann noch die Etiketten für den daraus gewonnen Saft gestaltet. Die Einnahmen aus dem Saftverkauf kommen einem gemeinnützigen Projekt zugute. Die Arbeit mit den Kindern war für Lisa ein Traum. Sie studiert übrigens Bildungs- und Erziehungswissenschaften (früher: Sozialpädagogik) und möchte später unbedingt mit Kindern arbeiten. Trotzdem hilft sie bei ihren Großeltern in der Landwirtschaft, so es ihre Zeit irgendwie zulässt.

Die Landjugend ist ein Bindeglied zwischen Innovation und Tradition. Sie ist nämlich auch in der Brauchtumspflege sehr aktiv, die Arbeit in diese Richtung wird aber immer schwieriger umzusetzen. Dadurch geht viel althergebrachtes Wissen verloren, das dann nicht mehr an die nächsten Generationen übergeben werden kann. Es geht um Bräuche wie Maibaumaufstellen und -umschneiden, um Versteigerung des Maibaums beim Frühschoppen, um die Fackelwanderung beim Brauchtums-Osterfeuer, ums Himmel- und Kreuz-Tragen zu Fronleichnam mit einem damit verbundenen Rundgang im Park mit den Gemeindefahnen. Aber es geht auch um Zusammenarbeit mit der Pfarre, sei es die Gestaltung von Gottesdiensten oder auch die Mitwirkung Erstkommunion oder beim Firmabschluss.

Ich finde, dass das was die Jugendlichen hier in St. Ruprecht leisten ist wirklich außergewöhnlich und verdient die Aufmerksamkeit und Wertschätzung von uns allen!

Der Wunsch für die Zukunft
Ehrenamtliche Vereine haben es immer schwer, weil sie auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Im Moment werden die Aktivitäten der Landjugend positiv wahrgenommen und die Jugendlichen fühlen sich gut eingebunden. Lisa wünscht sich aber, dass sich die Arbeit der Landjugend weiterentwickeln kann und dass die Unterstützung durch die Gesellschaft, die Gemeinde und die Pfarre in Zukunft noch weiter ausgebaut werden kann.
Dafür wünsche ich ihr und der Landjugend das Allerbeste.

Kontakt Landjugend St. Ruprecht:
https://struprecht.landjugend.at
Lisa Reitbauer
Mobil: 0664/3588112

Hermine Arnold
www.nedi.at

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