Fledermausart des Jahres
Mopsfledermäuse gehören geschützt

Die Mopsfledermaus ist eine bedrohte Tierart.
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  • Die Mopsfledermaus ist eine bedrohte Tierart.
  • Foto: Harald Polt
  • hochgeladen von Nadine de Carli

Die Mopsfledermaus ist vom aussterben bedroht und wurde deshalb zur Fledermausart des Jahres 2020-2021 gewählt.

In London, Wien und Weiz ist man sich einig, die Mopsfledermaus (lateinisch Barbastella barbastellus) gehört geschützt. Die Organisation BatLife Europe und deren Partnerorganisationen haben sie deshalb zur "Fledermausart des Jahres 2020-2021" gewählt. Organisationen in über 35 europäischen Ländern werden sich in dieser Zeit auf die Lösung von Artenschutzproblemen und Öffentlichkeitsarbeit für diese bedrohte Fledermausart konzentrieren.

Zählungen in Weiz

Durch Winterzählungen des Weizer Museumsleiters Harald Polt (Landesverein für Höhlenkunde in der Steiermark) und Franz Moitzi (Forschergruppe Zeltweg) konnte eindeutig ein Anstieg der Mopsfledermauspopulation in Seehöhen bis zu 1800 m nachgewiesen werden.
Landesverein für Höhlenkunde in der Steiermark kümmert sich um die Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Höhlenkunde, darunter auch das Wintermonitoring von Fledermäusen im Mittelsteirischen Karst und im oberen Murtal sowie den Höhlenschutz in der Steiermark tragen.

Grund für den Rückgang der Art

In den meisten europäischen Ländern, darunter Österreich, gilt die Mopsfledermaus als selten und gefährdet. Der massive Verlust von altholzreichen Laubwäldern und die intensive forstwirtschaftliche Nutzung von Waldgebieten, oft einhergehend mit der Entfernung von Totholz, sind wichtige Faktoren beim Rückgang dieser Art deren Fortpflanzungsquartiere hauptsächlich in Baumhöhlen und -spalten liegen. Die Verwendung von Kunstdüngern und Schädlingsbekämpfungsmitteln reduziert die Zahl und Vielfalt der als Nahrung notwendigen Insekten und kann zur Vergiftung von Fledermäusen über ihre Beutetiere führen. Aus all diesen Gründen ist die Mopsfledermaus auf EU-Ebene und in den meisten europäischen Staaten streng geschützt. In Weiz ist die Weizklamm außerdem ein überregional bedeutendes Winterquartier und Hauptgebiet der Fledermauszählungen, die durch den Klimawandel bedroht werden. Der Weizer Harlald Polt ist seit 1988 Höhlenforscher und seit 1996 des Fledermausprojektes – er erklärt, wie die Fledermaus-Population und der Klimawandel zusammenhängen.

Nachgefragt bei Harald Polt

Wie sind Sie zu dieser Aufgabe des „Fledermauszählens“ gekommen?
"Meine Haupttätigkeit in der Höhlenforschung ist die Höhlendokumentation und Winterzählungen von Fledermäusen in rund 28 Winterquartieren (Höhlen und Stollen) in der Steiermark zwischen Dezember und Februar. Dabei werden zwischen 5.000 und 7.000 überwinternde Fledermäuse beobachtet."

Wie funktioniert so eine Zählung?
"Die Winterquartiere der Fledermäuse (Höhlen und Stollen, seltener Keller) werden von Fachleuten und Laien – so wie ich einer bin – ein Mal im Winterhalbjahr begangen und die dort überwinternden Fledermäuse so gut wie möglich erfasst. Es gibt dabei zwei unterschiedliche Überwinterungsmethoden, manche Fledermausarten hängen frei an der Decke, und manche Arten ziehen sich tief in Spalten zurück, diese sind dann schwer zu finden bzw. zu zählen. Die Fledermäuse werden auch vor Ort der Art nach bestimmt, was nicht immer leicht ist."

Wie wird eine Tierart zur „Tierart des Jahres“ gekürt?
"Bei den Fledermäusen wählen rund 30 Partnerorganisationen von Batlife Europe alle zwei Jahre eine andere Fledermausart zur Fledermaus des Jahres. Das hängt natürlich auch damit zusammen, wie sich der Gefährdungsgrad ändert, der ja in allen Mitgliedsstaaten der EU ein anderer ist, wobei Österreich (Steiermark) in der glücklichen Lage ist, noch einen sehr guten (Gesamt)-Fledermausbestand zu haben."

Wie sieht es um die Tierwelt in unserem Bezirk aus?
"Im Bezirk Weiz sind wir in der glücklichen Lage, noch sehr viele Fledermausquartiere (Sommer und Winter) zu haben. Speziell bei den Winterquartieren bieten die Weizklamm und die Sattelberge zahlreiche geeignete Unterschlüpfe an – wobei in der Weizklamm im Winter mehr als 1000 Fledermäuse gezählt werden. 
Besonders die kälteliebende Mopsfledermaus leidet unter dem Klimawandel, in einigen Höhlen der Weizklamm haben wir in den letzten 10 Jahren einen starken Rückgang zu verzeichnen, andererseits hatten wir heuer im Katerloch auf dem Lärchsattel einen neuen Rekordwert.
Es sieht so aus, dass sich lokal die Mopsfledermäuse in kältere Höhlen, wie das Katerloch, zurückziehen, bevor sie dann endgültig in höhere (kältere) Regionen ausweichen müssen, wie z.B. ins Wilde Loch auf der Grebenzen. Das Katerloch stellt daher zu diesem Zeitpunkt das wichtigste bekannte Winterquartier der Mopsfledermaus im Mittelsteirischen Karst dar."

Was kann man tun, um zu helfen?
"Besonders wichtig ist die Aufklärung (Volksbildung), daher mache ich auch Vorträge in Schulen und Fledermaus- und naturkundliche Führungen, z.B. in die Grasslhöhle bei Weiz. Wenn man schon Kinder für Fledermäuse begeistern kann, dann gehen diese als Erwachsenen sehr viel respektvoller mit diesen Tieren um. Es ist auch darauf hinzuweisen, dass Fledermauswinterquartiere (außer von Fachleuten) nicht von anderen begangen werden sollen."

Link zur Originalstudie von Peter Sackl (Universamluseum Joanneum).

Die Mopsfledermaus ist eine bedrohte Tierart.
Winterschlafende Mopsfledermäuse ziehen sich gern in Felsspalten zurück.

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