Steirische Politik
Reden wir über Politik

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Ich denke, unser Gespräch begann mit der Frage: „Und wie geht es dir mit deiner Wahlberichterstattung?“ Christoph Stark ist Nationalratsabgeordneter und amtierender Bürgermeister der Stadt Gleisdorf. Wir trafen uns bei einer Vernissage der Malerin Michaela Knittelfelder-Lang.

Nein, das war für Stark kein Wahlkampftermin. Er begleitet die Arbeit von Knittelfelder-Lang seit Jahren und ich hab bei Kulturveranstaltungen öfter erlebt, daß Gäste staunten: „Wieso ist der Bürgermeister noch da?“ (So manche Funktionäre hauen nach ihrem Eröffnungsauftritt bei Kulturveranstaltungen gleich ab.)

Wir standen geraume Zeit beieinander, in ein Gespräch vertieft, und zu meiner Verwunderung wurde ich nachher noch vor Ort gefragt, ob ich ihm, dem ÖVP-Politiker, wohl Bescheid gesagt hätte. Wie bitte? Bin ich jemandes Postillion oder Sprachröhrchen?

Nebenbei bemerkt, manchen Menschen ist offenkundig noch nie aufgefallen, daß ein Gespräch entweder endet oder ins Bedeutungslose kippt, wenn man sein Gegenüber brüskiert. Wem nach solchen Posen ist, braucht kein Gespräch zu suchen, da genügt es völlig, jemanden anzubrüllen.

Bei der Gelegenheit: Ich hab außerdem über viele Jahre den Eindruck gewonnen, daß man niemanden gegen seine Auffassungen und Überzeugungen erreichen kann. Selbst im Dissens braucht man irgendein Quentchen Gemeinsames, um einen Dialog zu haben. Sonst wird es nichts.

Worum kann es dann aber gehen, wenn ich mit einem Politiker spreche? Das Wort Meinungsaustausch verrät es eigentlich. Ich bin neugierig. Wir tauschen uns aus. In einem Gespräch will ich meist nichts bestimmtes erreichen, sondern eine anregende Zeit haben.

Stark fragte mich, wie ich die Wahlergebnisse einschätze.
„Keine Ahnung. Ihr seid sehr gut aufgestellt. Daran wird sich nicht rütteln lassen.“
„Aber die Grünen könnten dazugewinnen.“
„Na und?“

Pause
„Zur Sozialdemokratie fällt mir gar nichts ein. Und die FPÖ hat überhaupt keine Themen.“ meinte ich.
„Die hat ihre Themen“, sagte Stark.
„Ja, Scheinthemen.“

Das durfte erst einmal so stehenbleiben. Wir waren uns einig, Gleisdorf habe derzeit keine größeren Probleme, die einen vorerst ratlos machen und übermäßig fordern würden. Ein Bürgermeister, der es eher billig gibt, hätte dann wohl auf sich verwiesen. So langweilig unterhalten wir uns freilich nicht.

Stark betonte außerdem einen Punkt, der mir gar nicht mehr aufgefallen war. „Wir greifen uns im Wahlkampf nicht mehr gegenseitig an.“ Stimmt! Das ist eigentlich ein sehr angenehmer Status quo, zumal wechselseitige Attacken sowieso zu einem Ausmaß an Polemik tendieren, aus dem ich keine nützliche Information erhalte. Wenn sich also Parteien um Differenz bemühen, müssen sie hier neue Kommunikationsweisen ersinnen. Eine interessante Aufgabe.

„Aber die Jungen“, meinte ich, „beim Plan G hätte ich eigentlich erwartet, daß sie sich Fragen zuwenden würden, die jenseits unserer derzeitigen Erfahrungen liegen“. Statt dessen geht’s da um Veranstaltungen zur Unterhaltung etc. Darauf brachte Stark einen interessanten Einwand: „Warum? Sie kümmern sich um Jugendthemen, um das, was sie beschäftigt.“

Ich hab darüber schon eine Weile nicht mehr nachgedacht. Projektion ist wie eine Art Störsignal. Klar! Weshalb sollten junge Leute, die sich politisch engagieren, gleiche Motive und Anliegen haben wie ich? Liegen eh bloß wenigstens 40 Jahre zwischen uns.

Wer handelnde Menschen beobachtet, ihnen dann ein „Ja, aber…“ zuruft, belegt damit bloß eigene Ausflüchte. Dieser „Whataboutism“ boomt zur Zeit und ist eine äußerst populäre Entlastungsstrategie. Statt sich den möglichen Defiziten des eigenen Handelns zu stellen, ruft man anderen zu, was sie eigentlich oder zusätzlich machen sollten.

Die Höchstform solcher apolitischen Posen ist das erregte Posten von Merksprüchen, Flüchen und bedrückenden Medienberichten in den Social Media. Ich mag die aktuelle Mediensituation. Aber letztlich müssen wir dann doch immer wieder in die reale soziale Begegnung zurückkehren, wenn es politisch werden soll. Was ich damit meine?

Öffentliche Debatten in öffentlichen Räumen, die dadurch politische Räume werden, daß man leibliche Anwesenheit pflegt. Derzeit ist nicht absehbar, wie sich diese Bedingung suspendieren ließe, wenn wir darüber nachdenken, was Demokratie auf der Höhe der Zeit bedeutet. Dazu eignen sich auch, wie zu erleben war, Galerien mit ihren Vernissagen.

+) Zur steirischen Politik

Bürgermeister Christoph Stark und Malerin Michaela Knittelfelder-Lang

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