Kunst
Wir beuyseln

Josef Beuys, wie ihn Heinz Payer sieht. (Ausschnitt)
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  • Josef Beuys, wie ihn Heinz Payer sieht. (Ausschnitt)
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gelegentlich die Probe. Wenn Menschen über Gegenwartskunst reden, obwohl sie das Thema eigentlich nicht interessiert, wenn sich Bildungsbürger zu dieser Sache hervortun, auch wenn es ihnen eigentlich egal ist, werden Sie mit sehr hohem Anteil zweierlei Wortmeldungen hören. 1.: Josef Beuys und 2.: Soziale Plastik.

Weshalb tun Leute das? Es drückt den zweiten Grad der Schnösel-Laufbahn aus. Das sind die Fortgeschrittenen, nachdem sie in solchen Zusammenhängen jahrelang gesagt haben: „Ich verstehe ja nichts von Kunst, aber…“

Damit wir uns recht verstehen, niemand muß sich für Kunst interessieren und man braucht sich dazu auch nicht zu äußern. Also könnte man sagen: „Nicht mein Thema. Ich hab andere Prioritäten.“ Weshalb geben sich Schnösel also kunstbeflissen?

Schauen Sie sich bloß die letzten 200 Jahre an, die Zeit einer permanenten technischen Revolution. Da fanden soziale Umbrüche in atemberaubendem Tempo statt. Aufstiegswillige Leute orientieren sich oft am Lebenssteil und an den Wertekatalogen jener höhergestellten Schicht, in der sie ankommen möchten.

Kunstsinn und kulturelle Sachkenntnis als Fundamente eines feinen Geschmacks waren einst vor allem die Privilegien von Teilen des Adels und des hohen Klerus. (Schlag nach unter Cesare Borgia, Machtmensch und Kunstexperte! Okay. 500 Jahre.)

Ein aufstrebendes Besitzbürgertum, das wirtschaftlich erfolgreich war, tat sich folglich ebenso in feinerem Kunstsinn hervor wie manche Fürsten, deren Anerkennung man suchte. Erst recht dann das nachdrängende Bildungsbürgertum, dem wir die „Volkskunde“ verdanken, denn es war verlockend, sich Mündel zum Belehren und zum Erziehen zu suchen.

Da bot es sich an, den „Pöbel“ zu bevormunden, während man vor den höheren Rängen buckeln mußte. Voilà, die „Volkskultur“ gab ein feines Kontrastmittel, mit dem sich eine Liebhaberei für die „Hochkultur“ besser betonen ließ.

So war das noch in meinen Kindertagen. Volkskultur recht und schön, aber dann bitte traditionell und original und wertgeschützt. (Schon wieder wurden Leute mit „billigem Geschmack“ bevormundet.) Aber eigentlich galt: auf zur Hochkultur!

Wer nun weder an bodenständiger Volkskultur, noch an erhabener Hochkultur Geschmack fand, mußte sich eventuell in das Lager von „Schmutz und Schund“ einordnen lassen. Die „Negermusik“, die „Schundheftln“, oft genug von „Zotterten“, also von Langhaarigen, bevorzugt. Da war die „Kulturschande“ zuhause.

Josef Beuys, zwiespältig, mit düsteren Anteilen, von erheblichem Sendungsbewußtsein angetrieben, hatte die Kraft, wie eine Axt in dieses Gefüge hineinzufahren. Von ihm stammen wesentliche Beiträge, dieses alte Dornengestrüpp der Dünkelhaftigkeit aufzubrechen. Dazu setzte er überdies Markierungen mit Werken von internationalem Rang.

Und nun? Überraschung! Die Schnösel haben Beuys für sich nutzbar gemacht. Wenn es zu Fragen der Gegenwartskunst kommt, beuyseln sie, was das Zeug hält, um sich als kunstsinnig und weltgewandt hervorzutun. Naja, kann man machen.

+) Das Pojekt: Beuys 101

Josef Beuys, wie ihn Heinz Payer sieht. (Ausschnitt)
Die lebendige "Kulturschande" in den 1970ern und 1980ern: "Zotterte" aus der Abteilung "Schmutz und Schund".

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