In Weiz fehlt der Rad-Nachwuchs

Maximilian Kubas (re.) siegte knapp vor Nikolas Riegler (li.) bei den Österreichischen U17-Meisterschaften in Weiz.
  • Maximilian Kubas (re.) siegte knapp vor Nikolas Riegler (li.) bei den Österreichischen U17-Meisterschaften in Weiz.
  • Foto: Wolfgang Marbler
  • hochgeladen von Lisa Maria Klaffinger

Über 14 Kilometer und 600 Höhenmeter führte die Bergrennstrecke, der Startschuss fiel auf dem Weizer Hauptplatz, drei Vorausfahrzeuge und eine große Nachhut sicherten den markierten Weg. "Es war eigentlich ziemlich spektakulär – wir waren eine endlose Schlange, weil auch die Wiener Meisterschaft zeitgleich mit unserer U17 abgehalten wurde", erzählt Thomas Binder, der junge Organisator des Radsport-Events: "Wir haben hier einfach die besseren Gegebenheiten als die Wiener bei sich."
Die perfekten äußeren Umstände für den Radsport in Weiz könnten darauf schließen lassen, dass hier gut in den Nachwuchs investiert wird. Doch Peter Schellnegger, Rennradsport-Verantwortlicher des Radclubs RC-Tri-Run Weiz, meint, dass die Nachfrage nicht gegeben wäre, und es ökonomischer sei, alle Junioren an einem Ort, nämlich in Gleisdorf, zu konzentrieren: "Bei uns ist die Jugend im Laufen sehr präsent und mit Herrn Kopp auch bestens betreut."

Ehrenamtliches Engagement ist gefragt

Jugendtrainer Johannes Kopp ist nur am Rande mit dem Triathlon-Training der Jugend beschäftigt, da werde gerade ein Kader aufgebaut. Im Laufen gibt es beim RC-Tri-Run seit fünf Jahren einen Jugendkader, der derzeit an die 30 Kinder fasst. Für die dritte Sektion des RC-Tri-Run Weiz, den Rennradsport, gibt es in Weiz jedoch keine eigene Anlaufstelle. "Noch haben wir für Weiz einfach keinen gefunden, der das sehr zeitintensive Radtraining übernehmen würde. Vielleicht fehlt der Enthusiasmus einfach, so viele Stunden ehrenamtlich vorzubereiten und durchzuführen", so Kopp.

Weiz muss fester in die Pedale treten

Der RC-Tri-Run ATUS Weiz vermittelt alle jugendlichen Rennradfahrer zur oststeirischen Rad-Ausbildung an den Trainer Richard Kachelmeier weiter, der 17 Jahre lang Obmann des Radclubs Birkfeld war, in Gleisdorf die Friesis Bikery gegründet hat und als U17-Nationalteamtrainer tätig ist. Alle Kids, die in den Radrennsport hineinschnuppern wollen, können beim FC Donald in St. Ruprecht oder eben beim RC Birkfeld starten. Für alle, die den Sport ernsthaft ausüben und vielleicht einmal Profi werden wollen, hat er in Gleisdorf die Friesis Bikery gegründet. "In Weiz gibt es für den Rad-Nachwuchs einfach kein Angebot. Dass sich da keiner findet, ist schade, aber das war bereits immer so und hat mitterweile schon fast Tradition."

Die Erfolge feiern die anderen

Sobald die Jugendlichen aus dem Alter der Junioren-Bewerbe herauswachsen, wird es hart, denn es gibt im österreichischen Radsport keine 1. oder 2. Klasse; ab diesem Zeitpunkt fahren sie gegen jeden Profi in ganz Österreich. Aus diesem Grund ist der Usus im Bezirk, dass alle jungen Radsportler, die professionell und gut genug sind, um eine reelle Chance im Profizirkus zu haben, zum Pro Cycling Team des WSA Graz weitervermittelt werden. Alle anderen, die den Sport weniger ernsthaft betreiben wollen, gehen meist zu ihren Stammvereinen, wie eben dem RC-Tri-Run Weiz, zurück.
Die beiden jungen Weizer Elitefahrer Lukas Schlemmer und Daniel Auer, die nun für den WSA Graz (Anm. d. Red.: mittlerweile RSW Wels) fahren, sind laut Kachelmeier das beste Beispiel, dass es "trotzdem" funktionieren kann: Lukas Schlemmer erreichte etwa den 2. Platz beim Prolog der Österreich-Rundfahrt und wurde 2016 Österreichischer Meister im Kriterium, Daniel Auer ist zweifacher Etappensieger der Österreichrundfahrt und Sieger der Burgenlandrundfahrt. Trotzdem ist sich der Nationalteamtrainer sicher, dass durch die Vernachlässigung des Nachwuchses in Weiz viele Jugendliche "zu anderen Sportarten abwandern, oder einfach gar nichts Sportliches machen".

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