Kultur kurios: Wahlen #4

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Die lokale und regionale Wirtschaft interessiert mich sehr. Was immer wir uns an sozialen und kulturellen Aufgaben suchen, es würde massiv irritiert werden, wenn zu viele Betriebe den Bach runtergingen.


Nur die Neos haben unsere Ökonomie zum einzigen Thema ihrer Wahlwerbung gemacht. Bei der Sozialdemokratie vermisse ich schon aus historischen Gründen ein paar interessante Überlegungen zur Wirtschaftslage des Raumes.

An den Grünen gefällt mir, daß sie einige Teilthemen herausgreifen und sich darin offenbar sehr sachkundig gemacht haben. Für die Volkspartei ist das Thema Wirtschaft naturgemäß eine aufgelegte Wuchtel. Allein deren aktuelle Liste ist mit Wirtschaftstreibenden nicht gerade unterbesetzt.

Uuups! Jetzt hätte ich fast die FPÖ vergessen. Die hat aber ihrerseits auch auf die Wirtschaft vergessen, um sich ausführlich mit einer „Masseneinwanderung“ zu befassen, von der es weder in der Stadt, noch in der Region die geringste Spur gibt.

Wenn etwa Erich Luef von Listenplatz 15 aus wissen läßt: „Das Abwandern von Betrieben und Betriebsstätten muss verhindert werden.“, dann sagt er damit vor allem: Das Wasser ist naß. Der Papst ist katholisch.

Aber erstens: welche POLITISCHEN Maßnahmen könnten in diesem Sinne fruchtbare Wirkung zeigen? Und zweitens: welche dieser Maßnahmen wären dann von der FPÖ beherrschbar?

Sehen Sie! Das erfahre ich leider nicht.

Nun läßt mich „Maxi Haas, 1993, Student“ wissen: „Die junge Generation ist am Zug!“ (Ja? Wobei genau?) …um dann zu fordern: „Rückenwind für unsere regionalen Betriebe“.

Was also ist es, wofür ich Maxi Haas meine Stimme geben sollte? Welcher Art wäre dieser stärkende Rückenwind? Aus welcher Quelle entstünde er? Ich fürchte, das ist bloß eine andere Version von: Das Wasser ist naß. Der Papst ist katholisch.

Da kann ich als angeblich „weltfremder Künstler“ auf Anhieb ja mehr Punkte aufzählen, die mir vermutlich so manche erfahrene Person der lokalen Wirtschaft unterschreiben würde. Ich versuche es einmal, ein paar Themen, aus dem Ärmel zu schütteln.

+) Stop und Rückbau der „Überverwaltung“. Zu viele Vorschriften, zu viele Formulare, zu viel unproduktive Zeit im Büro.
+) Senkung der Lohnnebenkosten.
+) Besser ausgebildete Jugendliche, die unsere grundlegenden Kulturtechniken wie Rechnen und sinnerfassendes Lesen verläßlich beherrschen.
+) Kulturelle und soziale Prozesse zur Anhebung des Arbeitsethos, denn a) wird etwas viel krank gefeiert und b) wird definitiv zu viel von eigenen Angestellten geklaut.
+) Zukunftsträchtige Verkehrskonzepte zur Stärkung der Rahmenbedingungen für Nahversorgung.
+) Verbesserung von „Marktbewußtsein“, denn es macht in unser aller Lebensstandard und für die Arbeitsplatzsituation einen eklatanten Unterschied, ob viel in der Region gekauft wird oder ob das meiste Geld die Region flugs verläßt.

Es gibt ein paar Bereiche, da läßt sich vor allem über soziokulturelle Aufgabenstellungen viel machen. Wenn ich bei meinen Einkäufen mit dem Gregor Mörath plaudere, dann weiß ich, daß er Lehrlinge braucht, die Rechnen und schreiben können und daß er bei einem weitreichenden Einsatz der Arbeitskräfte flexible Angestellte braucht, denn bei einem großen Team ist immer wer krank, immer wer auf Urlaub, immer wer was auch immer.

Wißbegier und ein emtotional stabiles Verhälnis zur Arbeit, die man macht, lassen sich nicht verordnen. Derlei muß in einem anregenden kulturellen Klima gedeiehen.

Oder der typische Konsumenten-Sündenfall. Ich laß mich vom Berndt Kurtz zeitintensiv beraten, fahr aber dann nach Seiersberg, um das Gerät um 50,- Euro billiger zu kaufen. Die Fahrtstrecke, der Zeitaufwand, das größere Risiko, wenigstens einen Parkschaden abzufangen, all das rechne ich nicht ein, weil ich nämlich von Betriebswirtschaft keinen Tau hab.

Falls dann die Kiste was hat, oder falls ich bloß überfordert bin, sie korrekt anzuschließen, fahr ich natürlich nicht noch einmal nach Seiersberg, weil ich weiß, das ist weit und sie würden dort in wieherndes Gelächter ausbrechen, wenn ich bitte: „Schauen Sie doch kurz bei mir vorbei.“ Da geh ich dann wieder zum Kurtz…

Ja, ja, ich weiß, Kinkerlitzchen. Die Politik soll nämlich gestalten, hat andere Aufgaben. Hat sie? Ich weiß, ich weiß, die Bürger sehnen sich nach „mehr Mitbestimmung“ und wollen keine „Hinterzimmerpolitik“ etc. etc. Wollen sie?

Ds hieße nämlich: Wißbegier. Lernen wollen. Wissen wollen. (Genau! Kulturelle Agenda.)

Rechtsfragen? Praktische Unterschiede zwischen Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft? Regelsysteme, Kammernsystem? Und dann erst, ooooh ja!, eine Königsdisziplin: die Sozialversicherungsanstalten; den Fiskus nicht zu vergessen.

Möge mir Maxi Haas einmal gute Ratschläge spenden; oder auch der eine oder andere Gefolgsmann der FPÖ. Ich bin Künstler EPU = Einpersonenunternehmen. Wir EPU machen über 60 von 100 Prozent der österreichischen Betriebe aus. Und wissen Sie, was unsere härteste Bürde ist?

Es ist das Sozialversicherungsgesetz in bestehender Form, von dem selbst SVA-Boss Peter McDonald öffentlich sagt, es sei für EPU extrem problematisch, aber er müsse leider bestehendes Recht exekutieren.

Wir lang wäre nun die Liste von Gleisdorfer Geschäftsleuten, die mir unterschreiben würden, daß die SVA in bestehende Form eine große Bürde ist? Zugegeben, das kann die Lokalpolitik nicht lösen.

Aber „Rückenwind für unsere regionalen Betriebe“ brauche ich selber dringend und kontinuierlich. Sie verstehen daher hoffentlich, daß mich als Selbstständiger, der ökonomisch von Quartal zu Quartal seine Qualitäten zur Wirkung bringen muß, weils sonst in den Graben geht, daß mich also sehr interessiert, ob in den wahlwerbednen Fraktionen witschaftliche Kompetenzen konkret vorhanden sind, oder ob mich wer mit Phrasendrescherei verschaukeln möchte.

+) Die Serie "Kultur kurios" [link]

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