Minus 4,7 Prozent
Weniger Arbeitslose mit Behinderung dank Kooperation der Chance B mit dem AMS

Sinkende Arbeitslosigkeit für menschen mit Behinderung in Gleisdorf: Geschäftsstellenleiter des AMS Gleisdorf, Gottfried Walter und die Chance B Geschäftsführerin Eva Skergeth-Lopič gaben dazu ein Partner-Interview.
  • Sinkende Arbeitslosigkeit für menschen mit Behinderung in Gleisdorf: Geschäftsstellenleiter des AMS Gleisdorf, Gottfried Walter und die Chance B Geschäftsführerin Eva Skergeth-Lopič gaben dazu ein Partner-Interview.
  • Foto: Chance B
  • hochgeladen von Ulrich Gutmann

Die Chance B ist 30 Jahre alt. Ein bedeutsamer Partner in dieser Zeit war und ist das Arbeitsmarktservice Steiermark mit seinen regionalen AMS-Geschäftsstellen in der Oststeiermark. Wir haben den Geschäftsstellenleiter des AMS Gleisdorf, Gottfried Walter und die Chance B Geschäftsführerin Eva Skergeth-Lopič zum Partner-Interview gebeten.

Herr Walter, wann hatten Sie das erste Mal mit der Chance B zu tun und wie haben Sie die Anfangsjahre erlebt?
Gottfried Walter: Das war gleich zu Beginn der Chance B in den 1980er Jahren. Das war eine Zeit der experimentellen/aktiven Arbeitsmarktpolitik mit guten Startbedingungen für viele Beschäftigungsprojekte, wie etwa sozialökonomische Betriebe oder Beratungs- und Betreuungseinrichtungen. Die „hellen Köpfe aus der Oststeiermark“ – wie uns der damalige Landesrat genannt hat, hatten besonders gute Ideen in unterschiedlichsten Beschäftigungsfeldern wie zum Beispiel in der Landwirtschaft „Gutes vom Bauernhof – die ländliche Beschäftigungsgesellschaft“ oder auch im Bereich der erneuerbaren Energie und auch der erste Betrieb der Chance B – der so genannte SÖB (kurz für Sozialökonomischer Betrieb) für benachteiligte Personengruppen am Arbeitsmarkt. Chance B Gründer Franz Wolfmayr ist auf uns zugekommen und hat mit Hilfe des AMS im September 1989 den ersten Arbeitstrainingskurs gestartet. So waren wir als AMS von der ersten Stunde an Partner - und heute ist die Chance B das größte Dienstleistungsunternehmen in der Oststeiermark und damit ein besonders bedeutender Arbeitgeber in der Region.

Wie war es damals möglich als Arbeitsmarktservice den SÖB zu realisieren?
Eva Skergeth-Lopič: Franz Wolfmayr hat mir erzählt, dass das AMS von Anfang an klargestellt hat, dass es nur mitwirken kann, wenn wir mit unserem Modell etwas dazu beitragen, dass Menschen in Arbeit kommen – und genau das tut das Chance B Modell. Das AMS war der erste unterstützende Partner, der auf unsere Ideen und Visionen eingegangen ist.
Gottfried Walter: Die Politik hat uns die Instrumente in Form von Regelungen und Förderprodukten in die Hand gegeben. Wir haben uns die Instrumente, die wir gebraucht haben, herausgenommen und in Umsetzung gebracht. Ich persönlich habe mich – und tu das auch heute noch – immer für die, die es schwerer haben im Leben eingesetzt und mich mit ihnen solidarisiert.

Herr Walter, wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit der Chance B aktuell und was sind die größten Herausforderungen?
Gottfried Walter: Die Zusammenarbeit läuft sehr gut. Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass die Chance B Arbeitsberatung die Nummer 1 in der Steiermark in Sachen Arbeitsvermittlung ist. Ein Grund dafür sind sicher unsere regelmäßigen Treffen, in denen wir gemeinsam versuchen jeweils individuelle Lösungen zu finden. Die Politik muss aber bereit sein Geld in die Hand zu nehmen, vor allem für Personengruppen, die sich schwer tun am Arbeitsmarkt, denn das was hier investiert wird kommt dreifach, vierfach wieder zurück, weil die Personen Steuern zahlen und die Kaufkraft in der Region bleibt.

Im November waren österreichweit fast 13.000 Menschen mit Behinderung arbeitslos gemeldet – ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Ausnahme ist Gleisdorf. Hier die die Arbeitslosigkeit bei dieser Personengruppe auffallend niedrig. Woran liegt das?
Gottfried Walter: Das ist richtig. In Gleisdorf haben wir seit April Vollbeschäftigung. Auch bei Menschen mit Behinderung sinkt die Arbeitslosigkeit. Heuer konnten in Gleisdorf fast 70 Menschen mit Behinderung vermittelt werden. Gerade hier möchte ich die Zusammenarbeit mit der Chance B hervorheben, denn wir können Dank der Chance B nicht nur Arbeitskräfte vermitteln, sondern den Betrieben auch Expertinnen und Experten, wie die Chance B Arbeitsassistenz empfehlen. Die
Chance B hat in der Region einen sehr guten Ruf.
Eva Skergeth-Lopič: Wir wollen uns in Zukunft stark dafür einsetzen, dass Gleisdorf diesen ersten Platz hält. Besonders wichtig ist mir, dass wir auch den Wenigen, die noch nicht in Arbeit sind, auch eine Chance geben. Dafür brauchen wir die AMS-Förderschienen und die gute Zusammenarbeit auch mit den Verantwortlichen in den Unternehmen in der Region.

Was muss getan werden, damit die Arbeitslosigkeit von vermeintlich arbeitsmarktfernen Personen im Bezirk vergleichsweise niedrig bleibt?
Eva Skergeth-Lopič: 30 Jahre Chance B ist auch 20 Jahre Hausmasters. Aus dem Pionierprojekt von damals hat sich ein Dienstleistungsunternehmen in Gleisdorf etabliert, das Arbeitsplätze für eine Personengruppe schafft, die eine förderliche Unternehmensstruktur brauchen, um verlässlich in Arbeit bleiben zu können. Für uns ist wichtig, dass hier jeder einzelne Job gehalten wird. Für das AMS sind wir mit dieser Firma ein interessanter Praktikumsplatz, aus dem immer wieder ein Dauerarbeitsplatz begründet wird.
Und generell möchte ich betonen: die Chance B ist ein regionales Unternehmen, dass hier sein und bleiben will. Wir bieten eine Vielfalt an Arbeitsplätzen in unterschiedlichen Fachgebieten – und das für Frauen und Männer gleichermaßen. Solche Unternehmen wie wir sorgen für eine lebendige Region!
Gottfried Walter: Wir sind immer wieder abhängig vom Budget, das uns zur Verfügung steht. Eines kann ich aber schon sagen, wir werden weiterhin stark in den Bereich von vermeintlich arbeitsmarktfernen Personen investieren, damit wir das, was wir mit unseren Partnern wie der Chance B in den letzten Jahren erarbeitet haben, halten können. Für das kommende Jahr wurde das Budget bestätigt, damit können wir und unsere Partner gut in das Jahr 2020 starten.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre Partnerschaft Chance B-AMS?
Eva Skergeth-Lopič: Ich wünsche mir, dass in Zukunft die Zusammenarbeit so gut weitergeführt wird. Und dass das AMS-Team in den Unternehmen in der Region, die Arbeitskräfte suchen, für uns weiterhin Türen öffnet und unsere Kompetenz mit ins Spiel bringt.
Gottfried Walter: Auch ich wünsche mir, dass die Partnerschaft so florierend bleibt, damit wir weiterhin Lösungen für benachteiligte Personengruppen finden und auch für gut qualifizierte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen Arbeitsplätze in der Region zur Verfügung stellen können. Wichtig ist mir, dass wir die Vision „Menschen in Arbeit bringen, die es von sich aus nicht schaffen“ gemeinsam weiterleben und konsequent umsetzen.

Autor:

Ulrich Gutmann aus Weiz

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