22.11.2017, 16:32 Uhr

„Lebendige Bücherei“ in Gleisdorf - Wenn Menschen zu Büchern werden

"Hat auch Aschenputtel ein Recht auf Bildung?" war das Diskussionsthema des Abends in Gleisdorf. (Foto: Stadtgemeinde Gleisdorf)

In der sogenannten „Lebendigen Bücherei“ kann man sich Menschen für persönliche Gespräche ausleihen, die aus ihrem Lebens- und Berufsalltag berichten. Die Stadtbücherei lud in Kooperation mit dem Kulturpakt Gleisdorf, bereits zum dritten Mal zu diesem spannenden Veranstaltungsformat ins Literaturcafé.

Das Thema des Diskussionsabends lautete „Hat auch Aschenputtel ein Recht auf Bildung?“. Als „lebendige Bücher“ konnten Martina Karner (Direktorin Volksschule Gleisdorf), Michael Longhino (Chance B), Kerstin Fuchs (Institut für Familienförderung) und Eva Bernat (Landeskoordinatorin für Inklusion) begrüßt werden.

Einleitend gab Büchereileiterin Birgit Ferstl ein paar Zahlen & Fakten zur Bildungsstatistik wieder: In Österreich ist die Bildungsvererbung nach wie vor relativ hoch. Der Einfluss des Elternhauses auf die Bildung der Kinder ist unbestritten. Je höher der Bildungsabschluss der Eltern, umso höher ist im Durchschnitt auch der ihrer Kinder. Im Gegensatz zu Österreich zeichnen sich vor allem die nordischen Schulsysteme durch ein gemeinsames Verständnis darüber aus, was Bildung für den Einzelnen und für die Gesellschaft ist. Gleiche Bildungschancen für alle gelten als Fundament für Demokratie und gesellschaftliche Entwicklung. In Zukunft werden vor allem Fähigkeiten gefragt sein, die unser oft starres Schulsystem wenig bis gar nicht fördert: Problemlösungs-, Kommunikations- und soziale Kompetenzen sowie Kreativität.

In den Gesprächen zwischen „Lesenden“ und „Büchern“ zeichnete sich immer wieder eine Meinung ab, nämlich dass große Veränderungen im Bildungssystem eher durch gesellschaftliche Entwicklungen ausgelöst werden als durch Gesetze. Eine „Wende“ muss daher vor allem von Schülern und Eltern herbeigeführt werden. Ein Anspruch des Bildungswesens muss es sein, auf die unterschiedlichen Startchancen im Elternhaus Rücksicht zu nehmen, um den Schüler einen Bildungsaufstieg zu ermöglichen. Viele Studien zeigen, dass die frühkindliche Bildung einen wesentlichen Einfluss auf die späteren Bildungsperspektiven des Kindes hat. Es geht vor allem darum, den Wert von Bildung per se zu erkennen und nicht in erster Linie um das Erzielen möglichst hoher Akademikerquoten. Bildung ist kulturelles Kapital und eine zentrale Ressource für Lebenschancen!
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