24.09.2014, 15:34 Uhr

Definitiv ein Jahrhundertereignis

Kapellmeister Siegfried Teller (links) und Moderator Harry Prünster

Vor hundert Jahren starb der Handwerker und Fabrikant Johann Puch. Es war das Jahr 1914, in dem die Schüsse von Sarajevo den Habsburgern einen willkommenen Anlaß boten, Serbien den Krieg zu erklären, da sie sich den Balkan als Kolonie einverleiben wollten.


Da ahnte noch niemand, daß daraus ein Europa tief traumatisierender Weltkrieg erwachsen würde. In diesem Großen Krieg erwiesen sich die in Graz stationierten „Zweier-Bosniaken“ als die härteste Truppe des Kaisers. Keine Einheit wurde höher dekoriert.

Das bosnisch-herzegowinische Infanterieregiment Nr. 2 hatte eine Militärkapelle, die von Eduard Wagnes geleitet wurde. Wagnes datierte die Notenblätter zu seinem „Puch-Marsch“ mit dem 28. Mai 1900. Das war wenige Wochen nachdem Puch sein erstes Automobil, eine zarte Voiturette, am Grazer Schloßberg hatte erproben lassen.

Da die Habsburger ihr Imperium in Blut versenkten, geriet vieles aus jenen Tagen in Vergessenheit. So auch die serbischen, kroatischen und muslimischen Soldaten jenes Grazer Regiments und der Puch-Marsch von Wagnes.

Von den über zwölfhundert Soldaten, die in Lebring, südlich von Graz, ihre letzte Ruhestätte fanden, sind rund 800 Bosniaken. Wer zu nationalistischer Einfalt neigt, sollte diesen Boden einmal betreten, um sich einen Eindruck zu verschaffen, wie hoch der Blutzoll einfacher Leute stets ist, wenn bevorzugte Eliten einander Territorien und Ressourcen streitig machen.

Solchen Zusammenhängen widmet sich das derzeit noch in Gleisdorf laufende Kunstsymposion „The Track: Axiom * 2014“ nach einem nun dreijährigen Dialog österreichischer, bosnischer und serbischer Kulturschaffender.

Diese Arbeits- und Ereignislinie der Vereine „kultur.at“ und „Kunst Ost“ hat eine Querverbindung zur Mobilitätsgeschichte, wo gerade „Die Ehre des Handwerks“ thematisiert wird. Das führte zur erstmaligen Realisierung von „Mythos Puch“ in einer temporären „Geschichtsgasse“ von Gleisdorf.

Dieses Treffen von Fans, Schraubern und Sammlern in unmittelbarer Nachbarschaft zur heurigen „Auto Novo“ lockte reichlich Publikum an. Dabei waren nicht nur historische Fahrzeuge zu sehen, das älteste aus dem Jahr 1914, es kam auch zu einer Wiederaufführung des Puch-Marsches von Wagnes.

Der TIP Tourismusverband Gleisdorf hatte Bemühungen des „Kuratorium für triviale Mythen“ (Kunst Ost) aufgegriffen und die Stadtkapelle Gleisdorf unterstützt, den Marsch für die heutige Zeit zu arrangieren, einzuüben und aufzuführen.

Eine eigene Arbeitseinheit des „Kuratorium für triviale Mythen“ mit dem Johann Puch Museum Graz und mit dem „Blogmobil“ führte nun dazu, daß alle, die nicht dabei sein konnten, derzeit über ein Video sehen können, was sich da ereignet hat.

Dabei erwies sich auch die LEADER-Projektsituation der Energieregion Weiz-Gleisdorf als hilfreich, denn der Aufwand für die Summe lokaler Attraktionen eines solchen Tages ist erheblich.

+) Das VIDEO mit dem Puch-Marsch [link]
+) Mythos Puch: Die Dokumentation [link]
+) Das Kunstsymposion [link]
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