07.09.2016, 15:27 Uhr

Ein Hauch von Schicksal im Bezirk Weiz

(Foto: Franziska Kaltenegger)
St. Margarethen an der Raab: St. Margarethen an der Raab |

Taschentücher gibt es viele, aber nur eines, das diese Geschichte erzählt.

Die Arztfamilie Crillovich aus Gleisdorf suchte im Kriegsjahr 1945 Unterschlupf in Fladnitz an der Teichalm bei einer Bauernfamilie. Als sie weiterzog, blieb nur ein Taschentuch mit bestickten Initialen als Erinnerung zurück. Jetzt trafen sich die Kinder auf der Teichalm wieder.
Damals genossen die Kinder der Familie Crillovich das Leben am Bauernhof. "Der kleine Gerd aus der Flüchtlingsfamilie, damals gerade ein Volksschulkind, pflegte jeden Morgen sehr verschmitzt zu meiner Großmutter zu sagen: 'Frau Trattner, hab'n Sie bitte noch an Sterz?'", erzählt Franziska Kaltenegger. Bis Kriegsende blieb die Familie, danach zog sie weiter. "Die Erinnerungen und Erlebnisse, wie die russische Besatzung, haben sich tief in den Menschen verankert", erzählt Franziska Kaltenegger, die Tochter von Franziska Wagner (geborene Trattner).

Das Schicksal schläft nie

In Gleisdorf trafen sich zufällig Franziska Kaltenegger und Johanna Crillovich beim Middle Eastern Woman Dance. So wie es der Zufall will, erzählte Kaltenegger ihrer Mutter Franziska Wagner von der rüstigen Seniorin. „Ja, du meine Güte, Johanna ist sicherlich aus der Familie Crillovich, die bei uns im Jahre 1945 Zuflucht gefunden hat. Ich hab noch immer ein schön gebügeltes Taschentuch der Familie Crillovich bei mir", sagte Franziska Wagner. Frau Kaltenegger war so gerührt und beschloss, ein Treffen zu organisieren.

Das große Treffen

Ganze 71 Jahre nach Kriegsende trafen sich Helga Orel (geb. Crillovich), Johanna Crillovich, die Witwe von Dr. Robert Crillovich, sowie Franziska Wagner (geb. Trattner) und ihre Tochter Franziska Kaltenegger auf der Teichalm. Fast feierlich wurde das Taschentuch übergeben und geplaudert. "Bei unserem Zusammentreffen auf der Teichalm sagte Helga Crillovich, die Schwester vom kleinen Gerd Crillovich, dass ihnen der Aufenthalt am Bauernhof 'sehr viel Heimat' gegeben hat und sie in dieser Zeit die belastenden Ereignisse und Umstände der Kriegszeit ganz vergessen konnten", erzählte Kaltenegger.
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Harald Schober aus Weiz | 08.09.2016 | 17:12   Melden
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