13.11.2016, 18:08 Uhr

Kunstgespräch im Hannes Schwarz Zentrum

Zu einem ebenso informativen und interessanten wie persönlichen Gespräch mit Galerist Thomas Mark lud kürzlich der Weizer Künstler und Kunstlehrer Hubert Brandstätter.

Im Hannes Schwarz Zentrum in der Weizer Eduard Richtergasse philosophierte Brandstätter mit dem Wiener Galeristen Thomas Mark zum Thema "Wa(h)re Kunst".
"Wer wäre kompetenter, darüber zu sprechen, als jemand, der mit Kunst sein Geld macht", so Brandstätter einleitend.
"Der Kunsthandel im Sinne von Produktion ist noch nicht alt", sagt Thomas Mark. Früher einmal sei es für einen Künstler das Höchste gewesen, in ein Museum zu kommen. Als ebenso berühmtes wie tragisches Beispiel führt Mark Van Gogh an, der, heute weltberühmt und bis Preisen bis zu 80 Mio. Euro gehandelt, zu Lebezeiten lediglich ein einziges Bild verkaufte, und eben dieses nur an seinen eigenen Bruder. Heute seien Künstler einerseits zwar selbstbewusster, andererseits täten Wirtschaftsleute aber oft so, als würden sie aufgrund von finanzieller Macht auch die Kunstwelt gestalten können. Und so sei ein Kunstwerk heute oft nicht mehr Frucht von Kreativität, sondern Ergebnis der Vorgabe eines Marktes.

Theoretiker bestimmen.

Hubert Brandstätter erläutert: "Ende des 19. Jahrhunderts hat es begonnen, dass anstatt eines einheitlichen Stils verschiedene Ismen aufgekommen sind." Impressionismus, Expressionismus, Kubismus und Co. Dadurch seien Schwierigkeiten in der Kommunikation mit angesichts der unterschiedlichen Stile überforderten Menschen entstanden. "Und da sind die Theoretiker gekommen", führt der Leiter der Kunstschule "KO" aus. Nicht mehr der Künstler selbst habe fortan bestimmt, was sein Werk wert ist, sondern die Theoretiker. Und diese Theoretiker, die als Kuratoren freilich gute Ideen haben müssten, ihre Künstler zu verkaufen, gäbe es wie Sand am Meer, sind sich die beiden Sachverständigen einig.

Was ist ein Gemälde wert?
"In Notzeiten wahrscheinlich nicht einmal einen Sack Erdäpfel", beantwortet Hubert Brandstätter diese Frage ebenso provokant wie wahrheitsgemäß. Noch abstrakter als die Bilder selbst seien deshalb ihre Preise. "Künstler können ihren eigenen Wert oft selbst sehr gut einschätzen", ist Galerist Thomas Mark überzeugt. Und als Argument dafür, dass der Kunstmarkt oft nicht nur für Laien, sondern in zunehmendem Maße auch für Kunstschaffende unüberschaubar werde, nennt Mark den deutschen Maler Gerhard Richter, der das Geschäft mit der Kunst dereinst als Löwengrube bezeichnete.

Wie erkenne ich gute Kunst?
"Das Erkennen von guter, echter Kunst kann ich nicht von heute auf morgen lernen", so Thomas Mark. "Qualität erkenne ich durch jahrelangen Umgang mit Kunst!" Hier seien Museen zu besuchen, Ausstellungen, Vernissagen, Künstlerateliers, hier seien Bücher zu lesen, Kataloge und Biographien. Zwei wesentliche Punkte in der Beurteilung seien für Mark das Beherrschen von Handwerk und das Malen aus dem Bauch heraus: "Viele Künstler schaffen nicht, weil sie wollen, sondern weil sie müssen!" Thomas Mark, den es, wie am Abend mehrmals betont wird, auf der Ebene des Kunsthandels nur gemeinsam mit seiner Frau Maria gäbe, komme immer wieder gerne nach Weiz. Dereinst hat ihn eine Freundschaft mit dem großen Maler Hannes Schwarz verbunden, seit längerer Zeit zudem ein enger Kontakt mit Künstler Walter Köstenbauer.

Hubert Brandstätter vereint die Intension und den Veranstaltungsort des Kunstgesprächs: "Für Hannes Schwarz war Kunst ein Überlebensmittel. Ein Mittel, um existieren zu können. Aber nicht finanziell! Er hat nicht einmal daran gedacht, damit irgendwann Geld zu machen."
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