09.09.2017, 13:29 Uhr

Paketblockade

Wenn alles klappt, sollte sich der Schacht öffnen, damit man sein Paket los wird.
Unser Postamt ist samstags nicht mehr besetzt. Aber immerhin haben wir noch eines. Mehr noch, es wurde vor einer Weile mit einer Automatenstation ausgestattet. Dieser Winkel ist rund um die Uhr zugänglich. Dort kann ich also jederzeit Pakete abholen oder abschicken. Prinzipiell.

Ich hatte heute eine Rolle mit 50 Posters [link] zum Jubiläum des Puch-Schammerls geschultert. Das Bündel ist einen Hauch schwerer als man annehmen möchte. Der Weg zum Automatenwinkel führt über den eben neu eröffneten Busbahnhof von Gleisdorf, das läßt sich also nett an. Alles so zeitgemäß!

Ich sah am Automaten in Ruhe die Portoliste durch, denn die üppige 60 Zentimeter-Rolle, von der ein Abdruck auf meiner Schulter blieb, sollte den passenden Aufkleber bekommen, um verläßlich beim Empfänger zu landen.

Währenddessen kam ein Vater-Sohn-Gespann daher, um drei Pakete von einem Modeversand anzuschleppen. Retourware, wie ich annehmen darf. Der Mann gebot dem kleinen Buben, sich hinter mir anzustellen, aber ich schickte die beiden vor, denn ich brauchte noch Zeit, alles möglichst richtig zu machen.

Der Ticketautomat haut einen Aufkleber mit Strichcode und mit Zahlungsbeleg heraus, falls man die Scheckkarte korrekt angemeldet und mit der richtigen Seite voran eingeschoben hat. Strichcode auf die Rolle geklebt, rechts an den Schacht, den Startknopf drücken, das Display zeigt die Aufforderung, man möge den Code vor den Scanner halten. Das sollte die Schlußphase des nötigen Prozesses triggern.

Ich hab es mehrmals versucht, ohne daß der Schacht sich geöffnet hätte, auf daß ich mein Paket loswürde. Der Anruf bei einer Helpline der Post brachte mir eine nette Unterhaltung ein, freilich auch fast einen Gehörschaden, denn die Pausenmusik, von der man begrüßt wird, ist weitaus zu laut eingestellt.

Mein Gegenüber im Callcenter führte mich zur Annahme, daß wohl nun kein Platz mehr im Depot sei, in der Kammer hinter dem Automaten, weshalb sich der Einschubvorgang nicht auslösen ließ. (Vater und Sohn mit den drei Mode-Paketen!)

„Warum zeigt die Maschine das am Display nicht an? Das hätte mir unsinniges Herumprobieren erspart.“ Der Mann ließ mich wissen, es seien bei der Anlage wohl einige Module noch nicht berücksichtigt worden. Damit wird offenkundig, daß wir in der aktuellen Mensch-Maschinen-Koexistenz noch ein wenig müde aufgestellt sind.

Ich hab vor über einem Jahr, nämlich im März 2016, hier ein Geschichtchen [link] über diese Novität publiziert, da war die Anlage wohl schon eine Weile in Betrieb. So zeigt sich, daß wir langsam etwas in Fahrt kommen sollten, um unseren Umgang mit diesen neuen Systemen zu ordnen, was auch immer da noch der Adaption bedarf, die menschliche Seite oder die der Maschine.

Diese Paket-Angelegenheit ist ja eine Lappalie gemessen daran, was die Vierte Industrielle Revolution grade so um uns herum einrichtet und folglich anrichtet, falls wir uns dem nicht gewachsen zeigen. Das zählt übrigens zu den Themen, die uns in der regionalen Wissens- und Kulturarbeit beschäftigen.

+) Das Kunstsymposion: „Koexistenz 2017, Artist is Obsolete“
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