23.11.2016, 08:16 Uhr

Genussregionen: Bürokratie schafft regionalen Unmut

Vertreter der Genussregionen machten im Rahmen einer Pressekonferenz im Gasthof Thaller in Anger auf ihre ungewisse Zukunft aufmerksam.

Schlimme Befürchtungen: Die "GenussRegionen" luden in ganz Österreich zur Pressekonferenz.

"Weizer Berglamm & Schaf", "Oststeirischer Apfel", "Pöllauer Hirschbirne g.U." und das "Südoststeirische Woazschwein" sind vier lokale Mitglieder aus der Oststeiermark der "GenussRegion Österreich". In den letzten zehn Jahren haben sich zahlreiche kleine Betriebe mit viel Engagement und Herzblut anspruchsvolle Qualität erarbeitet. Eine Marke, die nicht für ein Massenprodukt, sondern für echte Regionalität steht. Die Bauern können dadurch wieder von dem leben, was sie herstellen.
"GenussRegion", mit österreichweiten 116 Garanten für Qualität, steht nun auf wackeligen Beinen – den Grund lieferte das Landeswirtschaftsministerium. Minister Andrä Rupprechter bündelt die Kulinarik-Initiativen im Land und will so Doppelgleisigkeiten bei Förderungen vermeiden. "Netzwerk Kulinarik" nennt sich dieser neue Verband, der nun die österreichischen Genussmarken ordnen soll.

Bangen um die Marke

Die österreichweit zur gleichen Zeit stattfindende Pressekonferenz hatte einen Hauptgrund: die Sorge, wieder von Null beginnen zu müssen. Die "GenussRegion" befürchtet durch aufgezwungene Richtlinien Arbeitsplätze, Markennamen, Werbemittel und den Ertrag der jahrelangen ehrenamtlichen Arbeit zu verlieren.
Thomas Schaffer (Essigmanufaktur Oswald/Schaffer) aus Koglhof sieht dies sehr kritisch: "Wir wollen keine neue Handelsmarke werden! Ich kann und will als echte Manufaktur, als Familienbetrieb, nicht so viel produzieren." Auch Eva Luckerbauer (GF Tourismus Oststeiermark) sieht die Entwicklung mit Sorge: "Unsere Besucher schätzen die authentische regionale Vielfalt, zahlreiche Projekte laufen in Zusammenarbeit mit den GenussRegionen."
Die organisatorische Änderung an sich ist nicht das Problem, allerdings haben die Bauern große Sorge, dass in Zukunft nicht mehr die Interessen der Bauern, sondern die von großen Handelskonzernen im Vordergrund stehen. "Wir haben einfach Angst, dass unsere jahrelange Aufbauarbeit, in die wir viel Herzblut gesteckt haben, plötzlich nichts mehr wert ist", sagt die Naaser Schafbäuerin Karina Neuhold.
Die Bundesobfrau der "GenussRegionen", Margareta Reichsthaler, ahnt sogar, dass sich der neue Über-Verband nun in die Politik und den Handel in den Regionen einmischt und Förderungen abgräbt.

Petition

Eine Petition wurde ins Leben gerufen, unter der die Bevölkerung den GenussRegionen den Rücken stärken kann: www.openpetition.eu/at/petition/online/genuss-region-oesterreich-regionale-dynamik-statt-zentrale-buerokratie.
Am 2. Dezember ist eine weitere Verhandlungsrunde geplant.
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