Männertag: Ein Indianer kennt keinen Schmerz, oder?

WELS (ah). Am 3. November ist Weltmännertag. Michael Gorbatschow führte diesen Aktionstag im Jahr 2000 ein, um das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich zu erweitern. Unterstützt wurde er dabei von Andrologen – Fachärzten für Männer – der Universität Wien. Denn die Lebenserwartung der Männer liegt im Durschnitt sieben Jahre unter dem der Frauen. Am 3. November sollen deshalb vor allem rechtzeitige Gesundheitsvorsorge und die realistische Einschätzung der eigenen gesundheitlichen Verfassung und Risiken im Vordergrund. Das ist auch in Zeiten von jährlichen kostenfreien Gesundheitsvorsorge-Angeboten aktuell. Viel zu oft scheint das alte Sprichwort „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ noch Gültigkeit zu haben. „Männer sind zwar meist sehr körperbewusst, trainieren viel und achten auf ihre Fitness. Aber sie gehen meist viel später zum Arzt als Frauen, erst wenn der Leidensdruck hoch ist und lange andauert“, weiß Susa Haberfellner, Dipl. Sexual- und Lebensberaterin und Dipl. Sexualpädagogin mit eigener Praxis in Wels. Studien hätten ergeben, dass Männer im Durchschnitt 4,5 Jahre warten würden, bis sie bei Problemen professionelle Hilfe annehmen würden Der Expertin ist durch ihrer Arbeit mit männlichen Problemen unterschiedlichster Art konfrontiert: Sie reichen von emotionalen Konflikten wie Unsicherheit in Beziehungen oder Stress bis hin zu Lustlosigkeit oder Erektionsstörungen. Vor allem zwischen 40 und 50 Jahren, wenn der Testosteronspiegel immer weiter fällt und die männlichen Wechseljahre, die „Andro-Pause“, beginnen, fühlen sich viele Männer nicht mehr wohl in ihrer Haut. „Sie fühlen sich müde und gereizt, es funktioniert alles nicht mehr so wie früher“, erklärt Haberfellner. Die Männer von heute haben es tatsächlich nicht leicht. „Sie sollen einerseits ihren Mann stehen und stark sein, andererseits aber liebevoll, kuschelig und verständnisvoll, ein guter Papa für die Kinder, ein perfekter Partner und auch in der Arbeit immer on top und stressresistent sein“, betont sie. Unsere Leistungsgesellschaft verstärke das noch. Schwäche zeigen? Nein, sagen die Machos. Ja doch, entgegnen die Softies. Von dieser Zerrissenheit sang schon Herbert Grönemeyer in seinem Hit „Wann ist ein Mann ein Mann?“. „Männer führen Kriege, Männer sind schon als Baby blau“, - so der Text. Doch auch sein Eingeständnis: „Männer weinen heimlich, Männer brauchen viel Zärtlichkeit.“ Das sogenannte starke Geschlecht scheint auf der Suche nach einem neuen Rollenbild zu sein – der Männertag ist da vielleicht eine gute Gelegenheit den Blick fürs Wesentliche zu schärfen

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