Interview mit Barbara Wimmer
"Die Bequemlichkeit hat ihren Preis"

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WELS & WELS-LAND. Barbara Wimmer ist Journalistin bei futurezone.at und beschäftigt sich vorwiegend mit Themen wie Netzpolitik, Datenschutz, IT-Security, neue Technologien und Social Media. Außerdem lebt sie ihre Liebe zu elektronischer Musik als DJane und Produzentin unter dem Künstlernamen shroombab, macht sich für den Feminismus stark und schreibt Krimiromane. Ihr neuestes Buch "Smart lies – alles smart?", indem sich 12 Autorinnen und Autoren literarisch mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen, ist soeben erschienen. Und – Barbara Wimmer ist gebürtige Thalheimerin.

Sie sind in Wels aufgewachsen soweit ich weiß, hat Sie das beeinflusst? Bzw. welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Wimmer: In Thalheim gelebt, in Wels zur Schule gegangen. Ich war schon als Jugendliche eine Bücher- und Leseratte, war Stammkundin bei Joh.Haas und habe meine Texte mit Gleichgesinnten in einer Welser Literaturzeitschrift veröffentlicht. Die Kulturszene war damals sehr lebendig und es war auch als Jugendliche gut möglich, daran aktiv teilzunehmen.

Wie wird man „Technologie-Redakteurin“?
Schreiben und Technik sind für mich die zwei selbstverständlichsten Dinge im Leben. Als ich 1998 zu studieren begonnen habe, gab es bereits E-Mails und das Internet. Das wurde beim Studium der Kommunikationswissenschaft zu meinem Schwerpunkt. Zudem habe ich als Musik-Produzentin und DJ auch in meiner Freizeit mit großer Freude Musik-Maschinen bedient.

Netzpolitik, Krimiliteratur, Feminismus und elektronische Musik - wie lässt sich das alles verbinden bzw. welche Parallelen sehen Sie da?
All diesen Aktivitäten gemein ist, dass es wenig aktive Frauen gibt. Das soll sich ändern, weil sich die Gesellschaft nur durch Vielfalt weiterentwickeln kann. Das gilt auch für technologische Entwicklungen. Algorithmen beispielsweise können nur dann vorurteilsfrei werden, wenn auch Frauen bei der Programmierung miteinbezogen werden. In sogenannten „Hackerspaces“ herrscht die Mentalität, dass jeder alles kann, wenn er/sie es nur versucht. Diese Ansicht teile und unterstütze ich.

Sie hielten schon mehrmals die Laudatio bei den Big Brother Awards, sitzen außerdem in der Jury. Wie stehen Sie zu Thema Datenschutz und Privatssphäre im Netz?
Bei den Big Brother Awards werden jährlich die größten Sünder im Datenschutzbereich ausgezeichnet – und es ist immer wieder eine extrem schwierige Jury-Entscheidung. Bei Facebook oder Amazon gehören Datenschutzverletzungen zum Geschäftsmodell. Gerade gegen Internet-Monopole ist es oft besonders schwierig, sich zu Wehr zu setzen. Umso wichtiger ist es, dass an privatsphärefreundlichen Alternativen (wie Mastodon oder DuckDuckGo) gearbeitet wird.

Wie ist ihr Buch, das ja aus mehreren Geschichten verschiedener Autorinnen und Autoren besteht, entstanden?

Ich bin bei meiner journalistischen Arbeit täglich mit derartigen Geschichten rund um vermeintlich smarte Geräte konfrontiert, die nicht so funktionieren, wie sie es sollten. Eines Tages saß ich mit meinem Co-Herausgeber und Verleger Günther Friesinger beim Kaffee und wir hatten die Idee geboren, daraus ein Buch zu machen. Entstanden ist „Smart Lies – alles smart?“, bei dem Schreibkollegen aus einem Writers Retreat in Piran genauso begeistert mitgeschrieben haben wie eine Aktivistin und Autorin aus dem Chaos Computer Club.

Mich erinnert die Beschreibung des Buchs an die Serie Black Mirror. Utopien der Technik-Mensch-Beziehung – ist das ein Thema, das den Nerv der Zeit trifft?
In einer Zeit, in der uns von Prospekten „smarte Weihnachten“ entgegengerufen wird und es eine allgemeine Technik-Freundlichkeit gibt, muss man als Autorin diesem Trend etwas entgegensetzen. Die meisten Geschichten in „Smart Lies“ sind nicht ganz so dystopisch wie bei Black Mirror, stoßen aber in eine ähnliche Richtung vor. Wenn wir mit der Vernetzung nicht aufpassen, steuert unsere Gesellschaft auf derartige Szenarien zu und die Realität holt so manche Fiktion ein!

Welche Geschichte sorgte für die meisten Kontroversen, kann man das sagen? Oder rief die meisten Reaktionen hervor?
Es ist für jeden etwas dabei: Thriller- und Krimi-Elemente bis zur Techno-Love-Story. Geschichten, die von vernetzten Vibratoren bis zu spionierenden Staubsaugrobotern oder Menschen, die als smarter Kühlschrank wiedergeboren werden, reichen. Gute Unterhaltung, die einen auch zum Nachdenken anregt.

...und was Sie sonst noch sagen möchten, bzw. unbedingt erwähnt haben wollen.
Nach der Lektüre des Buches sollten Sie wissen: Es mag bequem sein, mit einer App das Licht im Wohnzimmer zu dimmen, mit einem Button Klopapier bei Amazon nachzubestellen, oder sich von Alexa den Wetterbericht vorlesen zu lassen. Doch die Bequemlichkeit hat ihren Preis.

Buchtipp: Smarte Lügen der Digitalisierung

12 Autoren haben sich mit dem Thema Digitalisierung und dem Wahn, alles zu vernetzen, beschäftigt und dabei vermischen sich nicht selten Fiktion und Realität. Smarte Geräte sind oft gar nicht so intelligent, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Oft sind sie auch einfach kleine Spionagegeräte. Manche der Geschichten in der Buch-Anthologie führen uns vor Augen, wie wir Menschen die Herrschaft über unsere eigenen Entscheidungen abgeben. Verlag edition mono, 144 Seiten, 15 €

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