Urlaub im OP-Saal

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Herr und Frau Oberösterreichers liebste Urlaubsdestinationen sind Italien, Kroatien und Griechenland, aber auch Entspannen in der Heimat ist wieder „in“. Hingegen zieht es Dr. Ernst Orthner und seine Ordinations-Assistentin Veronika Gattermayr im Urlaub gleich zwei Mal im Jahr nach Indien. Allerdings nicht um zu Urlauben, sondern um Kinderfüße – von Fehlstellungen über Klumpfüße bis hin zu neurologischen Problemen – zu operieren. Die Beiden engagieren sich seit 2007 für eine humanitäre Initiative namens „ISHWAR“, die auch vom indischen Großindustriellen Surinder Metha unterstützt wird. Vor drei Jahren wurde dann von den Beiden in Buchkirchen der Verein „Kinderfüße brauchen Hilfe“ gegründet um die finanziellen Mittel für diese Reisen „auf die Beine“ zu stellen.
Die erste Mission 2013 führt das österreichische Ärzteteam, dem auch Dr. Dirk Thümmler angehört, von 15. bis 30. August in die indischen Bundesstaaten Kashmir und Maharashtra, in die Städte Leh und Pune. „Wir wissen nie, welchen hygienischen Standard das Haus hat oder welche Instrumente zur Verfügung stehen. Rostige OP-Bestecke, Baumarkt-Bohrmaschinen, rotglühende Elektrostrahler als einzige Heizung oder löchrige OP-Kleidung sind keine Seltenheit“, erzählt Orthner über die Herausforderungen und ergänzt: „Es sind die Kinder der Ärmsten der Armen, die wir dort natürlich gratis operieren und denen wir helfen wollen!“
Das Procedere ist bei jeder Reise gleich: Am Ankunftstag werden die bereits von der indischen Partnerorganisation vor ausgewählten Kinder untersucht und sofort mit den OP´s begonnen. Am Tag zwei wird durch operiert, am dritten dann die Verbände gewechselt, die Kinder entlassen und danach in die nächste Stadt gefahren. Die Nachbetreuung wird von „ISHWAR“ durchgeführt, die Kinder sind somit bis zum Abschluss der Behandlung kompetent versorgt. In 10 Tagen werden etwa 24 Kinderfüße operiert, im Durchschnitt werden pro Mission etwa 100 Kinder von Dr. Orthner operiert.

Da der Klub keinerlei Veraltungskosten hat, kommt jeder gespendete Cent den Kindern zu Gute. Für umgerechnet 110 Euro kann somit einem Kind geholfen werden, bisher wurden bereits knapp über 1000 Kinder betreut. „Unserem Team wird einzig der Economyflug sowie Kost und Logis vor Ort bezahlt, ansonsten stellen wir uns gratis in den Dienst der guten Sache“, erklärt Orthner.
Dankesbriefe und freudige Mails über Fortschritte nach einer OP freuen das Team des Vereins „Kinderfüße brauchen Hilfe“. Kassirin und Vereinsmitgründerin Veronika Gattermayer erzählt: „Bei der Reise im Sommer 2012 kam ein Bub auf allen Vieren, mit einer massiven Wirbelsäulenproblematik und verkrüppelten Füßen zur Untersuchung. Unser Ärzteteam operierte beide Beine gleichzeitig. 10 Monate später machte Ali Munawar mit geschienten Beinen die ersten Schritte, ein Jahr nach der Operation kann er bereits die Schule besuchen. Das ist schön. Das ist der Lohn für unsere Arbeit!“

Zur Person:
Ernst Orthner war 15 Jahre Primarius in der Abteilung Unfallchirurgie im Klinikum Wels. Seine von ihm entwickelte dreiteilige Sprunggelenks-Prothese wurde 2011 vom österreichischen Patentamt prämiert. Heute betreibt er seine Privatordination in Wels und ist seit 2011 Leiter des Fußzentrums in der Privatklinik Maria Hilf in Klagenfurt.

Zur Sache:
In Indien leben etwa 1,2 Milliarden Menschen. Im medizinischen Bereich kommen auf 1000 Einwohner statistisch gesehen 0,6 Krankenhausbetten. Das würde umgerechnet auf die Stadt Wels mit ihren 60.000 Einwohnern 36 Betten bedeuten. Allein im Klinikum Wels stehen den Patienten 1007 Betten zur Verfügung.

Helfen Sie mit:
Verein „Kinderfüße brauchen Hilfe“.
Hypo Oberösterreich, BLZ: 54000, Kontonummer: 120 42 503.
Info-Tel. 0664/2217324, Veronika Gattermayer.

Autor:

Mario Zeko aus Wels & Wels Land

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