100 Jahre Wels
Wels im Wandel der Zeit

Die "Landesschau der Ostmark des Reichnährstandes" 1938 in Wels.

WELS. In Wels ist der Herbst 1918 gekennzeichnet von Kriegsmüdigkeit und Elend: Die Spanische Grippe wütet in der Stadt und im Bezirk Wels-Land. Um die Ausbreitung der Epidemie zu bekämpfen, verbietet die k.u.k. Bezirkshauptmannschaft, die Toten in den Kirchen aufzubahren, und zwar ohne Rücksicht auf die Todesursache. Zu Krankheit gesellt sich Wohnungsnot und Hunger: Mehl und Getreide sind – ebenso wie Fleisch – rationiert und der ersehnte Frieden und die Ausrufung der Republik Deutschösterreich am 12. November 1918 ändert nichts an der prekären Situation.

Zwischenkriegszeit

Die Anzahl der Arbeitslosen steigt ebenso wie die Inflation. Der kurzfristigen Besserung der Lage in den 1920er Jahren (in Pernau siedeln sich einige Betriebe an) folgen die Weltwirtschaftskrise und politische Spannungen. So kommt es 1933 im Welser Bahnhofsgebäude zu einer Auseinandersetzung zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten, bei denen es drei Schwerverletzte gibt. Soziale Not und gewalttätige Ausschreitungen lassen den Anschluss an Hitlerdeutschland im April 1938 direkt wünschenswert erscheinen.

NS-Zeit in Wels

Die Nationalsozialisten beginnen sofort damit, Wels nach ihren Wünschen umzugestalten. Schon im Jahr 1938 wird das Welser Volksfest als „Landesschau der Ostmark des Reichsnährstandes“ eröffnet. Für dieses Prestigeprojekt errichtet man neue Hallen und Sonderzüge bringen Besucher aus ganz Österreich und Bayern zur Veranstaltung. Welser Betriebe werden für den bevorstehenden Krieg umstrukturiert und nach Kriegsausbruch müssen viele Welser zur Deutschen Wehrmacht. 1944 fallen dann die ersten Bomben auf Wels und zerstören insgesamt nicht nur ein Drittel der Welser Unternehmen, sondern auch fast ein Viertel des Wohnraumes der Stadt. Im September 1944 werden rund 100 Männer der Welser Widerstandsgruppe verhaftet, 69 davon werden hingerichtet.

Nachkriegszeit

Der wirtschaftliche Aufschwung der 1950er Jahre führt auch in Wels dazu, dass viele Firmen gegründet werden. Der Wohlstand wächst und löst viele soziale und gesellschaftliche Neuerungen aus. Vor allem aber braucht die rasch wachsende Stadt Wohnraum und so wird der erste „Welser Wolkenkratzer“ geplant. 1957 soll Baubeginn sein, doch von Anfang an steht das Projekt unter keinem guten Stern. Es gibt Verzögerungen und Streitigkeiten um die explodierenden Kosten, die schließlich sogar zu einem Baustopp von acht Monaten führen. Erst im Oktober 1967 wird die behördliche Benützungsbewilligung für das 27geschossige Wohnhaus in der Maria-Theresia-Straße erteilt. Mit fast 80 Metern ist es zu dieser Zeit Österreichs höchstes Wohnhaus und das höchste Europas, das in Schüttelbauweise errichtet wurde.

Autor:

Margarete Schwarzenbrunner aus Wels & Wels Land

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