Welser Schulessen wird zum Politikum

Derzeit werden die Welser Schüler mit tiefgefrorenem Essen aus Deutschland verköstigt.
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WELS. Diese Tatsache sorgt aktuell für Unstimmigkeiten in der Welser Politik. FPÖ-Stadträtin Margarete Josseck-Herdt nimmt SPÖ-Bildungsstadtrat Johann Reindl-Schwaighofer in die Pflicht und fordert eine Neuausschreibung der Schulausspeisung. Denn Vertragspartner Sodexo überlasse die Zubereitung des Essens der Firma Apetito in Nordrhein-Westfalen. Diese Firma kocht in Rheine, friert jeweils vier Portionen ein und schickt die Speisen auf die Reise. Dann wird das Essen mehr als 1000 Kilometer erst nach Böheimkirchen und schließlich nach Grieskirchen transportiert, von wo aus es je nach Bedarf in die Welser Schulen gebracht wird.


Die Qualität ist im letzten Jahr laut Befragung der Schüler stark zurückgegangen.

FPÖ-Stadträtin Margarete Josseck-Herdt

Eine Bedingung im Vertrag der Stadt mit Sodexo sei gewesen, dass spätestens drei Monate nach Beginn der Essenslieferungen das Gütesiegel „Gesunde Küche“ vorzuweisen wäre. „Auf der Urkunde des Landes ist zu lesen, dass die Auszeichnung ein Markenzeichen für ernährungsphysiologische Qualität sowie regionale und saisonale Küche ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Kriterium der Regionalität erfüllt ist“, kritisiert Josseck-Herdt. Zudem soll laut der FPÖ-Stadträtin auch die Qualität des Essens zurückgegangen sein. "Wenn sich eine Partei, die eigentlich den Klimawandel leugnet, plötzlich auf CO2-Reduktion beruft, muss ich schmunzeln", entgegnet Reindl-Schwaighofer, "außerdem sind mir die Umfragen, auf die sich die Stadträtin beruft, nicht bekannt." Eine Neuausschreibung kommt für den Bildungsstadtrat nur nach dem Bestbieterprinzip in Frage. Neben dem Preis sollten weitere Kriterien, wie die regionale Zubereitung und etwa Bio-Qualität des Essens mitformuliert werden. Generell sei eine Neuvergabe aber nur die zweitbeste Lösung: "Ich bin der Meinung, wir sollten selber kochen. Dann haben wir Regionalität, Wertschöpfung, Qualität und alles in der Hand. Wenn der Schulcampus Wels-West endlich umgesetzt wird, könnte man dort auch gleich eine Zentralküche errichten."

Der Campus würde in der Noitzmühle einen Stadtenwicklungsschwerpunkt setzen.

SPÖ-Bildungsstadtrat Johann Reindl-Schwaighofer

Der Campus Wels-West samt Zentralküche kommt für Bürgermeister Andreas Rabl derzeit nicht in Frage: "Die Schülerzahlen gehen gerade zurück. Der Bau des Campus würde uns 30 Millionen Euro kosten. Das macht nur bei steigenden Schülerzahlen Sinn." Eine Neuausschreibung sieht Rabl aber aus den genannten Gründen gerechtfertigt. "Dafür gibt es bereits mehrere potenzielle Bewerber", so Rabl. Zudem sei die Stadt gerade mit einer Bundesinstitution über die gemeinsame Nutzung einer Kantine im Gespräch.

Zur Sache
Die Firma Sodexo ist ein französischer, weltweit agierender Großkonzern mit 34.400 Standorten und 420.000 Mitarbeitern.

Seit Beginn des Schuljahres 2014/2015 liefert Sodexo das Essen in acht Welser Volksschulen und Neue Mittelschulen (NMS), die Nachmittagsbetreuung mit Mittagessen anbieten.

Das Land Oberösterreich vergibt seit 20 Jahren die Auszeichnung "Gesunde Küche". Seither haben 351 Betriebe das Gütesiegel erhalten.

Bis 2020 soll es für alle außer Haus verpflegten Kinder und Jugendlichen in Oberösterreich „Gesunde Küche“ bei rund 500 Anbietern einer Mittagsverpflegung geben.

Sodexo erhielt die Auszeichnung im November 2017 – drei Jahre später als gefordert.

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