Sommerinterview mit Thomas Rammerstorfer (Grüne)
"Da kam der Gedanke, jetzt musst du etwas tun"

Thomas Rammerstorfer plaudert aus dem Nähkästchen, spricht über seinen Antrieb und seine Ambitionen bei der Wahl.
  • Thomas Rammerstorfer plaudert aus dem Nähkästchen, spricht über seinen Antrieb und seine Ambitionen bei der Wahl.
  • Foto: Grüne Wels
  • hochgeladen von Mario Born

In den Sommerinterviews kommen die Welser Bürgermeisterkandidaten zu Wort. Den Anfang macht Thomas Rammerstorfer von den Grünen.

Weshalb sind Sie in die Politik gegangen?
Politisch interessiert und engagiert bin ich seit früher Jugend. Nur habe ich das journalistisch und zivilgesellschaftlich ausgelebt, die Parteipolitik stand keineswegs auf den Plan. Erst, als es mit der Stadt immer weiter bergab ging, kam der Gedanke: Da kannst du jetzt nicht mehr nur zuschauen und das Ganze hämisch kommentieren, das ist zu einfach. Jetzt musst du was tun.

Die drei wichtigsten Themen und Vorhaben mit Blick auf die Wahl und wie wollen Sie sie umsetzen?
Ich will hier jetzt nicht unser Wahlprogramm runterbeten. Ich sage ihnen mein zentrales Anliegen: Wir müssen endlich eine Diskussionskultur entwickeln in Wels, wo wir ehrlich und wertschätzend über die aktuellen Herausforderungen reden. Wo man überzeugen und überzeugt werden kann. Wo die Gemeinderatssitzungen nicht Abstimmungsrituale über Entscheidungen sind, die man ohnehin schon am Vorabend im Wirtshaus getroffen hat, sondern lebendige Demokratie. Wir erleben Politik ja fast nur mehr als Marketing-Inszenierung, nicht mehr als Wettstreit guter oder auch weniger guter Ideen und Konzepte. Das muss sich ändern, dann kann Wels alles schaffen.

Wie sieht Ihr Wahlziel bei der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl aus?
Für die Gemeinderatswahlen ist der Einzug in den Stadtsenat das Ziel. Bei der Bürgermeisterwahl kandidiere ich, um Bürgermeister zu werden. Dass das extrem schwierig wird ist klar, aber natürlich muss es das Ziel sein. Es fährt ja auch niemand zu einer Olympiade mit dem Vorsatz, Vierter zu werden.

Wer wäre Ihr Lieblingskoalitionspartner – wenn sich hier und sofort entscheiden müssten.
Da bin ich – fast – nicht wählerisch. Wir können gut mit den NEOS, auch mit einer SPÖ unter Petra Wimmer wäre eine Zusammenarbeit gut möglich, detto mit der ÖVP, auch wenn es da wohl sehr unterschiedliche Schwerpunktsetzungen gibt. Ich kann mir aber auch ein "freies Spiel der Kräfte" ohne fixe Koalition vorstellen. Das würde die Demokratie beleben. Natürlich auf Basis dessen, dass gewisse Themen außer Streit gestellt werden.

In zwei Sätzen: Was macht Wels besonders liebenswert?
Die Kinder und Jugendlichen der Stadt, die viel besser sind als ihr Ruf, sehr offen, kreativ, gewitzt. Auch mit einer gesunden Portion liebevoller Ironie, was das Verhältnis zu ihrer Heimatstadt betrifft, siehe die genialen "Messestadt Memes" auf Instagram.

Ebenso: Was würden Sie in Wels sofort ändern, wenn Sie alle Mittel dazu hätten?
Den Kinder und Jugendlichen Raum geben und die beste mögliche Bildung. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Pflege deutlich finanziell besser stellen. Unsere Forderungen beim Klimaschutz umsetzen. Ein Mobilitätskonzept entwicklen und umsetzen. Die Kultur entfesseln. Innovative Betriebe und Menschen in die Stadt locken.

Was hat Sie in den vergangenen fünf Jahren in Wels besonders gefreut?
Die Entwicklung der Grünen, die 2015 ziemlich am Boden waren und nun eine große und vielfältige Bewegung geworden sind, was sich auch auf unserer Liste wiederspiegelt. Nur die Hälfte unserer Kandidaten und Kandidatinnen sind Parteimitglieder übrigens. Hier ist die Öffnung hin zur Zivilgesellschaft gelungen. Das gibt mir wirklich Hoffnung.

Was ist Ihnen in dieser Zeit besonders sauer aufgestoßen?
Wieviel Bände soll ich schreiben? Nein, Spaß beiseite: Die Einsparungen im Pflegebereich haben zu viel menschlichem Leid geführt. Man kann davor die Augen verschliessen, ich konnte es nicht und ich werde das auch weiterhin nicht tun, auch wenn ich nicht mehr dort arbeite. Sonst? Dass in einigen wesentlichen Politikfeldern, etwa beim Verkehr oder in der Integration, mehr oder weniger Arbeitsverweigerung betrieben wurde.

Wie hoch schätzen Sie den Einfluss der Bundespolitik auf das Wahlergebnis in Wels ein?
Wenn ich mir die hohen Beliebtheitswerte unserer Regierungsmitglieder ansehe, könnte es ein Vorteil sein. Im Gegensatz zu manchem anderen Mitbewerber brauchen wir unsere Bundespartei nicht zu verstecken. Aber ich denke den meisten Menschen ist schon klar, dass das ganz unterschiedliche Urnengänge sind, dementsprechend schätze ich den Einfluß eher gering ein.

Mit wem würden Sie sich am liebsten einmal zu einem Abendessen treffen – Partner/Partnerin gilt nicht ...
Mit Keith Richards. Dann ist es vielleicht auch besser, wenn meine Frau nicht dabei ist.


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