Wann auch immer er kommt: es wird zu Reibungen im Handel kommen!
Der Brexit und seine Folgen für Welser Unternehmen

Einschränkungen beim Gütertransport durch Auswirkungen des Brexits auf Bahn-, Luft- und Straßenverkehr.
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  • Einschränkungen beim Gütertransport durch Auswirkungen des Brexits auf Bahn-, Luft- und Straßenverkehr.
  • hochgeladen von Christina Gärtner

WELS (cg). Nachdem das britische Unterhaus das von Boris Johnson angestrebte beschleunigte Brexit-Verfahren abgelehnt hat ist – wieder einmal – alles offen. EU-Botschafter der Mitgliedsstaaten werden sich mit einer Verschiebung des für 31. Oktober festgelegten Brexit befassen. Immer noch ist das künftige Verhältnis zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich offen. Schon heute steht aber fest: Mit dem Verlassen von Zollunion und Binnenmarkt werden unausweichlich Reibungen beim Handel auftreten.

Reform-Werke gut vorbereitet

Clemens Malina-Altzinger ist Geschäftsführer der Reform-Werke. Das Welser Unternehmen entwickelt und produziert Spezialfahrzeuge für den Ganzjahreseinsatz in der Bergland- und Kommunaltechnik und ist über einen direkten Handelsvertreter in Großbritannien vertreten.

„Wir werden von diesem tagesaktuell informiert, sobald sich wesentliche Marktbarrieren abzeichnen. Darüber hinaus gibt es ständige Informationsabgleiche mit WKOÖ, Steuerberatern und anderen Unternehmen“, so Malina-Altzinger.

Es wurden aber auch ganz konkrete Maßnahmen getroffen.

„Wir haben sämtliche Gerätschaften für Vorführzwecke aus UK zurückgeholt, offene Garantiethemen abgeschlossen und die Verrechnungswege analysiert. Weiters haben wir mit unseren Lieferanten aus UK gesprochen, die Szenarien analysiert und kritische Teile identifiziert. Wir haben nur wenige Lieferanten aus UK und haben auch geringe Volumina, somit hätte es trotz drohendem Imports wohl eine kaum spürbare finanzielle Auswirkung. Mit kritischen Teilen haben wir uns eingedeckt und können Logistikengpässe mehr als einen Monat überbrücken. Aber auch wenn der finanzielle Schaden überschaubar ist werden die bürokratischen Hürden bei Zölle und Zollformalitäten, wie Zollkontrollen, Zollanmeldungen, Ursprungsregeln und Beschränkungen, neue und zusätzliche Hindernisse“, so Clemens Malina-Altzinger.

Auswirkungen bei TGW

TGW entwickelt und realisiert schlüsselfertige Intralogistik-Lösungen weltweit und verfügt über Niederlassungen in ganz Europa, Amerika und Asien.

Der Brexit habe bereits „einige Millionen Euro gekostet. Wir haben in England gespürt, dass die Brexit-Diskussion etwas auslöst", erklärte CEO Harald Schröpf im Rahmen einer Pressekonferenz des Unternehmens.

Zwei Projekte seien deswegen verschoben worden, was "Spuren in Auslastung und Umsatz hinterlassen hat". Mittlerweile habe man auf der Insel, wo rund 300 TGW-Mitarbeiter beschäftigt sind, Ersatzteillager angelegt und sichere sich mit "Brexit-Klauseln" in den Verträgen gegen Mehrkosten durch Brexit-bedingte Verzögerungen ab. Schröpf ist optimistisch, dass die Arbeitnehmer-Freizügigkeit weiter erhalten bleibt, aber auch falls nicht, wolle man in England weitermachen, betonte er. Allerdings würden vielen Kunden ihre Distributionslager ohnehin auf dem Kontinent bauen.

Erhöhte Lagerstände bei Tiger Coatings

Das Welser Unternehmen Tiger Coatings ist ein international agierender Familienbetrieb mit weltweit acht Produktionsstätten und rund 50 Vertriebsniederlassungen. Der Spezialist für hochwertige Beschichtungslösungen hat Kunden in UK um ein Forecast für deren Hauptprodukte für die ersten drei Monate nach dem Brexit ersucht und entsprechend die Lagerstände vor Ort erhöht. Zudem wurden mit dem Spediteur die Zollformalitäten, soweit bekannt, abgeklärt.

„Das ganze Unternehmen ist betroffen, wenn unsere Kunden Schwierigkeiten durch ein Zoll-Regime bekommen. Dann haben wir Probleme in der Logistik, Beschaffung, Produktion und im Sales“, bringt es Christian Ebenberger, Global Sales Director & Marketing, auf den Punkt.

Einen möglichen No-Deal Brexit bewertet Ebenberger als temporären Exit des UK-Markts und „bumpy ride, bis sich wieder alle Markteilnehmer an die neue Situation angepasst haben.“ Da die meisten Vorprodukte in Mitteleuropa gesourct werden ist die Supply-Chain Exposure im Fall Tiger sehr gering. Für Mitarbeiter ändert sich laut Christian Ebenberger nichts, da diese vor Ort den lokalen Gesetzen und Regeln unterworfen sind und das sowohl vor als auch nach dem Brexit gilt. Anders sieht es bei den drohenden Einschränkungen beim Gütertransport aus.

"Einschränkungen, und das Wort enthält ja schon den Begriff „Schranke“, wird es geben. Was vorher frei fließen konnte wird weiterfließen, aber fließgehemmt. Wenn Dover plötzlich an der EU-Außengrenze liegt, dann muss jeder der tausenden Lkws, die täglich ankommen, abgefertigt werden. Jede Minute mehr vervielfacht sich dann und wird zu einem erheblichen Rückstau führen“, prognostiziert der Sales Director von Tiger.

Unterstützung durch die WKO

Die WKO informiert seit dem Zeitpunkt des Austrittsreferendum in UK intensiv über den BREXIT, seine Optionen und die damit verbundenen möglichen Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft und im Besonderen auf die betroffenen Unternehmen.

„Informiert wird über viele Kanäle wie unsere Homepage, Broschüren, Veranstaltungen und so weiter. Bereits im März dieses Jahres fand, vor dem avisierten ersten Austrittstermin, ein Businessforum UK statt, das die WKOÖ zusammen mit der Britischen Botschaft organisiert hatte“,

ist laut Clemens Malina-Altzinger, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich, der direkte Kontakt mit der Abteilung Wirtschaftspolitik an der Außenwirtschaft der WKOÖ wichtig. Hier werden Unternehmen unterstützt und individuell beraten.

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