14.10.2014, 00:06 Uhr

Vortrag von Andre Stern

Wels: Stadthalle Wels | Voller Erwartungen ging ich heute zum Vortrag über Erziehungsfallen von Andre Stern in der Welser Stadthalle - leider ging ich ziemlich enttäuscht wieder nach Hause. Erwartet hatte ich mir Anregungen zum Alltag, vielleicht auch neue Problemlösungsansätze. Bekommen habe ich eine extrem idealisiertes Bild von Erziehung, ohne konkrete Behandlung spezifischer Probleme.

Andre Stern erzählt viele Geschichten über seinen mittlerweile fast 5-jährigen Sohn, dem er alles ermöglicht und der nur durch Beobachtung und ein strahlendes Lächeln im Gesicht alle Bagger-, Mähdrescher- und Polizeiautotüren geöffnet werden. Fragen nach der Organisation, wie er also alle die Wünsche vom Sohn erfüllen kann, der oft Stunden lang einen Bagger oder eine Autowaschanlage beobachten möchte, beantwortet er damit, dass sich alles ermöglichen lässt, was man ermöglichen möchte. Seinen Eltern selbst hätten auch nicht die idealen Bedingungen für dieses Leben gehabt, aber sie hätten sie geschaffen.

Die Frage danach, ob er denn auch Anschluss an andere Kinder gehabt hätte, oder ob er von den anderen Kindern ausgegrenzt wurde, beantwortete er damit, dass er hinausging in die Welt und Anschluss an ganz viele verschiedene Personen unterschiedlichen Alters knüpfte.

Ich frage mich auch, wie Andre Stern seine Ideale verwirklichen könnte, wenn er mehr als ein Kind hätte, um dass er sich kümmern müsste. Jede Mehrfach-Mutter kennt schließlich das Dilemma, dass jedes Kind etwas anderes will. Was würde Andre Stern also machen, wenn er alleine mit zwei Kindern unterwegs ist und das eine möchte einer Taube hinterher laufen und das andere möchte dem Bagger zusehen?

Er behauptete auch, dass sein Sohn keine Wutanfälle hätte, weil NEIN bei ihm zu Hause eine Ausnahme sei und er und sein Umfeld ihm ein solches Verhalten nicht vorleben. Diese Aussage finde ich sehr gefährlich. Man stelle sich eine alleinerziehende Mutter vor, die arbeiten muss um den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder zu verdienen. Die Kinder haben einen Wutanfall nach dem anderen und sind aggressiv. Eine solche verzweifelte Mutter geht nun vielleicht zu dem Vortrag von Andre Stern und erhofft sich Hilfe und Lösungen. Doch anstatt Unterstützung zu bekommen, wird ihr vermittelt, dass sie alleine die Verantwortung am Verhalten ihrer Kinder trägt und selber Schuld ist, wenn ihre Kinder nicht nach seinen Idealen funktionieren.
Das muss man finde ich mehr als kritisch zu betrachten!

Was man sich meiner Meinung nach mitnehmen kann ist, dass man sich Zeit nehmen soll für die Interessen der Kinder und sich anstecken lassen soll von ihrer Begeisterungsfähigkeit. Allerdings finde ich es schwer, das in dem Ausmaß zu verwirklichen, wie Andre Stern das für notwendig hält. Auch wenn man sich als Eltern seinen Idealen verschreibt - was soll man tun, wenn das eigene Kind auf Grenzen von anderen Menschen trifft, oder gar die Natur solche vorgibt? Als Eltern Grenzen zu haben, kommt anscheinend ohnehin nicht in Frage.

Alles in allem ließ Andre Stern mich enttäuschr, verärgert und mit vielen offenen Fragen zurück. Eine sehr einseitige Meinung und viele sehr ähnliche Geschichten über die Begeisterungsfähigkeit von seinem Sohn, die von Herz zu Herz geht.
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