04.02.2018, 17:44 Uhr

ISZ Wels: Schulversuch droht das Ende

Neben dem Unterricht werden am ISZ eine Hippo- und Hunde-Therapie, Sprachunterricht und verschiedene Schulprojekte. (Foto: ISZ)

Inklusive Volksschulklassen, die im Rahmen eines Versuches geführt wurden, sollen eingestellt werden.

WELS. Seit dem Schuljahr 1997/98 läuft am Integrativen Schulzentrum Wels (ISZ) der Schulversuch „Inklusive Klassen an Kompetenzzentren“. Mit großem Erfolg wurden bisher im Rahmen dieses Versuches Kinder mit und ohne Beeinträchtigung in vier Volksschulklassen gemeinsam unterrichtet. Das soll jetzt allerdings ein Ende haben: Am 2. Februar wurde dem ISZ per Mail vom Landesschulrat mitgeteilt, dass der Schulversuch eingestellt wird. Da das ISZ als Sonderschule geführt wird, darf ab dem Schuljahr 2018/19 keine neue erste integrative Volksschulklasse mehr beantragt werden. Bereits bestehende VS-Klassen werden auslaufend geführt. Viele betroffene Eltern am ISZ sind fassungslos und können diese Entscheidung weder nachvollziehen noch verstehen. "Wir sind schockiert, dass die unglaublich tollen Erfolge, die durch den Schulversuch für unsere Kinder erzielt werden konnten, bei der Entscheidung einfach negiert werden“, ist Christian Steinhuber, Obmann des ISZ-Elternvereins, schockiert.

Schulversuch förderte Sozialkompetenz

Das gemeinsame Miteinander von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung sei an dieser Schule alltäglich gelebt worden. Am ISZ gibt es eine enge Kooperation der integrativen Volksschulklassen mit den Partnerklassen mit schwerst beeinträchtigten Kindern. Das Ende der Schulversuchsklassen würde bewirken, dass ausschließlich Kinder mit besonderen Bedürfnissen an der Schule unterrichtet werden könnten. Schulische Freundschaften und Begegnungen zwischen den Kindern mit und ohne Behinderung wären in Zukunft nicht mehr möglich. Der Elternverein will eine groß angelegte Informationskampagne zur Rettung des Schulversuches am ISZ starten. Obmann Steinhuber möchte alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Schulversuch zu retten. "Diese pädagogisch so vorbildlichen Klassen müssen auch in Zukunft weiter bestehen“, so Steinhuber.

"Alternative keine Lösung"

Landesschulrat Fritz Enzenhofer ist zwischenzeitlich um Beschwichtigung bemüht. "Wir werden am Modell der Reintegration festhalten. Die organisatorisch-rechtliche Umsetzung soll die Kinder nicht betreffen. Das ist Sache zwischen dem Landesschulrat und dem Ministerium", so Enzenhofer in einer Aussendung. Auch im kommenden Schuljahr werde es daher an den betroffenen Einrichtungen für die Schüler unverändert weitergehen. Um die rechtlichen Rahmenbedingungen zu erfüllen, soll künftig in Form sogenannter "dislozierter Klassen" mit örtlichen Volksschulen kooperiert werden. "Das käme de facto einer Einstellung des Versuches gleich", meint Steinhuber. Die Klassen als "dislozierte Klassen" an einer Welser Volksschule zu führen, sei nicht möglich, da der hohe Qualitätsstandard der Schule bei dieser Form nicht haltbar wäre. Personell und organisatorisch sei eine Führung dieser Klassen an einer anderen Schule somit nicht durchführbar.

Politik steht geschlossen hinter Schule

Als Mitte Dezember erstmals derartige Gerüchte an die Öffentlichkeit drangen, beschloss der Welser Gemeinderat eine Resolution zum Erhalt dieses Schulversuchs. Bürgermeister Andreas Rabl gibt sich kämpferisch: "Wir werden als Stadt gemeinsam mit engagierten Eltern für den Erhalt dieses Schulversuchs eintreten. Die Protestaktionen werden sowohl Unterschriftenlisten als auch Interventionen auf politischer Ebene und zusätzliche Resolutionen an die Verantwortlichen beinhalten. Nicht nachvollziehbar ist in diesem Zusammenhang auch die Informationspolitik des Landesschulrats. Gerade bei derart sensiblen Themen, wie der Schließung von Schulen oder der Beendigung von Schulversuchen, wäre eine vorherige Kontaktaufnahme und Erörterung der Maßnahme mit der Stadt wünschenswert. Durch die Beendigung dieses Schulversuchs würde die Stadt eine wichtige soziale Bildungseinrichtung verlieren." Rabl hat zwischenzeitig bereits Kontakt mit dem Unterrichtsministerium aufgenommen, um für die Überleitung des Schulversuchs in den Regelunterricht einzutreten und wird dieses Anliegen demnächst auch in Wien auf politischer Ebene deponieren. 

Spenden nicht betroffen

Auch die BezirksRundschau Wels & Wels-Land unterstützte den Elternverein des ISZ im Rahmen der alljährlichen Christkind-Spendenaktion seit Herbst letzten Jahres. Der dort erzielte Erlös kommt dem Integrativen Schulzentrum in jedem Fall zugute und ist nicht von der möglichen Einstellung des Schulversuches betroffen.

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Robert Zinterhof aus Perg | 04.02.2018 | 21:49   Melden
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