14.12.2017, 10:47 Uhr

Weißkirchen geschlossen und erfolgreich für Lkw-Fahrverbot

Etwa 60 Personen demonstrierten beim Kreisverkehr zur Ortseinfahrt. (Foto: laumat.at/Matthias Lauber)

Das Büro des Infrastrukturlandesrates bestätigte wenige Stunden nach Protestaktion derartige Pläne.

WEISSKIRCHEN. Mit einer Protestaktion bekräftigten die Weißkirchner quer durch die politischen Lager ihre Forderung nach einem Lkw-Fahrverbot auf der L 534, die durch ihre Gemeinde verläuft. Initiiert hat die Straßensperre vom Kreisverkehr vor der Ortsmitte 
(etwa 60 Personen) bis zur Anschlussstelle Allhaming (zirka 20) am heutigen Donnerstag von 5.00 bis 7.00 Uhr die Bürgerinitiative "Unerträglicher Verkehr an der L 534". Mit dieser Aktion wurde, so wie auch in Hall in Tirol, Wernberg (Kärnten) und Langenzersdorf (Niederösterreich), gegen den durch das jeweilige Postverteilerzentrum ausgelösten Verkehr protestiert. "Das Verteilerzentrum Allhaming steht seit etwa drei Jahren. Damals hat uns die Post zugesichert, dass die Lkw nicht durch unsere Gemeinde nach Allhaming fahren, sondern über die Autobahn. Wir fordern, dass sie diese Zusage jetzt auch endlich einhalten", sagt Michael Morocutti, Obmann des Straßenausschusses. "Ich verstehe, dass sie dadurch Mautkosten sparen, aber das ist für solche Konzerne sicher genauso zu verkraften wie der Mehraufwand von elf Minuten." Das Land Oberösterreich führte im Oktober eine Verkehrszählung durch. Bei entsprechendem Ergebnis könnte diese zu einem Lkw-Fahrverbot führen. "Am liebsten wäre uns natürlich ein Fahrverbot für Lkw über 3,5 Tonnen, das Tag und Nacht gilt. Aber schon ein Fahrverbot von 22.00 bis 6.00 Uhr wäre ein Fortschritt", erklärt Morocutti. 

"Macht die Anwohner krank"

Ein Anrainer schildert das Problem: "Es geht jede Nacht um 3.00 oder 3.30 Uhr los. Wir können nie das Fenster aufmachen und wenn ich in die Arbeit fahre, komme ich aufgrund des Verkehrs oft minutenlang nicht aus meiner Ausfahrt raus." Im September war die Straße aufgrund von Asphaltierungsarbeiten gesperrt. "Da haben wir gemerkt, wie angenehm ruhig es sein kann." Renate Knorr koordinierte die österreichweite Aktion. "Ein Postverteilerzentrum im Wohngebiet ist heutzutage einfach nicht mehr denkbar. Der Lärm und das erhöhte Verkehrsaufkommen machen die Anwohner krank und rauben ihnen den Schlaf", sagt sie. Die Weißkirchner Bewegung beziffert den Lärmpegel durch den Schwerverkehr zu Spitzenzeiten auf 75 Dezibel. Außerdem befinde sich eine Engstelle mitten im Zentrum, die für Kinder gefährlich sei. Die vier Bürgerinitiativen sehen den 14. Dezember 2017 als Startschuss. Weitere Projekte und Aktivitäten sind in Planung. Seitens der Gemeinde Weißkirchen sind die Möglichkeiten bald ausgeschöpft. "Wir haben einen Antrag auf Erlassung gestellt, aber der Landesrat sah keine Möglichkeit. Als letzte Konsequenz haben wir die Verkehrszählung verlangt", sagt Bürgermeister Norbert Höpoltseder.

"Wir sparen keine Mautgebühren!"

Dass die Post durch die Abkürzung über Weißkirchen Mautgebühren spart, streitet Pressesprecher Michael Homola ab: "Das ist ein Irrtum, die Lkw haben ja ohnehin die Vignette drauf." Es sei rein die kürzere Strecke ausschlaggebend. "Das sind 14 Kilometer hin und zurück, das wirkt sich schon aus." Von dem anfänglichen Versprechen, die Lkw nicht durch Weißkirchen fahren zu lassen, weiß Homola nichts. Sollte ein Fahrverbot kommen, würde sich die Post ihrem Schicksal beugen. "Daran müssen wir uns dann ja halten. Aber ich muss schon auch sagen, dass wir hier nicht die Alleinschuld tragen. Es fahren auch noch viele andere durch Weißkirchen."

UPDDATE: Fahrverbot kommt

Wenige Stunden nach der Protestaktion gab das Büro des Infrastrukturlandesrats bekannt, dass die Verhängung des von den Weißkirchnern geforderten Lkw-Fahrverbotes in Vorbereitung sei. "Im Hinblick auf das Jahr 2013 ergeben die Zählungen vom Oktober 2017 eine massive Zunahme des Schwerverkehrsanteils im Ortsgebiet von Weißkirchen", unterstreicht Landesrat Günther Steinkellner. Die Zunahme des Schwerverkehrs ergibt demnach eine Steigerung um 30 Prozent. Folglich werde ein Verfahren für ein Nachtfahrverbot zwischen Kilometer 3,115 (im Bereich des Kreisverkehrs mit der L 563 Traunuferstraße) und Kilometer 4,515 (Kreuzung mit der L 1236 Brunnerner Straße), für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen in beiden Fahrtrichtungen eingeleitet. Der Schwerverkehrsanteil auf der Strecke zwischen Weißkirchen und Allhaming liege bei über 14 Prozent und habe demnach in den letzten Jahren überproportional zugenommen und sei (im Vergleich mit anderen dreistelligen Landesstraßen) mittlerweile objektiv hoch. Somit liege jener Wert über dem Grenzwert für das damalige gewerbebehördliche Bewilligungsverfahren. "Mit Einleitung des Verordnungsverfahrens für ein Nachtfahrverbot soll die Lebensqualität für die Weißkirchner Bevölkerung verbessert werden und die Verkehrssicherheit erhöht werden", sagt Steinkellner. Laut Pressesprecher Marco Sterk ist dies keine Reaktion auf die heutigen Proteste: "Mit Erhalt der Statistiken zum Schwerverkehrsanteil wurde ein Sachverständiger beauftragt ein Gutachten zu erstellen. Das Gutachten kam zu der nun avisierten Lösungsvariante des Nachtfahrtverbots. Die Reaktion erfolgte also bereits Ende November und unabhängig von den Protesten."
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