17.05.2017, 08:20 Uhr

Wolfgang Wimmer: "Pavao Pervan ist meine Nummer eins fürs Nationalteam"

Wolfgang Wimmer mit seinen beiden LASK-Torhütern Pavao Pervan (l.) und Filip Dmitrović. (Foto: Albin Schuster)

Der U21-Torwarttrainer sieht in seinem LASK-Schützling den kommenden Team-Torhüter.

EDT/LINZ/WIEN. Wolfgang Wimmer, zu aktiven (Jugend-)Zeiten Torwart bei FC Edt, Union Steinerkirchen, Union Wels, SC Marchtrenk, FC Braunau, FC Pasching, SC Schwanenstadt und dem LASK, ist seit 2011 Torwart-Trainer beim Bundesliga-Aufsteiger aus Linz. Zudem übernahm er vor wenigen Wochen dieselbe Funktion im U21-Nationalteam. Im Interview spricht der 51-jährige Edter über seine Nummer eins im Nationalteam-Kasten, die Stadionfrage, die Personalie Michael Liendl und die aktuelle Situation für seinen Sohn Kevin bei Tottenham Hotspur.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie U21-Torwarttrainer wurden? Lässt sich das gut mit der Arbeit im Verein kombinieren?
Wimmer: Vor allem Willi Ruttensteiner hat mich früher schon mal gefragt, ob ich Interesse hätte, für ein U-Nationalteam zu arbeiten. Das hat mich ehrlich gesagt nie richtig gereizt, weil es vom Verein her nicht gegangen wäre. Während der Länderspielzeiten läuft ja auch die Meisterschaft. Aber in der U21 kannte ich den Werner Gregoritsch bereits, sie haben mit dem neuen Jahrgang etwas auf die Beine gestellt. Das U21-Team ist als einziges an das A-Team angepasst. Und in den Länderspielpausen passiert ja im Verein nicht sehr viel. Da wird hauptsächlich regeneriert.

Welche Ziele habt ihr in der U21?
Ganz klar die Qualifikation für die Europameisterschaft in Italien. Die Chancen stehen gut.

Welche Aufgaben haben Sie dort, auch im Vergleich zu jenen beim LASK?
Man sieht sich mehr Videos an, da die Torhüter zum Teil in Deutschland spielen. Ich muss aber auch öfters mal wo hinfliegen, da ich mit den Kandidaten Kontakt pflegen muss. Die Torhüter in Österreich zu beobachten, passiert eigentlich nebenbei. Da bin ich sowieso immer unterwegs.

Welche Torhüter beobachten Sie im Ausland?
Derzeit nur Johannes Kreidl vom 1. FC Nürnberg.

Im A-Nationalteam gibt es vor jedem Spiel große Diskussionen über die Besetzung der Torhüter-Position. Sie sind mit dem U21-Team direkt an der Quelle, welche großen Talente kommen denn nach?
Ich möchte ehrlich gesagt derzeit mit Pavao Pervan am meisten den eigenen Torhüter forcieren. Denn uns wurde immer kommuniziert, dass er bei einem Aufstieg sicher ein Thema für das Nationalteam ist. Das richtige Alter hat er mit 28 Jahren auch.

Was passiert mit Filip Dmitrovic?
Der wird verliehen, es gibt Gespräche mit zwei, drei Vereinen. Er wird also im Sommer den LASK verlassen, damit er Spielpraxis sammeln kann. Dafür holen wir wieder einen jungen, talentierten Torhüter.

Welche Veränderungen kommen durch den Aufstieg auf Sie zu?
Eigentlich nicht viele, es wird alles intensiver und man steht mehr im Blickpunkt.

Wird es gleich wieder gegen den Abstieg gehen oder hat der LASK die Ressourcen, um, so wie die meisten Aufsteiger in den letzten Jahren, ein starker Neuling zu sein?
Ich denke schon, dass wir uns punktuell sehr gut verstärken.

Mit Michael Liendl?
Nein, das ist nur eine Zeitungsente. Er passt nicht in unser Anforderungsprofil mit jungen Spielern. Aber ich denke, wir werden eine gute Rolle spielen.

Also im Mittelfeld landen?
Ja, davon gehe ich aus. Im Verein ist sehr viel passiert, seit die Freunde des LASK übernommen haben.

Ist die Stadion-Lösung in Pasching bis 2022 eine gute oder ist es schade, dass der LASK nicht in Linz spielt?
Die Lösung finde ich sehr gut, denn das Publikum ist sehr nahe am Spielfeld. Auf der Gugl ist die Laufbahn leider der Tod des Fußballs.

Gibt es schon eine Tendenz, wo das neue Stadion gebaut wird?
Es gibt zwei, drei Standorte, die im Gespräch sind, aber noch nichts Fixes. Die sind alle im Raum Linz.

Es muss also nicht zwangsläufig direkt in Linz sein?
Nein, aber ich denke, dass es eine Lösung in Richtung Bindermichl geben wird.

Ist es für eine kleine Gemeinde wie Pasching ein Problem, dass in der Bundesliga auch Risiko-Fans zu den Spielen kommen?
Es gibt eine gute Lösung. Nachdem sie den Heimsektor zum Teil auf Gästesektor umgestellt haben, haben die Gästefans einen Zugang von der Seite und müssen nicht mehr durch die Siedlungsgebiete durch.

Welche Ziele hatten Sie sich nach Ihrer aktiven Karriere gesteckt? Hätten Sie einmal Klubtrainer werden wollen?
Nein, schon während meiner aktiven Zeit habe ich mir gedacht, dass ich im Torwartsektor etwas bewirken möchte. Und jetzt bin ich immerhin zum zweiten Mal in der Bundesliga.

Haben Sie von Beginn an immer im Tor gespielt?
Zu Beginn am Feld, aber das Torwartspiel hat mich schon immer fasziniert.

Was war das Highlight Ihrer aktiven Karriere?
Mit Pasching im Elfmeterschießen gegen Vastic und Co. gegen Sturm Graz aufgestiegen zu sein.

Sie waren aber nie Vollprofi?
Nein, ich bin immer nebenbei arbeiten gegangen. Damit habe ich erst aufgehört, als sie mir beim LASK nach meiner aktiven Karriere den Job angeboten haben.

Was bringen Sie beim LASK Pervan und Dmitrovic bei? Sind die beiden Ihnen in Ihren besten Tagen im Können nicht bereits voraus?
Ich habe eine ganz klare Trainings- und Spielphilosophie, die müssen sie umsetzen. Ich denke, das bringe ich ganz gut rüber. Heutzutage arbeitet man viel mit Videos, man ist wie ein Dompteur. Ich verlasse meine Linie nicht und ich fahre auch gut mit ihr.

Das Risiko, als Torwart ausgesiebt zu werden, ist ungleich größer als bei einem Feldspieler, da nur einer am Platz stehen kann. Was ist das Erfolgsrezept?
Ein guter Fußballer musst du halt sein. Wenn du mit dem Fuß Schwächen hast, bist du limitiert. Da haben unsere beiden ihre Vorteile. Pervan ist einfach noch der ruhigere. Er ist momentan der perfekte Torhüter, hat eine super Einstellung und das Know-how.

Er ist seit 2010 beim LASK. Hat bei ihm ein Wechsel nie zur Debatte gestanden?
Schon, aber er wollte nie. Mit der Austria gab es letztes Jahr Gespräche. Sein Ziel war es immer, mit dem LASK wieder in die Bundesliga zu kommen. Er war auch in den schwersten Stunden des LASK mit dabei.

Pervan wäre also derzeit von allen verfügbaren Torhütern Ihre Nummer eins im A-Nationalteam?
Zurzeit schon.

Auch vor einem fitten Robert Almer?
Ja. Aber auch Hadzikic, den wir im Kader haben, hat sehr viel Potenzial. Schlager und Gartler haben großes Talent und eine Top-Ausbildung, dazu Kreidl. Es ist selten, dass es in der U21 drei oder vier fast gleichwertige Torhüter gibt.

Wie schwer ist es für einen Torhüter, ohne Spielpraxis sofort seine Leistung zu bringen?
Schon sehr schwer. Darum versuchen wir, all unseren Torhütern zumindest in der Regionalliga Spielpraxis zu verschaffen.

Möchte der LASK nach der Ligenreform mit der zweiten Mannschaft in die zweite Spielklasse kommen?
Das ist ein ganz klares Ziel. Wir möchten in der Bundesliga eine gefestigte Rolle spielen und wenn die 16er-Liga kommt, die zweite Mannschaft dort hinbringen.

Gemeinsam mit dem FC Pasching oder als eigenes Team, so wie es künftig auch die SV Ried machen wird?
Ein eigenes Team wäre schon gut, aber wir können aufgrund der Kooperation und des Platzes momentan nicht anders.

Weil wir vorhin bei Spielpraxis waren: Das ist auch ein Stichwort für Ihren Sohn Kevin bei den Tottenham Hotspurs. Was raten Sie ihm in seiner Situation?
Abwarten. Er fühlt sich trotzdem wohl dort, es ist ein super Verein, der zum zweiten Mal in Folge um den Meistertitel in England mitgespielt hat. Er hat ein schweres Los, zwei der weltbesten Innenverteidiger hat er vor sich. Er lernt aber sehr viel und dass er so nah dran ist, ist für sein Alter eh schon ein Wahnsinn. Bei den Topklubs sind die Innenverteidiger 28, 29 Jahre alte, gestandene Spieler. Da spielen keine Jungen.

Der Verein will ihn ja auch nicht verleihen.
Wenn jemand ausfällt, ist er zur Stelle. Klar. Ich verstehe ihn ja, ich war früher auch nicht anders: Wenn du nur trainierst und nicht spielst, ist es nicht lustig. Aber vom Charakter her hilft ihm das auf jeden Fall weiter.
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