02.10.2017, 15:10 Uhr

Ausbildung: "Zeit des Abwartens ist vorbei"

AMS Wels-Leiter Othmar Kraml stand Lehrlingsredakteur Marcel Hattinger (Rico) beim Interview Rede und Antwort. (Foto: Herzog)

Wer sich heute für eine Lehre entscheidet, könnte in ein paar Jahren zu den heiß begehrten Facharbeitern zählen.

BEZIRK. LehrlingsRedakteur Marcel Hattinger traf sich mit AMS Wels-Leiter Othmar Kraml, um über Ausbildungschancen, den Fachkräftemangel, sogenannte "social skills" und die Entwicklung des Lehrstellenmarktes zu sprechen.

Was können Firmen tun, um die Lehre für junge Menschen attraktiver zu machen?
Kraml: Ich denke die Zeiten sind vorbei, dass man als Firma einfach darauf warten kann, dass Jugendliche mit ihren Eltern vorbeischauen. Plattformen wie die Berufsinformationsmesse, Tage der offenen Tür, eine entsprechende Präsentation auf der Homepage sind für mich Punkte, die man nützen sollte. Wichtig ist auch der Kontakt zu berufsbildenden Schulen, damit diese das Unternehmen kennen. Zudem können Firmen ihren Lehrlingsbedarf bei uns melden und wir geben das dann an die Jugendlichen weiter.

Was erwartet sich eine Firma von jungen Menschen und was sollten diese mitbringen?
Es sind nicht nur die schulischen Leistungen, sondern auch das Einhalten von gewissen Rahmenbedingungen. Freundlichkeit, Zuverlässlichkeit, Grüßen, Bitte und Danke. Firmen beklagen oft, dass Jugendliche bei diesen sogenannten "social skills" Defizite haben oder nicht wissen, wie sie sich richtig verhalten sollen. Aber das ist neben einem passablen Zeugnis auch wichtig.

Man hört immer vom Fachkräftemangel – warum ist der Zulauf zu höheren Schulen trotzdem so groß?
Bedingt durch den demografischen Wandel gibt es heute generell weniger junge Leute. Es verlassen also auch weniger Jugendliche nach der Schulpflicht das Bildungssystem. Gleichzeitig üben die weiterführenden Schulen eine ungebrochen große Attraktivität aus.

Hat man diese Entwicklung übersehen?
Übersehen würde ich nicht sagen, den Spruch "Karriere mit Lehre" gibt es schon seit 25 Jahren. Aber man muss schon sagen, dass die Verdienstmöglichkeiten nach einer berufsbildenen weiterführenden Schule teilweise anders aussehen, als nach der Lehre. Die Lehre ist aber trotzdem keine Einbahnstraße: Viele große Unternehmen in der Region bieten eine interessante Berufsausbildung mit tollen Karrierechancen. Denen gehen aber die Fachkräfte der Zukunft aus, denn die Lehrlinge, die ich heute nicht einstelle, machen in dreieinhalb Jahren keine Lehrabschlussprüfung und sind in fünf Jahren nicht die jungen Fachkräfte, die ich brauche.

Was wird sich in nächster Zeit ändern?
Die Politik hat gerade die Ausbildungspflicht bis 18 beschlossen. Jugendliche, die heuer das neunte Schuljahr absolvieren, werden erstmals mehr oder weniger verpflichtet, etwas zu tun. Zuhause sitzen und abwarten geht nicht mehr. Entweder hat man eine Lehrstelle, besucht eine weiterführende Schule oder nutzt die Ausbildungsmöglichkeiten am AMS.

Wieviele offene Lehrstellen gibt es und was sind die beliebtesten Sparten?
In Wels und Wels-Land haben wir derzeit 120 sofort verfügbare Lehrstellen. Bei Burschen ist nach wie vor der KFZ-Techniker ein sehr begehrter Beruf. Die Metall- und Elektrobranche sind auch sehr beliebt. Bei den Mädchen sind es traditionell drei Berufe, in denen man 80 Prozent unterbringt. Das sind Büro, Verkauf und Friseur.

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