27.10.2016, 07:00 Uhr

"Frauen sind nicht schuld an Gewalt"

Der Großteil der Frauen, die im Frauenhaus Wels unterkommen, ist zwischen 25 und 40 Jahre alt. (Foto: Symbolfoto: Warren Goldswain/Fotolia)

Frauen ertragen Gewalt in den eigenen vier Wänden oft jahrelang. Ausweg bietet das Frauenhaus.

WELS. Gewalt gegen Frauen ist noch immer eine der häufigsten Menschenrechtsverletzungen weltweit. "In Österreich finden 90 Prozent aller Gewalttaten innerhalb der Familie statt", sagt Sonja Duda, Leiterin des Frauenhauses Wels. "Das heißt, die Chance innerhalb der Familie Gewalt zu erleben, ist um ein Vielfaches größer, als auf der öffentlichen Straße." Hinzu kommt, dass der Schwere- und Härtegrad in den letzten Jahren zugenommen hat. Dabei muss Gewalt nicht immer körperlicher Natur sein. Von ihr ist schon die Rede, sobald sich Besitzansprüche in der Beziehung breitmachen. "Gewalt ist, wenn einer ausnutzt, dass er stärker ist, egal ob psychisch, finanziell oder in einem anderen Bereich", erklärt Duda. Viel zu selten käme es vor, dass Opfer Hilfe holen oder Anzeige erstatten. "Frauen ertragen Gewalt oft jahrelang." Ein Grund dafür könnten laut Duda die Gewohnheiten aus der Kindheit, wie die "g'sunde Watschn", sein. "Aber es gibt keine g'sunde Watschn!" Fast in jedem Fall machen sich Schuldgefühle bei der Frau breit. "Aber die Frau ist nie schuld. Denn es gibt keinen einzigen Grund, jemanden zu schlagen", betont sie. Die Gründe, warum Männer zuschlagen, sind zwar meist unterschiedlich, aber eines haben die Täter gemeinsam: "Sie kennen keine andere Verhaltensalternative als zuzuschlagen." Und trotzdem fällt laut Duda den betroffenen Frauen das Beenden der Gewaltbeziehung oft sehr schwer. Die Männer schüchtern sie ein oder drohen ihnen. Doch der Schritt in ein gewaltfreies Leben ist erst geschafft, wenn man sich Hilfe holt und darüber redet. Erste Anlaufstelle ist in dieser Situation das Frauenhaus. In Oberösterreich gibt es fünf dieser Einrichtungen, eine davon befindet sich im Zentrum von Wels. Dort finden die Frauen Schutz und für den Übergang eine Unterkunft. Sechs Frauen haben im Haus Platz. Zudem steht immer ein Notzimmer zur Verfügung. Die Bewohnerinnen leben selbständig, werden aber von erfahrenen Beraterinnen in jeder Angelegenheit unterstützt – ob bei der Jobsuche oder bei Behördengängen. Mehrmals pro Woche findet ein Austausch statt. Maximal ein halbes Jahr bleiben die Frauen. "Dann sollte kein Schutz mehr nötig sein", so Duda.


30 Jahre Frauenhaus

Seit drei Jahrzehnten gibt es das Frauenhaus. Und der Bedarf an dem Angebot ist ständig gestiegen, sei es die telefonische Erstauskunft oder ein akutes Krisengespräch und ein möglicherweise damit verbundener Einzug. Da der aktuelle Standort mittlerweile zu wenig Raum für die Bewohnerinnen bietet, musste über eine neue Lösung nachgedacht werden. Am Stadtrand von Wels entsteht bis Herbst 2017 ein neues Haus für schutzsuchende Frauen, das den alten Standort ersetzt.


Neubau Frauenhaus:

Das Frauenhaus Wels feiert sein 30-jähriges Jubiläum. Erst kürzlich erfolgte der Spatensich für den Neubau der Einrichtung. Der derzeitige Standort in der Rablstraße im Zentrum von Wels platzt aus allen Nähten. Darum entsteht in Wimpassing ein neues Haus, das sechs Frauen und deren Kindern, die sich in Notsituationen befinden, Schutz und Beratung bietet. 700 Quadratmeter stehen den Bewohnerinnen insgesamt zur Verfügung. Der südgelegene Garten bietet Kindern Raum zur Erholung und deren Müttern ein wenig Entspannung und Abstand, um die negativen Erlebnisse leichter aufzuarbeiten.

Kontakt:
Frauenhaus Wels
Leiterin: Sonja Duda
07242 67851
www.frauenhaus-wels.at
Die Beratungen sind kostenlos.
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