17.11.2016, 16:01 Uhr

Reichspogromnacht: Streit um Gedenkveranstaltung

Landtagsabgeordnete Silke Lackner, Gemeinderat Markus Wiesinger, Vizebürgermeisterin Christa Raggl-Mühlberger, Bürgermeister Andreas Rabl, Vizebürgermeister Gerhard Kroiß, Vizebürgermeister a.D. Hermann Wimmer und Stadträtin Margarete Josseck-Herdt. (Foto: Stadt Wels)

Auch künftig keine gemeinsame Feier zwischen Bürgermeister Rabl und der Antifa.

WELS. Ein freiheitlicher Bürgermeister ruft anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht zur Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus auf. Für den Antifa-Vorsitzenden Werner Retzl eine "Farce", mit der man so wenig Berührungspunkte wie möglich haben wollte. Bereits mehrere Wochen vor dem eigentlichen Termin gab es Streitigkeiten: Sowohl die Antifa als auch Bürgermeister Andreas Rabl wollten ihre Gedenkveranstaltung am Abend des 8. November abhalten. Für Retzl ein klares No-Go, da mann nicht abschätzen könne, welches Publikum angezogen werde. Bürgermeister Rabl tat diese Kritik als kindisch ab, immerhin handle es sich um eine Veranstaltung der Stadt, nicht der FPÖ. Rabl bot an, das eigene technische Equipment auch für die Antifa zur Verfügung zu stellen. Die Antifa bestand trotzdem auf eine eigene Veranstaltung.

Prominente Gedenkredner

Scheinbar half es aus Sicht der Antifa auch wenig, dass Rabl mit dem "Eichmann-Jäger" Rafael Eitan und Michael Kleiner zwei ehemalige Abgeordnete des israelischen Parlaments Knesset zur Gedenkfeier nach Wels geladen hatte. Diese sahen in der FPÖ sogar einen natürlichen Verbündeten: Denn der Islamismus bedrohe nicht nur in Europa das Judentum in stärkerem Ausmaß als der Antisemitismus vergangener Tage. Die FPÖ sei die einzige Partei, die offen gegen die unkontrollierte Einwanderung in die EU und damit auch gegen radikalislamistische Strömungen (den "neuen Antisemitismus") auftrete. "Schade, dass sich die beiden – allerdings sehr weit rechts stehenden – Herren als Feigenblätter der FPÖ haben missbrauchen lassen", kommentiert das Werner Retzl. Die Antifa konnte neuerliche Schauspieler Harald Krassnitzer als Reder gewinnen. Dieser wies in seiner Gedenkrede darauf hin, dass derzeit besonders Flüchtlinge zunehmendem Fremdenhass bis hin zu gewalttätigen Angriffen ausgesetzt sind. Regierung und Behörden dürften nicht wegschauen, sondern müssten den Hass beim Namen nennen und konsequent bekämpfen. Es brauche aber auch eine bessere Sozial- und Bildungspolitik, die der derzeitigen Verunsicherung in der Gesellschaft entgegenwirke.

Auch in Zukunft zwei Veranstaltungen

Für die Antifa ist klar, dass es in Zukunft unter Bürgermeister Rabl keine gemeinsame Gedenkveranstaltung mit der Stadt geben wird. Sowohl Rabl als auch Retzl seien aber dazu bereit, sich im Vorfeld über gerennte Termine zu einigen.

0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.