31.10.2016, 14:20 Uhr

Romantische Kerzenabende in Ugandas Hauptstadt

Robert Fischer im Jahr 2005 mit seinem Sohn Emil in Uganda. (Foto: privat)

Der gebürtige Welser Robert Fischer verrichtete unter anderem 4,5 Jahre lang Entwicklungsarbeit in Ostafrika.

WELS/LULEA. Vor allem drei Länder haben das Leben des gebürtigen Welsers Robert Fischer neben Österreich geprägt: Schweden, Uganda und Südafrika. Derzeit forscht der 50-Jährige an der Technischen Universität im schwedischen Lulea an einem Projekt namens "Arctic Energy". "Es geht darum, die zukünftige Energieversorgung in den nordischen Ländern fossilfrei zu machen", erklärt der dreifache Familienvater. Zusammen mit seiner Frau, zwei Söhnen (15 und 12) und einer Tochter (7) wohnt Fischer in Stockholm. Zwei Drittel seiner Zeit verbringt er jedoch berufsbedingt in Schwedens Norden. Seit 2014 ist die Familie in Schweden, wo der Welser seine Ehefrau vor etwa 18 Jahren auch kennenlernte. Damals reiste er im Auftrag von Siemens Österreich mehrmals nach Skandinavien.

Den Warnungen getrotzt

Der Wunsch, lange Zeit im Ausland tätig zu sein, wurde immer größer. So schloss er sich 2005 Horizont3000 an, einer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit. Mit seiner Frau und den beiden Kindern führte die Reise nach Uganda. "Trotz aller gut gemeinten Warnungen von Freunden und Bekannten, wie man denn bei den ganzen Krankheiten und tropischen Verhältnissen nur dorthin gehen kann, haben wir uns nicht davon abhalten lassen", sagt Fischer. Bis heute bereut er es nicht, etwa 4,5 Jahre als Berater für Energieeffizienz in dem ostafrikanischen Land verbracht zu haben. "Uganda ist zwar ein armes Land, aber auch sehr stolz. Die Menschen wollen nicht als arm bezeichnet werden. Es war dort außerdem immer einfach, mit Kollegen näher in Kontakt zu kommen, gemeinsam etwas zu unternehmen und Freundschaften zu knüpfen", erinnert sich Fischer. Das war ein großer Unterschied zu dem Land, in das ihn die Entwicklungsarbeit vor der Rückkehr nach Schweden für vier Jahre verschlug: Südafrika. "Durch die langen Jahre der Apartheid ist dort das Misstrauen gegenüber Weißen noch sehr groß. Ganz im Gegenteil zu Uganda: Dort sitzt man beispielsweise, wenn man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, nie still. Es kommt zu Gesprächen mit den anderen Fahrgästen. Spricht man in Österreich jemanden im Zug an, ist dieser eher erstaunt."

24 Stunden ohne Strom

Der Lebensstandard in Europa ist mit jenem in Afrika natürlich nicht zu vergleichen: "In Uganda gab es Stromausfälle, die 24 Stunden oder länger andauerten, ein- oder zweimal pro Woche. So ergaben sich sehr viele romantische Kerzenabende", erzählt der gebürtige Welser. Seine Söhne Felix und Emil sind in Stockholm beziehungsweise Wien geboren, Linnéa in Ugandas Hauptstadt Kampala. "Meine beiden Söhne haben mich vor der Geburt gefragt, welche Hautfarbe das Mädchen haben wird. Die hatten das Konzept der Vererbung noch nicht so richtig verstanden. Wir haben ihnen die Spannung bis zuletzt gelassen", lacht Fischer. Seine Familie hatte sowohl in Kampala als auch in Kapstadt ausreichend Mittel, um ein schönes Leben zu führen. "Einerseits war der Wechsel von den sehr einfachen Verhältnissen in Kampala in die fast schon amerikanische Gesellschaft in Südafrika ein Sprung nach vorne, andererseits ist die Ungleichheit dort riesig. Es ist nicht so einfach, das zu verkraften und zu verstehen." Dennoch kann er jedem Österreicher einen Besuch in den beiden Ländern nur empfehlen: "Vor allem die Zeit in Uganda haben wir sehr genossen. Es ist ein sehr wildes Land mit Zugang zur Natur in den Naturschutzparks." Auch andere afrikanische Länder wie Tansania oder Kenia seien mit ihren Nationalparks und Stränden einen Besuch wert.

Entscheidung zwischen Strom und Reis

In Südafrika war es Fischers Auftrag, die Rate von erneuerbarer Energie an der gesamten Stromerzeugung zu erhöhen. Es gab dabei die Möglichkeit für Menschen aus den armen Gegenden, sich mit Ideen zu beteiligen. "Auch wenn sie am Strom angeschlossen sind, können sie ihn sich zum Teil nicht leisten. In öffentlichen Anhörungen konnten sie ihre Bedenken zum Ausdruck bringen. Eine junge Frau mit kleinem Kind am Rücken stellte sich auf die Bühne und erzählte, dass sie sich zwischen dem Kauf von Strom und einem Kilogramm Reis entscheiden muss. Das war für uns alle sehr bewegend. Denn wer nur hinter einem Schreibtisch hockt, verliert leicht den Kontakt zur armen Bevölkerung." Den Kontakt zu seiner Verwandtschaft in Wels hat Robert Fischer nach mittlerweile 17 Jahren im Ausland hingegen nie verloren. An eine dauerhafte Rückkehr nach Österreich denkt er aber nicht: "In der Pension möchte ich eher wieder für ein paar Jahre nach Afrika."

Bisherige Artikel aus der Serie "Landsleute im Ausland":
Christian Koblmiller: Link
Bernhard Zaglmayr: Link
Jürgen Löschenkohl: Link
Mario Scherhaufer: Link
Aleksandar Stanojevic: Link
Robert Polzinger: Link
Helmut Gaisberger: Link
Hans-Joachim Lauterbach: Link

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