31.10.2016, 09:45 Uhr

250. Todestag: Gedenken an Peter Anich

V.l.n.r.: Peter Anich (Thomas Kuen) , dessen Schwester Lucia (Simone Haider) und Blasius Hueber (Fischer Martin) (Foto: Gabi Lorenz)

Volksbühne Oberperfuss bringt ein großes Theaterstück zur Aufführung!

Seit Max Edlinger in den 70er Jahren mit ganzer Kraft und Leidenschaft das Interesse für Peter Anich wieder weckte, den Atlas Tyrolensis in Buchform drucken ließ und Ausstellungen initiierte, ist es still geworden um den berühmtesten Sohn unserer Gemeinde. Die beiden Bauernkartographen sind vom Namen her stets gegenwärtig, aber es gibt auch OberperferInnen, deren Wissen über Peter Anich und Blasius Hueber seit dem Besuch der Volksschule nie mehr aufgefrischt worden ist.
Deshalb nimmt die Volksbühne Oberperfuss das 250-Jahr Gedenken des Todestages von Peter Anich zum Anlass, ein Theaterstück über ihn auf die Bühne zu bringen. Als Spielleiterin fungiert Bürgermeisterin Johanna Obojes-Rubatscher. "Außer ein paar dürftigen Hinweisen auf die Familienverhältnisse und die kargen Lebensumstände ist von der Kindheit und Jugend des Kartographen kaum etwas bekannt," so die Regisseurin. "Deshalb wurde in dem Stück auch versucht, die damaligen äußerst schwierigen Bedingungen des Bauernstandes einzufangen."
Das Stück ist szenisch aufgebaut. Entscheidende Begegnungen im Leben von Peter Anich werden dramaturgisch umgesetzt – ob es sich tatsächlich so abgespielt haben könnte, bleibt dem geneigten Publikum überlassen. Johanna Obojes-Rubatscher: "Wir geben jedenfalls unser Bestes, um diesen großartigen Oberperfer, dessen Name mit unserer Gemeinde untrennbar verknüpft ist, wieder in Erinnerung zu rufen und freuen uns auf regen Besuch."

Spieltermine

Samstag, 5. 11., 20 Uhr (Premiere); Freitag, 11.11., 20 Uhr; Samstag, 12.11., 20 Uhr; Sonntag, 13.11. 18 Uhr; Freitag, 18.11., 20 Uhr; Samstag, 19.11., 20 Uhr; Sonntag, 20.11., 18 Uhr; Freitag, 25.11., 20 Uhr; Samstag, 26.11. 20 Uhr – alle Aufführungen finden im Peter-Anich-Haus statt.
Kartenvorverkauf: Tickethotline 0680-55 50 689 und Tourismusbüro Oberperfuss,
www.volksbuehne-oberperfuss.at


Anich-Hueber-Museum

Zur Abrundung des Theaterabends wird allen Interessierten die Möglichkeit geboten, vor den Aufführungen von 18.30 Uhr bis 19.30 Uhr und an den Sonntagen von 16.30 Uhr bis 17.30 Uhr das Anich-Hueber-Museum (befindet sich im gleichen Gebäude) zu besuchen.

Peter Anich und Blasius Hueber
Zum 250. Todestag von Peter Anich wird in Oberperfuss großes Theater geboten. (Foto: Gabi Lorenz)

Peter Anich (1723 – 1766)

Er wurde am 7. Februar 1723 als einziger Sohn des Ingenuin und der Gertrud Anich geboren. Der Ehe entsprangen noch drei Töchter. Peter war von Kindheit an fasziniert vom Sternenhimmel und beobachtete diesen, wann immer sich die Gelegenheit bot. Neben der landwirtschaftlichen Tätigkeit lernte Peter von seinem Vater auch das Drechseln, ein guter Nebenerwerb in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten.
Es gab damals keine reguläre Schule; lediglich die Grundbegriffe in Lesen, Schreiben und Rechnen wurde den Dorfkindern vom Seelsorger beigebracht. Peter Anich interessierte sich aber in erster Linie für Mathematik und Astronomie. Über die persönliche Empfehlung des Pfarrers von Axams, Anton Burglechner, erhielt Peter mit 28 Jahren die Möglichkeit, von Professor Ignaz von Weinhart SJ unterrichtet zu werden. Dieser lehrte mit Begeisterung den wissbegierigen und begabten Schüler. Solange es dessen Gesundheit erlaubte, stellte sich Peter Anich jeder Herausforderung mit ganzer Kraft. Noch bevor sein größtes Kartenwerk, der Atlas Tyrolensis, fertig vermessen war, stirbt Peter Anich mit 43 Jahren an den Folgen der strapaziösen Vermessungstätigkeit.
Peter Anich blieb ledig. Sein Grab mit Ehrentafel befindet sich in der Pfarrkirche von Oberperfuss.

Blasius Hueber (1735 – 1814)

Auch er war ein Bauernsohn in Oberperfuss, als ihn Peter Anich 1765 aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit als „Practicant“ aufnahm. Unter der praxisnahen Anleitung lernte Blasius Hueber rasch, was für die Vermessung des Landes vonnöten war. Bei Arbeiten in den Sümpfen südlich von Bozen erkrankten beide schwer am „hitzigen Gallenfieber“. Obwohl Blasius Hueber den Tod schon vor Augen hatte, erholte er sich rasch, während Peter Anich ein Jahr dahinsiechte und schließlich verstarb.
Blasius Hueber wurde daraufhin von Ignaz von Weinhart gedrängt, die Vermessungstätigkeit wieder aufzunehmen. Mit Unterstützung seines begabten Neffen Anton Kirchebner wurde die Karte von Tirol fertig vermessen und 1774 gedruckt. Blasius Hueber heiratete zweimal. Der ersten Ehe entsprangen acht Kinder, der zweiten zehn. 1802 verließ er mit seiner Familie Oberperfuss und erwarb einen Hof in Inzing. Nach seinem Tod fand er am Ortsfriedhof seine letzte Ruhestätte. Der Hof wird immer noch von seinen Nachfahren bewirtschaftet.

Ignaz von Weinhart zu Thierburg und Vollandsegg, SJ (1705 – 1787)

Als Sohn einer angesehenen Innsbrucker Bürgersfamilie wurde er nach seinem Studium in Ingolstadt an die Universität Innsbruck berufen. Er begründete das physikalisch-mathematische Experimentierkabinett, das Armarium, welches innerhalb weniger Jahre zu einer Sehenswürdigkeit Innsbrucks wurde. Ignaz von Weinhart war ein leidenschaftlicher Lehrer. Die Weitergabe von Wissen – auch an einfache Untertan! - und die Umsetzung in die Praxis waren ihm ein großes Anliegen. Aus diesem Grund bemühte er sich um die Genehmigung, Vorlesungen in deutscher Sprache halten zu dürfen. Professor Weinhart erkannte die volkswirtschaftliche Bedeutung der Experimentalphysik, der Mechanik (Herstellung von Geräten) und Mathematik. Sein großes Verdienst war es, sein Wirken nicht nur auf den Bereich der Universität zu beschränken, sondern auch den „gemeinen Wesen“, wie es nicht zuletzt Peter Anich war, zu widmen.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.